Smart Meter – Verbraucherfreundliches Energiemanagement

Smart Meter - Verbraucherfreundliches Energiemanagement Wie viel Strom verbraucht meine Multimedia-Anlage in diesem Moment? Läuft mein Kühlschrank bereits den ganzen Vormittag? Anhand des herkömmlichen Ferraris-Zählers kann der Stromverbrauch kurzfristig nur unzureichend kontrolliert werden. Mit dem Smart Meter wird ein minutengenaues Ablesen möglich.

 

Wie? Ein Ferrari zählt Strom?

Die alten Drehstromzähler mit dem flotten Namen Ferraris-Zähler werden deutschlandweit derzeit in vielen kleinen Projekten durch sogenannte Smart Meter (“Mieter” gesprochen) ersetzt. Dieser “Intelligente Stromzähler” übernimmt die Aufgabe des herkömmlichen Stromzählergerätes und kann noch einiges mehr.

Ein konventioneller Ferrariszähler

Ein konventioneller Ferrariszähler

Der Ferraris-Zähler

Der alte Ferraris-Zähler ist bekannt für seine langen und rätselhaften Zahlen – sei es die des Stromzählers selbst oder die Angaben des jährlichen Stromverbrauchs, welche er anzeigt. Der Energieverbrauch wird persönlich abgelesen, die gängigen Hilfsmittel sind Zettel und Stift. Eine Endabrechnung kommt im Glücksfall zeitnah. Die Ablesedaten bleiben dem Verbraucher jedoch oft unverständlich, die Stromrechnung zuweilen unbegreiflich.

Stromverbrauch ohne Vergleichsdaten

Der Ferraris-Zähler generiert nur einen einzigen Wert. Der Zähler läuft unentwegt fort, so dass der Ablesedienst jährlich einen Kilowattstundenwert (kWh) liefert. Der Wert ergibt sich aus der Differenz des aktuellen Ablesewertes und dem des Vorjahres. Eine einfache Information, ohne erklärenden Inhalt und größeren Aha-Effekt. Nachvollziehbar sind weder einzelne Tagesspitzen, noch Jahreszeitenverläufe oder die entsprechenden Stromverbräuche. Stromsparen erfolgt nur nach Gefühl und ohne aktuellen, persönlichen Vergleichswert. Findige Sparer lesen deshalb wöchentlich ihre Werte ab und errechnen manuell ihren Verbrauch. Komfortabel und praktisch ist dies kaum.

Funktion und Vorteile des Smart Meter

Die elektronische Variante des Stromzählers ersetzt den Ablesedienst, da alle Daten regelmäßig elektronisch gespeichert werden und an den Server des  Energieversorgungsunternehmens (EVU) via Funk, Stromleitung oder Internet gesendet werden können. Dort können die Versorgungsunternehmen oder der Messdienstleister die Daten verarbeiten und dem Verbraucher zur Verfügung stellen. Die Kunden können über einen Verbrauchsmonitor oder das Internet ihren Verbrauch regelmäßig einsehen.

Modell eines Smart Meter

Modell eines Smart Meter

Stromabrechnung monatlich

Genaue monatliche Abrechnungen und die regelmäßigen Kontrolle des Stromverbrauchs sind die wesentlichen Vorteile des Smart Meters. Einsparpotenziale können besser erkannt, Einsparerfolge zeitnah beobachtet werden. Vereinzelte Prototypen können den Stromverbrauch bereits an den Kunden twittern.

Natürlich bedeutet der Smart Meter für die EVUs und Messdienstleister eine erhöhte Prozesseffizienz. Die Ablesedienste werden vereinfacht – zum Nachteil vieler Arbeitnehmer, deren Stellen dadurch bedroht sind. Verdi rechnet damit, dass circa 6000 Stellen im Außendienst und in der Verwaltung der Energieversorger und des Messwesens wegfallen.

Effiziente Stromversorgung

Die Stromversorgung könnte ebenfalls optimiert werden, denn ein zeitnahes Zu- und Abschalten von Geräten (auch von außerhalb des Haushaltes) wird möglich. Doch muss hier der Missbrauch mit Smart Meter – Systemen vermieden werden. Säumigen Kunden das TV-Gerät abzuschalten, könnte durchaus zu Missmut führen und Diskussionen anfachen.

Im nächsten Schritt können im Rahmen der Hausautomatisierung Elektrogeräte preis- und energieeffizient zentral gesteuert werden. Im Kraftwerksmanagement können Smart Meter darüber hinaus zur Vermeidung von Spitzenlasten beitragen, indem Verbrauchsspitzen vermieden werden.

