Externe Kosten der Energieversorgung
Die Energieversorgung nimmt Einfluss auf die Umwelt und das kostet Geld. Der Wohlfahrtstheorie folgend, müssten die Kosten der negativen Effekte in den Preis der Energie einbezogen werden. Doch welche Rechnung liegt dem zugrunde und wie spekulativ sind derartige Aufschläge auf den Strompreis?
Schadstoffemissionen verursachen “Nebenkosten”
Europa zahlt jährlich 102 Mrd. Euro Gesamtkosten für die Behandlung von Lungenerkrankungen – das sind 118 Euro pro Kopf und Jahr. Krankheitsursachen können Schadstoffemissionen wie Feinstaub und Klimagase der Industrie oder des Verkehrs sein.
Anfallende Kosten trägt die Allgemeinheit

Energieversorgung verursacht Kosten, die ihr nicht in Rechnung gestellt werden
In Großstädten schmälern Luftverschmutzung oder Lärmbelästigung das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Es entstehen Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und Krankheitsstand, die nicht oder nur in Teilen vom Verursacher selbst – in diesem Fall bspw. dem PKW-Fahrer – getragen werden und auf die Allgemeinheit zurückfallen.
Teure Folgeschäden
Energie wird nach wie vor überwiegend aus Öl, Gas und Kohle gewonnen. Dabei verursacht die Stromproduktion Kosten, die der Strompreis bislang nicht vollständig widerspiegelt. Diese Kosten – externe Kosten – können als Folgeschäden des Bergbaus, von unzureichend gesichertem atomaren Müll, Klimagasemissionen, Bodenbelastungen, Waldschäden oder auch das Ansteigen der Meeresspiegel den Steuerzahler belasten.
Der eigentliche Verursacher ist kaum definiert und kann nicht belangt werden. Welche Methoden gibt es, diese Kostenbilanz an die Verantwortlichen abzutreten?
Externe Kosten – Was heißt das?
“Externe Kosten” ist zunächst eine sehr theoretische Bezeichnung dessen, was tägliche Aktivitäten der Marktteilnehmer an Folgeschäden verursachen können, ohne dass diese Teilnehmer die entsprechenden finanziellen Kosten dafür tragen. Externe Kosten sind Rechnungen, die anfallen, aber nicht vom Verursacher selbst, sondern von der Allgemeinheit beglichen werden.
Der Begriff “externe Kosten” leitet sich aus der sog. Wohlfahrtstheorie ab, die bereits vor rund 100 Jahren im Zusammenhang mit der Industrialisierung diskutiert wurde. Die Theorie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften definiert unmittelbare und mittelbare Auswirkungen ökonomischer Aktivitäten als externe Effekte.
Diese externen Effekte können sowohl positiv – als externer Nutzen – als auch negativ – als externe Kosten – wirken. Letztere sind dabei gesellschaftliche, wirtschaftliche oder ökologische Belastungen, die reale finanzielle Kosten nach sich ziehen.
Beispiele:
Positiver Effekt = die private Erneuerung einer Hausfassade durch den Hausbesitzer selbst, der damit gleichzeitig das Stadtbild aufbessert
Negativer Effekt = Lärmbelästigung durch einen Nachbar oder Umweltbelastung einer Firma, saurer Regen, Bodenverschmutzung, Müll oder andere Abfallstoffe mit problematischer Lagerung
Externe Kosten kompensieren
Externe Effekte können mit staatlichen oder privaten Instrumenten kompensiert oder reduziert werden. Staatliches Instrument ist die Lenkungssteuer bzw. Pigou-Steuer. Finanzielle Kosten negativer Effekte werden durch die Steuer an das Unternehmen zurückgetragen.

