Smart Meter und Smart Grid: Was denken die Verbraucher?

Smart Meter und Smart Grid: Was denken die Verbraucher? Kaum eine Woche, in der nicht über den notwendigen Ausbau des aktuellen Stromnetzes zu einer intelligenten Variante (Smart Grid) oder Smart Meter (intelligente Stromzähler) berichtet wird. Aber wie gut sind die Verbraucher wirklich informiert? Und welche Vorteile bieten ihnen die neuen Zähler?

 

Mit dem flächendeckenden Austausch von Ferraris-Zählern gegen Smart Meter, der in den nächsten Jahren erfolgen soll, beginnt ein neues Zeitalter der Stromversorgung: Verbraucher können ihren Stromverbrauch zeitnah sehen und kontrollieren. Für sie wird erstmals wirklich nachvollziehbar, wie sich ihre Stromrechnung zusammensetzt und die Konsequenzen ihres Stromverhaltens lassen sich nun unmittelbar ablesen. Stromfresser können schnell entlarvt („Wenn ich nachts alle Elektrogeräte und Steckerleisten ausgeschaltet habe, verbraucht irgendwas immer noch viel Strom – das muss mein Kühlschrank sein“) und so Energiekosten gespart werden.

Grundsätzlich ist für Verbraucher interessant, dass sie den Kosten-Effekt von umgesetzten Energiespar-Maßnahmen nicht wie bisher erst mit bis zu einem Jahr Verspätung auf ihrer Stromrechnung sehen, sondern bereits kurzfristig, da durch den Einsatz von Smart Metern monatliche Abrechnungen möglich werden.

So wird der Anreiz zum Energiesparen erhöht, was gleichzeitig die Umwelt freut, denn jede nicht verbrauchte Kilowattstunde im Haushalt bedeutet einen geringeren CO2-Ausstoß.

Smart Meter und Smart Grid: Die Stromversorgung der Zukunft

Die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien nimmt immer weiter zu, damit steigen auch die Anforderungen an das Stromnetz: Die je nach Wetter bzw. Tageszeit variierende Stromproduktion aus regenerativen Quellen muss flexibel verteilt bzw. zeitlich gesteuert werden, um zu starke Schwankungen im Stromnetz zu vermeiden. Hier helfen Smart Meter, indem sie einerseits genaue Informationen über die Strom-Nachfrage der Verbraucher liefern, und andererseits die Möglichkeit bieten, diese etwa durch Tarifstrukturen zu beeinflussen.

Das Smart Grid ist somit bi-direktional: Während es sich beim heutigen Stromnetz um eine Einbahnstraße handelt (Der Strom wird überwiegend in Großkraftwerken produziert, und anschließend ins Netz gespeist, ohne dass Energieversorger und Netzbetreiber wissen, ob und wo genau die Nachfrage gerade hoch oder niedrig ist), wird es in Zukunft einen Informationsaustausch in beiden Richtungen geben mit dem Smart Meter als Schnittstelle zwischen Stromnetz und Verbrauchern.

Smart Grid: Steuerung des Stromverbrauchs durch zeit- und lastvariable Tarife

Bereits ab Januar 2011 müssen Energieversorger den Kunden, die über einen Smart Meter verfügen, mindestens einen zeit- und /oder lastvariablen Tarif anbieten, der laut Bundesnetzagentur „einen Anreiz zur Energieeinsparung oder zur Steuerung des Energieverbrauchs setzt“.

Damit wird eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage zu optimieren: Hierdurch könnten Verbrauchsspitzen durch Steuerung „abgeflacht“ werden, indem beispielsweise Elektroautos, die nachts nicht unterwegs sind, zu dieser Zeit geladen werden. Denkbar ist in diesem Zusammenhang ein zeitvariabler Stromtarif als Anreiz, durch den die Kunden nachts weniger pro kWh zahlen als tagsüber.

Da der durchschnittliche Stromverbrauch in der Nacht deutlich geringer ist, kann auf diese Weise nachts erzeugter Strom effektiv genutzt werden: Am nächsten Tag müssten weniger Autos geladen werden und die Nachfrage würde entsprechend geringer ausfallen.