Smart Meter – Verbrauchsdaten schützen

Mit dem neuen Smart Meter könnte der Stromverbrauch anschaulicher werden. Je nach Fabrikat kann entweder
- das EVU oder der Messdienstleister,
- das EVU und der Kunde oder
- das EVU, der Kunde und ein neugieriger Dritter Einsicht in die Verbrauchsdaten nehmen.

Datenschutz vorrangig

Die ersten beiden Fälle sind die legitimen Funktionen des Smart Meter, die andere Variante unter Einsicht eines Dritten ist natürlich eine fragwürdige Schwachstelle. Denn dort, wo der Smart Meter die Chance sein kann, das eigene Energiemanagement zu digitalisieren, liegt auch ein Risiko. Die Verwaltung der Daten muss daher unbedingt den Datenschutz gewährleisten und den unbefugten Zugriff ausschließen können. Der Umgang des EVUs oder Messdienstleisters mit den Verbrauchsdaten und deren Weiterverarbeitung muss ebenfalls eindeutig festgelegt sein.

Big Brother Award

Vorläufiger Höhepunkt der Skepsis – und gleichzeitig ein Denkzettel – war die Negativauszeichnung “Big Brother Award” im Bereich Technik, der im letzten Jahr an das Unternehmen “Yello Strom” verliehen wurde. Zwar war es bei dem Stromanbieter nicht zum Datenklau gekommen, “honoriert” wurde allein die Idee des digitalen Stromzählers. Die Transparenz der Verbrauchsdaten einzelner Privathaushalte durch den Smart Meter wurde vom Stromanbieter als Vorteil angepriesen, mögliche Datenschutzprobleme in der Erklärung jedoch außen vor gelassen.

Der Preis galt als präventive „Auszeichnung“, an der sich ähnliche Business-Ideen orientieren sollten. Der Verbraucher müsse davor geschützt werden, dass der Smart Meter zu einem Überwachungsinstrument mutiert und die Verbrauchsdaten zu Marketingzwecken oder kriminell benutzt werden.

Stromnetz der Zukunft

Der Smart Meter ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum Stromnetz der Zukunft, dem Smart Grid (Intelligentes Stromnetz). Unter besonderer Berücksichtigung des Datenschutzes kann die allgemeine Stromversorgung mit Hilfe des Smart Meters modernisiert werden. In einem zweiten Schritt wird das digitale Messwesen in Privathaushalten oder im Gewerbe die Nutzung eines flexiblen Strompreises ermöglichen.

Smart Meter in Deutschland

Intelligente Stromzähler - den Verbrauch jederzeit im Blick

Intelligente Stromzähler - den Verbrauch jederzeit im Blick

EU-weit sollen bis 2020 80 Prozent der Haushalte mit intelligenten Stromzählern ausgestattet werden. Bis 2022 soll der gesamte Wechsel vom Ferraris-Zähler zum Smart Meter vollzogen sein.

Italien setzt Smart Meter bereits seit 2000 ein. Der italienische Energieversorger Enel hat nunmehr seinen gesamten Kundenstamm (rund 27 Millionen Stromkunden) mit intelligenten Stromzählern ausgestattet. In Schweden wird der Smart Meter bereits flächendeckend genutzt.

Öffnung des Messwesens

In Deutschland gelangen die Smart Meter etwas verspätet in die Haushalte. Grundlage für ihre Einführung der intelligenten Stromzähler (gleichermaßen Gas) ist das „Gesetz zur Öffnung des Messwesens bei Strom und Gas für Wettbewerb“ – eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetztes -, das seit dem 9. September 2008 in Kraft ist. Dieses schreibt vor, dass ab 2010 monatliche Abrechnungen ermöglicht werden sollen. “Soweit es technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar” ist, sollen je nach Tageszeit bzw. Stromangebot und Stromverbrauch unterschiedliche Tarife gelten. Damit könnte der flexible Strompreis von einer Großzahl der Verbraucher genutzt werden.

Ab Januar 2010 ist der Einbau der Smart Meter in Neubauten verpflichtend, auch bei Neubauten mit Gasversorgung. Diesbezüglich besteht die Frage, inwiefern Verbraucher sich diesem Einbau verweigern können. Als problematisch erachten Verbraucherschützer und Energieversorger die unterschiedlichen Fabrikate der Smart Meter, wodurch der Wechsel des Gas- oder Stromanbieters erschwert werden könnte. Deshalb wird aktuell über eine Standardisierung diskutiert. Wer darüber hinaus die Kosten für die Technik und Installation tragen wird, ist zunächst unklar.

