Wirtschaftskrise – Preis für CO2 sinkt
Sinkender Energieverbrauch und weniger CO2-Emissionen - eine Erfolgsmeldung? Was nach einem Fortschritt klingt, kann einen gewaltigen Rückschritt bedeuten. Daher sind Klimaschützer wider Erwarten alarmiert, wenn das CO2 immer billiger wird.
Im ersten Quartal des Jahres 2009 verringerte sich der Energieverbrauch in Deutschland weiter. Der Energieverbrauch ist damit seit sechs Monaten rückläufig und sank um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Privathaushalte haben weiterhin einen steigenden Energiebedarf. Der Rückgang des Energieverbrauches spiegelt nur die verminderte Industrieproduktion in Deutschland wider (BDEW – Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft).
Energieverbrauch sinkt
Die Folgen der Wirtschaftskrise zeigen sich in sehr unterschiedlichen Facetten. Ein sinkender Energieverbrauch erntet für gewöhnlich zustimmendes Nicken der Klimaschützer, da Ressourcen geschont werden und der CO2-Ausstoß sinkt.
In engem Zusammenhang mit dem Stromverbrauch im industriellen Sektor stehen jedoch der Emissionsrechtehandel und der CO2-Preis.
Da sich sowohl Industrie als auch Unternehmen derzeit auf eine verringerte Produktion einstellen, sinkt die Nachfrage nach Emissionsrechten (der Berechtigung zur CO2 -Emission). Denn je weniger produziert wird, desto geringer ist der Ausstoß an CO2. Es werden also weniger Emissionsrechte für den Produktionsablauf benötigt.
CO2-Preis fällt
An der Leipziger Strombörse sinkt der Preis für eine Tonne CO2 seit einem Jahr kontinuierlich. Es wird billiger, CO2 zu emittieren. Mit diesem Preisverfall sinkt gleichzeitig der Anreiz, in CO2-arme Technologien zu investieren.
Es ist voreilig, den sinkenden Energieverbrauch als willkommenen Prozess zu begrüßen, denn die Rahmenbedingungen sind tückisch. Langfristig könnte diese Entwicklung einen enormen Rückschlag für die deutschen Klimaschutzbemühungen und die Technologieentwicklung im Bereich Erneuerbare Energie bedeuten.
Erneuerbare Energien-Branche ringt um Investoren
Bereits Ende 2008 verzeichnete der Branchenbereich Erneuerbare Energien Auswirkungen der Finanzkrise. Der Zugang zum Kapital wurde mühsamer. Da die Weiterentwicklung der Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien auf innovative – gleichzeitig kapitalintensive – Projekte angewiesen ist, sind Kreditzusagen essentiell.
Die Branche der Erneuerbaren stieß jedoch bereits 2008 vermehrt auf ein “Institutional LockIn” – das heißt, die Kreditvergabe an etablierte und langjährig vertraute Akteure fällt leichter als die Finanzierung kleiner Projekte ambitionierter, noch unbekannter Entwickler, was zum Teil noch auf die Unternehmer umweltschonender Energieumwandlung zutrifft.
Der Anreiz, in effektive CO2-arme Kraftwerke zu investieren ist stärker, wenn der Preis für konventionelle Energie bzw. CO2-Emissionsrechte hoch ist. Während der Wirtschaftskrise sinkt die Nachfrage nach Rohstoffen und Emissionsrechten – konventionelle Energie wird billiger. So stellt die derzeitige Entwicklung des Energieverbrauches und des CO2-Preises eine signifikante Bremse für die Weiterentwicklung Erneuerbarer Energien-Technologie dar.
Kurz & knapp
Ein angemessener Preis für konventionelle Energie bezieht externe Kosten, wie den CO2-Ausstoß und finanzielle Folgen des Klimawandels ein.
Anlagen zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen sind in der Installationsphase kapitalintensiv, im Unterhalt jedoch unschlagbar, denn für die Brennstoffe wie Kohle, Öl etc. wird ein Preis verlangt, für Sonne oder Wind nicht.

Warum gibt es negative Strompreise? 