Auch eine Überproduktion an Strom kann in einem intelligenten System effizient genutzt werden: Wird beispielsweise während eines Sturms viel Strom durch Windenergie erzeugt, erhalten die Smart Meter umgehend die Information, dass viel Strom (entsprechend preiswert) zur Verfügung steht. Sie können dann automatisch das Aufladen von Elektro-Autos, den Start der Waschmaschine uvm. veranlassen.

Noch zu unbekannt: Smart Meter aus Verbrauchersicht

Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher kann mit der Bezeichnung „Smart Meter“ nichts anfangen: In einer Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. gaben mehr als neunzig Prozent der Befragten an, diesen Begriff nicht zu kennen. Von digitalen intelligenten Stromzählern haben immerhin knapp fünfzig Prozent der Befragten bereits etwas gehört.

Nachdem den Studienteilnehmern kurz erläutert wurde, was genau unter digitalen Stromzählern zu verstehen ist und welche grundsätzlichen Zielsetzungen mit der geplanten Einführung dieser Zähler verbunden sind, konnten sich über siebzig Prozent den Einsatz eines Smart Meters vorstellen, knapp zwanzig Prozent waren allerdings skeptisch.

Positiv bewerteten die Befragten die Möglichkeit, durch einen intelligenten Stromzähler ihren Energieverbrauch besser kontrollieren und Stromfresser entlarven zu können. Auch die Reduzierung des Energieverbrauchs sowie der Energiekosten und die Nutzung zeitabhängiger Tarife wurden als Vorteile genannt.

Kritisch sehen die Verbraucher vor allem den Bereich Datenschutz: So hatten sie Bedenken, keine Kontrolle über ihre Stromverbrauchsdaten zu haben und zum „gläsernen Kunden“ bzw. Opfer einer missbräuchlichen Verwendung ihrer Daten zu werden. Die Befürchtung, die Stromanbieter könnten aufgrund der vom Zähler gesammelten Verbrauchsprofile die Preise zu bestimmten Tageszeiten gezielt anheben, teilten ebenfalls viele.

Was erwarten Verbraucher genau vom intelligenten Stromzähler?

Der ideale Stromzähler ermöglicht aus Verbrauchersicht auf einfache Weise Transparenz und einen eigenen optionalen Einfluss auf den Stromalltag. Zudem gewährleistet er Freiheit und Unabhängigkeit vom Stromanbieter.

Laut Verbraucherzentrale Bundesverband wünschen sich die Verbraucher konkret, dass unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden und es somit ein breites Angebot verschiedener Stromtarife gibt. Ferner sprachen sie sich für die Regulierung der Datenspeicherung und die Gewährleistung der Datensicherheit aus.

Des Weiteren verlangten sie die Aufklärung von Verbrauchern allgemein bezüglich Funktionen und Sinn eines Smart Meter sowie mehr Informationen zu Umwelt-Aspekten. Außerdem forderten die Befragten alltagsrelevante Anwendungen und lediglich geringe monatliche Zusatzkosten für einen Smart Meter.

Kurz & Knapp:

Durch den Einsatz von Smart Metern in Kombination mit einem Smart Grid ergeben sich für Verbraucher viele Chancen, es bleiben aber noch ungeklärte Fragen, etwa im Bereich Datenschutz.

Die meisten Verbraucher stehen Smart Metern grundsätzlich positiv gegenüber, allerdings kann nur jeder zweite mit dem Begriff „intelligenter Stromzähler“ etwas anfangen. Hieran wird deutlich, dass der Aufklärungsbedarf immer noch groß ist.

5 Kommentare
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  1. In Österreich laufen auch schon die ersten größeren Projekte an, in denen smart meter weiter verbreitet werden sollen. Hauptsächlich von Stromanbietern um den Verbrauchern einen besseren und schnellern Überblick gewährleisten zu können. Vielleicht interessiert ja den einen oder anderen dieser Link:
    http://www.e-steiermark.com/projekte/smartmeter/index.htm
    aber auch für Energiebewusste Menschen gibt es durch die Firma Eaton die Möglichkeit einen smart meter einbauen zu lassen…
    Auf jeden Fall danke für euren Bericht und wie man sehen kann, werden sich smart meter langsam aber sicher durchsetzen.