Bekanntheitsgrad von Smart Metern

Hierzulande ist der Bekanntheitsgrad von Smart Metern noch sehr gering. So ist der Begriff Smart Meter laut einer Umfrage von Nordlight Research unter 1.000 Deutschen über 18 Jahren noch ganzen 99 Prozent der Befragten unbekannt. Nach einer kurzen Aufklärung zur Funktion und dem Nutzen von Smart Metern zeigten sich die Angesprochenen jedoch interessiert. Rund die Hälfte der Befragten seien darüber hinaus bereit, ein solches Gerät zu kaufen und würden bis zu 80 Euro dafür ausgeben.

Ein flexibler Strompreis und eine entsprechende Programmierung des Smart Meter würde ähnlich dem “Smart-Surfer” – ein Computerprogramm, das Internetnutzern vor jeder Einwahl automatisch den preiswertesten Internettarif anzeigt – die Möglichkeit bieten, den Strom jeweils vom gerade billigsten Anbieter zu beziehen. Dies ist derzeit theoretisch möglich, an der Umsetzung wird bislang gearbeitet.

Smart Meter –  Chance für ein flexibles Stromnetz?

Die zukünftige Kommunikationszentrale - der Zählerschrank

Die zukünftige Kommunikationszentrale - der Zählerschrank

Das zunehmende Einspeisen von Strom aus regenerativen Energien verlangt nach einer flexiblen Stromversorgung. Denn die Stromeinspeisung richtet sich nicht nach der Energieabnahme, sondern den Wetterverhältnissen – Strom wird erzeugt, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Daher ist es wichtig, reaktionsfähige Stromnetzwerke zu errichten.
Entsprechend könnten die Energietarife gestaffelt werden. Günstige Preise könnten bei einem großen Angebot an Strom wie beispielsweise bei Starkwind oder nachts gelten. Gleichermaßen wären Strommengen, die bei großer Energienachfrage verbraucht werden, wie mittags oder bei einem geringen Stromangebot (kein Sonnenschein und wenig Wind) entsprechend teuer verkauft.

Flexibler Strompreis

Mit einem Smart Meter, dem diese Preisangebote dann zur Verfügung stehen und der in seiner Funktion auch die Waschmaschine oder den Geschirrspüler regeln könnte, wäre der Verbraucher in der Lge seinen (Strom)Haushalt zu automatisieren und sogar Kosten einzusparen. Der Strom könnte über den Tag verteilt günstiger verbraucht werden. Stromintensive Programme der Waschmaschine oder des Geschirrspülers könnten nachts laufen. Dieser Vorgang wird auch als Lastverschiebung bezeichnet.

Kurzum: Der Smart Meter sensibilisiert den Konsumenten für seinen Energieverbrauch und ermöglicht den kostengünstigsten Stromkonsum im Rahmen eines flexiblen Strompreises. Die Stromversorgung könnte mit dem Smart Meter besser auf die Anforderungen eines Smart Grid abgestimmt werden und der Stromverbrauch deutlich an Effizienz gewinnen.

Smart Meter richtig nutzen

Energieversorgungsunternehmen wollen Energie verkaufen. Der Smart Meter ist für die Stromversorger ein Instrument, um eigene Kosten einzusparen. Ob der Verbraucher mit dem Smart Meter Strom und Kosten einspart, liegt daran, wie er seinen Strom und den Smart Meter nutzt. Allein mit der Installation des Smart Meters werden noch keine Kosten eingespart, aber die praktische Visualisierung des Strom- oder Gasverbrauchs kann aufzeigen, wo sich Sparpotenziale verbergen.

Kurz & knapp

Die Zeit des Ferraris-Zählers läuft ab. Kontinuierlich sollen diese gegen Smart Meter ausgetauscht werden. Ab 2010 ist die Installation von Smart Metern im Bereich Strom und Gas bei Neubauten und größeren Sanierungen verpflichtend.

Wenn der Smart Meter ein erster Schritt zum intelligenten Stromnetz ist, wird der flexible Strompreis der zweite Schritt sein. Er kann eine Kostenersparnis ähnlich der des „Smart Surfers“ für den Verbraucher bedeuten.

Smart Metering muss den Grundsätzen des Datenschutzes entsprechen, der Missbrauch der Geräte muss ausgeschlossen werden.

Weiterführende Links

Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein: Datenschutzrechtliche Bewertung des Einsatzes von „intelligenten“ Messeinrichtungen (Smart Meter) für die Messung von gelieferter Energie

Tagesspiegel – Zank um den Zähler

Marktforschung Smart Meter

3 Kommentare
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  1. [...] Econitor Online-Magazin: Smart Meter – Verbraucherfreundliches Energiemanagement [...]

  2. [...] Smart Meter – Verbraucherfreundliches Energiemanagement [...]

  3. [...] Was ein Smart Meter ist erfahren Sie in unserem Beitrag “Smart Meter – verbraucherfreundliches Energiemanagement“. [...]

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