Die Econitor Besserwisser: Was Sie schon immer über Energiesparen und Klimaschutz wissen wollten. Oder sollten.

Was versteht man unter dem Top-Runner-Modell?

Die Erwartungen passionierter Läufer müssen an dieser Stelle leider enttäuscht werden: Das „Top-Runner-Modell“ hat zwar etwas mit Verbesserungen, Rekorden und Tempo zu tun, aber nichts mit Sport.

Das Top-Runner-Modell sieht vor, das aktuell effizienteste Produkt einer Produktklasse zum Maßstab zu erheben für zukünftige Anforderungen an Produkte dieser Klasse.

So sollen Ressourcen geschont und durch einen niedrigeren Energieverbrauch Kosten und Treibhausgas-Emissionen eingespart werden. Es handelt sich beim Top-Runner-Modell um ein umweltpolitisches Instrument des Gesetzgebers zur Steigerung der Energieeffizienz bei unterschiedlichen Produkten wie etwa Elektrogeräten.

An einem ausgewählten Stichtag wird beispielsweise eine Marktübersicht für Waschmaschinen mit fünf Kilogramm Fassungsvermögen erstellt. Die effizienteste Maschine dient nun als zukünftiger Maßstab für Waschmaschinen derselben Klasse, den diese innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (z.B. fünf Jahre) erreichen müssen.

Versäumt es ein Hersteller, den Vorgaben nachzukommen, droht ihm eine Sanktion in Form einer Geldstrafe oder sogar eines Verkaufsverbots. Das Strafmaß ist abhängig von der Gesetzgebung des jeweiligen Landes, in dem das Top-Runner-Modell angewendet wird.

Umgesetzt wurde der Top-Runner-Ansatz erstmals in Japan, wo sich das Modell als sehr erfolgreich erwiesen hat. Durch die Steigerung der Energieeffizienz konnten dort beispielsweise bei Videorekordern Energieeinsparungen von 59 Prozent, bei Klimaanlagen von 63 Prozent und bei Computern von 83 Prozent erzielt werden.

Vorteile und Nachteile des Top-Runner-Ansatzes

Durch die Umsetzung des Top-Runner-Modells innerhalb eines bestimmten Landes werden die nationalen CO2-Emissionen reduziert, was sich positiv auf Umwelt und Klima sowie die Gesundheit der Einwohner auswirkt. Des Weiteren helfen regelmäßig verschärfte Effizienzziele und die dadurch eingesparten Treibhausgas-Emissionen, internationale und nationale Klimaschutzverpflichtungen zu erreichen bzw. einzuhalten.

Die Wirtschaft profitiert ebenfalls von ressourcensparenden Produkten: Aufgrund des hierdurch erreichten Innovationssprungs wird die eigene Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt verbessert und die Erschließung neuer Märkte vereinfacht. Allerdings kann es in Ländern, in denen kein Top-Runner-Ansatz verfolgt wird, auch zu Wettbewerbsnachteilen für Produkte aus einem „Top-Runner-Land“ kommen: Das ist der Fall, wenn diese aufgrund von höheren Innovations- und Produktionskosten teurer sind als die in Ländern ohne Top-Runner-Modell hergestellten Produkte.