Ist mein Strom echter Ökostrom?
Kennen Sie den Unterschied zwischen wirklichem Klimaschutz und einer Imagekampagne? Warum große Konzerne Ökostromprodukte anbieten liegt auf der Hand - mehr Kunden wechseln die Stromanbieter und Ökostrom wird verstärkt nachgefragt. Wie erkennt der Kunde Mogelpackungen?
Was ist Ökostrom?
Elektrische Energie, die aus regenerativen Energien stammt wird als Ökostrom bezeichnet. In Deutschland stammt Ökostrom vornehmlich aus Wasser- und Windkraftanlagen und allen weiteren im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) als erneuerbare Energien definierten Energiequellen.

Erneuerbare Energie im Mix
Energiequellen
Ökostrom ist aufgrund physikalischer Gegebenheiten von konventionellem Strom aus der Steckdose nicht zu unterscheiden. Entscheidendes Merkmal für sauberen Regenerativstrom ist die Quelle, aus welcher der jeweilige Stromanbieter Energie gewinnt bzw. Strom liefert, also Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse.
100% Erneuerbare
Der normale Strommix aus Braun- bzw. Steinkohle, Gas, Öl oder Kernenergie konventioneller Stromanbieter stammt nur zu 12% aus erneuerbaren Energien, bei Ökostrom sind 100% einer Strommenge regenerativ erzeugt worden. Doch Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Echter und vor allem nachhaltiger ökologischer Strom hat einen nachvollziehbaren Nutzen für die Umwelt. Bei einer Vielzahl von Ökostromprodukten, die es auf dem deutschen Energiemarkt gibt, ist ein ökologischer Zusatznutzen jedoch äußerst zweifelhaft.
Echter Ökostrom

Windenergieanlage im Aufbau
Echter Ökostrom hat einen “ökologischen Zusatznutzen”. Durch den Bezug eines echten und nachhaltigen Ökostromproduktes werden zusätzliche Kilowattstunden aus regenerativen Energien erzeugt.
Ob das gewählte Ökostromprodukt einen von staatlicher Förderung unabhängigen Ausbaunutzen hat, ist oft schwer nachzuvollziehen.
Eine gezielte Information über den Stromanbieter, dessen weitere Produkte und ein zusätzlicher Blick auf die Ökostromlabels kann Aufschluss darüber geben, ob das Stromprodukt einen ökologischen Zusatznutzen hat.
Zertifikate und Gütesiegel
Ökostromprodukte werden vielfach zertifiziert und/oder mit einem Gütesiegel versehen. Doch sollte der Kunde hier genauer hinschauen und sich von vermeintlich grünen Zertifikaten nicht täuschen lassen.
Renewable Energy Certificate (REC)
Ökostrom, der mit sogenannten RECs (Renewable Energy Certificate) beworben wird, steht beispielsweise in großer Kritik. RECs werden an Unternehmen herausgegeben, die Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugen. Diese Zertifikate können dann von allen Stromanbietern (auch konventioneller Energie) gekauft und dazu genutzt werden, fossilen oder atomaren Strom umzuetikettieren.
RECs sind lediglich ein Nachweis darüber, dass eine bestimmte Menge Strom in einer regenerativ arbeitenden Anlage erzeugt wurde. Das Alter der Anlage oder der Förderstatus sind dabei irrelevant. Das Zertifikat trifft keine Aussage über den Ausbau- und Zusatznutzen des Ökostromangebotes. RECs sind Herkunftsnachweise, keine Gütesiegel.
Wer echten Ökostrom beziehen will, sollte auf weitere Gütesiegel achten. Das “ok-power-Label, das “Grüner Strom-Label” (GSL) sowie eingeschränkt das TÜV-Zertifikat sind aussagekräftige Gütesiegel für Ökostrom mit zusätzlichem Umweltnutzen.
ok-power-Label
Das “ok-power”-Label wird von EnergieVision e.V. vergeben, deren Ziel es ist, Nachhaltigkeit und Transparenz am Energiemarkt zu fördern.
Gründungsmitglieder des Vereins sind das Öko-Institut e.V., der WWF und die Verbraucherzentrale NRW e.V. EnergieVision zeichnet Ökostromprodukte aus, die einen Ausbauimpuls über bestehende Anlagen hinaus geben, also einen zusätzlichen Umweltnutzen entstehen lassen.
Die Nachfrage nach diesem Stromprodukt führt zum Ausbau der Stromerzeugung aus EE – über die Strommenge hinaus, die infolge staatlicher Förderung gleichwohl erzeugt worden wäre.
Grüner Strom Label
Das “Grüner Strom Label” (GSL) zeichnet Ökostromprodukte mit einem hohen Umweltnutzen aus. Hinter dem Verein Grüner Strom Label e.V. stehen der BUND, EUROSOLAR, NABU, die NaturwissenschaftlerInnen-Initiative, DNR, IPPNW und die Verbraucher Initiative.
Mit der Vergabe des Grüner Strom Labels, verpflichtet sich der zertifizierte Stromanbieter zum Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen. Konsumenten eines Ökostromproduktes, das mit dem GSL ausgezeichnet ist, zahlen pro Kilowattstunde mindestens 1 Cent an einen Fonds. Mit diesem Fonds werden neue regenerative Anlagen gefördert, die mit der Förderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetz allein nicht wirtschaftlich wären.
TÜV-Zertifikate
Der Verband der technischen Überwachungsvereine (TÜV) vergibt auf Grundlage einer Basisrichtlinie Ökostrom-Zertifikate. Diese TÜV- Zertifikate stehen in der Kritik, keinen Zusatznutzen gegenüber des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes zu haben.
Zwar verweist die Richtlinie darauf, dass Preisaufschläge des Stromanbieters zur Förderung von erneuerbaren Energien genutzt werden, die Förderung erneuerbarer Energien geht aber über ein “wesentliches Ziel” des Stromanbieter nicht hinaus. Die Ansprüche des “ok-power” Gütesiegels und “Grüner Strom Labels” sind deutlich strenger.
Der Wechsel zu Ökostrom wird dem Kunden sehr erleichtert, doch bevor gewechselt wird, sollte unabhängig vom Stromanbieter eine kurze Information zum Ökostromprodukt eingeholt werden. So trägt das gekaufte Produkt nicht nur das Etikett “öko” sondern fördert auch Investitionen in neue Regenerativstrom erzeugende Anlagen.
Kurz & Knapp
Echter Ökostrom geht mit dem Neubau von Kraftwerken auf Basis erneuerbarer Energien einher.
Mit RECs ausgezeichneter Strom bewirkt aktuell und mittelfristig im Allgemeinen keinen ökologischen Mehrwert. Sie unterstützen lediglich die Sensibilisierung des Konsumenten für die Stromproduktion und deren Folgeerscheinungen.


Was ist eigentlich Netzparität? Ist Ökostrom dann genauso preiswert wie Normalstrom? 










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Eine einfache Übersicht über Anbieter, deren ökologischer Zusatznutzen beim Ausbau erneuerbarer Energien vom Öko-Institut Freiburg geprüft wurde, findet sich hier: http://www.ecotopten.de/prod_strom_prod.php
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