  2. [...] Smart Meter und Smart Grid http://www.econitor.de/magazin/wohnen/strom/smart-meter-und-smart-grid-was-denken-die-verbraucher_92... [...]

  3. Ich als Verbraucher denke, der eigentliche Vorteil eines Smartmeters ist für die Autoritäten, mich jederzeit abschalten zu können. Deshalb habe ich auch kein Interesse daran, einen Smartmeter in meiner Wohnung zu haben.

  4. Liebe/r ks,

    von Verbraucherseite wird immer wieder die Befürchtung geäußert, Smart Meter könnten vom Stromversorger dazu missbraucht werden, etwa im Falle eines Zahlungsverzugs die Stromzufuhr zu kappen. Dies ist aus gesetzlichen Gründen aber nicht einfach willkürlich möglich. Sollten Sie diesbezüglich schlechte Erfahrungen mit einem Stromanbieter gemacht haben, empfehlen wir Ihnen einen Wechsel zu einem vertrauensvollen Anbieter.

    Was die Vorteile von Smart Metern betrifft, setzen wir von Econitor uns gerade dafür ein, dass ein Energiemanagement (mit oder ohne Smart Meter) nicht auf den Energieversorger, sondern auf die Bedürfnisse der Verbraucher zugeschnitten ist. Durch einen digitalen Stromzähler (der nicht unbedingt vom Energieversorger kommen muss!) erhalten Sie die Möglichkeit, Ihrem Stromverbrauch zeitnah sehen, ihn genau nachverfolgen und besser verstehen zu können: Regelmäßig, laufend, automatisch und ohne ständig Zählerstände in eine Excel-Tabelle eintragen und anschließend selbst auswerten zu müssen.

    Durch eine komfortable Auswertungssoftware – wie bspw. die Onlinesoftware, die wir bei Econitor für Verbraucher entwickeln! – erhalten Sie Grafiken und verständliche Kennzahlen zur Auswertung Ihres Energieverbrauchs. Die Software hilft Ihnen auch, Ihren Verbrauch durch den Vergleich mit anderen Haushalten besser einschätzen zu lernen und gibt rasch Feedback über Änderungen Ihres persönlichen Stromverhaltens und damit Antworten auf Fragen wie „Bringt es wirklich etwas, wenn ich das Flurlicht immer ausschalte?“ Auch die Auswirkungen von durchgeführten Energiespar-Maßnahmen, bspw. der Wechsel von Glühlampen zu Energiesparlampen, werden leichter sichtbar und somit für Sie selbst nachvollziehbar.

    Software wie die, die wir bei Econitor entwickeln, soll also vor allem Ihnen als Verbraucher helfen, Ihren Stromverbrauch SEHEN, VERSTEHEN und SENKEN zu können. Aber zugegeben: Ihre Stromrechnung müssen Sie wohl trotzdem noch selbst bezahlen. :-)

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Marie und Christoph von Econitor

    PS — Haben Sie Interesse, unsere Onlinesoftware zu testen? Das ist mit oder ohne digitalem Stromzähler möglich! Wenn Sie möchten, schreiben Sie uns einfach eine Mail an die bekannte Kontakt-Adresse. :-)

  5. Wieso ist es Missbrauch, wenn ein Stromversorger im Falle des Zahlungsverzuges den Zähler sperrt? Der Tankwart gibt einem auch kein Benzin wenn man nicht bezahlt. Solche Energiediebe leben auf Kosten aller ehrlichen Kunden. Drum finde ich die Funktion des Abschaltens gut.
    Ob der ‘smart meter’ wirklich Energie spart glaube ich eher nicht, dazu müsste man ja erst mal Geräte haben die auf seine Impulse reagieren. Und die sind – jedenfalls im Moment – deutlich teurer als die ‘normalen’ dummen Geräte. Siehe IFA.

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