Folgeschäden in der Landschaft durch den Tagebau
In der Praxis bedeutet dies Folgendes: Für die von einem Unternehmen verursachten Umweltschäden und -beeinträchtigungen als Folgen der Emission von Schadstoffen – wie Belastungen der Grund- und Oberflächengewässer oder Geruchsbelästigungen – muss das Unternehmen eine Steuer in der Höhe des kalkulierten Schadenswertes zahlen.
Diese Abgabe in Form einer Steuer soll zum schonenden Umgang mit entsprechenden Ressourcen anregen und die Kosten auf den Verursacher zurückführen. Das Unternehmen wird diese Steuer in den Verkaufspreis des jeweiligen Produktes einfließen lassen, wodurch der Marktpreis die tatsächlichen Produktionskosten widerspiegeln sollte.
Die Schwierigkeit besteht darin, nachvollziehbare Kosten herauszustellen. Es gilt zu berechnen, welchen reellen Schaden das Unternehmen verursacht und wie hoch die entsprechenden externen Kosten sind.
Externe Kosten der Energieversorgung
Dies wird für den Strompreis diskutiert und bereits teilweise über die Ökosteuer realisiert. Zur Debatte stehen im Zuge des sich vollziehenden Klimawandels die externen Effekte unserer Energieversorgung und Produktionsprozesse.
Die Strombereitstellung bzw. Kraftwerksproduktion führt potenziell zu externen Effekten. Potenziell bedeutet, dass die negativen Folgen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eintreffen (IPCC), aber nicht absolut sicher sind.
Projekt ExternE
Mit der zahlen- und mengenmäßigen Erfassung der externen Kosten der Energieversorgung beschäftigten sich bereits Experten in mehreren Forschungsprojekten, darunter beispielweise das Projekt ExternE. Einem Projekt der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2001.
Ziel des Projektes ExternE war es, die sozioökonomischen Kosten der Energieversorgung zu erfassen. Die Teilnehmer der Studie ermittelten für die Erzeugung von Elektrizität einen durchschnittlichen Betrag von 4 Cent pro Kilowattstunde, wobei die externen Kosten in Ballungsräumen deutlich höher lagen als im ländlichen Raum. Die geringsten externen Kosten wiesen Windenergie (0,05 Cent pro kWh) und Wasserenergie auf, gefolgt von der Atomenergie (0,2 Cent pro kWh).
Methodenkonvention des UBA
Auch das Umweltbundesamt (UBA) stellte Berechnungen an und veröffentlichte 2007 die Methodenkonvention zur Abschätzung der externen Umweltkosten. Die Behörde berechnete höhere Werte für die extenen Kosten als das Projekt ExternE und schlug daraufhin weitere Umweltschutzmaßnahmen zur Vermeidung von Umweltkosten vor.
Den Berechnungen zufolge liegt der Betrag für externe Umweltkosten bei der Stromproduktion aus Kohle bei 6 bis 9 Cent. Die ExternE-Studie errechnete fünf Jahre zuvor nur 4 bis 6 Cent externer Kosten für die Erzeugung von 1 kWh Kohlestrom. Deutlich unter 1 Cent pro Kilowattstunde externe Kosten fielen bei der Stromerzeugung aus Quellen erneuerbarer Energien an. Das UBA zieht aus diesen Berechnungen den Schluss, dass die Förderung erneuerbarer Energien-Technologie einen nachweislich volkswirtschaftlichen Nutzen hat.
Wie setzt sich die Stromrechnung heute zusammen?
Der Preis, den wir für unseren Strom zahlen, setzt sich im Wesentlichen aus den Grundgebühren bzw. Steuern und dem eigentlichen Energieverbrauch zusammen. Doch es gibt weitere Einzelkosten, die vielen Verbrauchern nicht bewusst sind.

herkömmlicher Ferrariszähler
Energiekosten:
Kosten des bezogenen Stroms
Einkauf zusätzlichen Stroms
Kosten für die ständige Verfügbarkeit von Strom
Gewinnzuschlag
Ablesedienst
Rechnungserstellung
Netzkosten:
Heute häufig als Extra-Rechnung vom Netzbetreiber und nicht vom Stromanbieter, es sei denn es ist ein- und derselbe.
Abgaben und Steuern:
Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Umlage
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Umlage
Mehrwertsteuer
Konzessionsabgabe
Ökosteuer
Die Energie- und Netzkosten fallen mit ca. 60 Prozent des Gesamtpreises ins Gewicht, Abgaben und Steuern haben einen Anteil von rund 40 Prozent.
Werden externe Kosten heute in den Strompreis einbezogen?
In die Vergütungssätze für Strom aus erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz fließen externe Kosten fossiler Energieträger ein. Staatlich garantierte Mindestpreise für bestimmte Formen der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erhöhen den gesamten Strompreis und damit auch indirekt den Preis fossiler Energieerzeugung.
Internalisierungsdefizite

Waldsterben als externer Kostenfaktor
Das UBA stellt in oben genannter Studie heraus, dass zwar externe Kosten in den Strompreis einbezogen werden, deren Höhe bzw. Anlastung jedoch deutliche Internalisierungsdefizite aufweist.
Unter Berücksichtigung der Umlage der KWK- bzw. EEG-Vergütung, der Ökosteuer und des Handels mit Emissionsrechten, entsteht bspw. für die Braunkohle eine Belastung von 1,83 Cent/kWh. Die externen Kosten der Braunkohle betragen jedoch 8,7 Cent/kWh (UBA), woraus sich ein Internalisierungsdefizit von 6,9 Cent/kWh ergibt.
Ökosteuer
Die Ökosteuer nimmt unter den Abgaben eine besondere Stellung ein. Sie ist eine Abgabe auf den verbrauchten Strom, der potenziell Umweltschäden hervorruft. Die Steuer entfällt nicht auf Strom aus Erneuerbarer Energie, die direkt aus der Anlage stammt, dagegen wird für Erneuerbare-Energien-Strom und den entsprechenden Strommix, der durch das Stromnetz geleitet wird, die Steuer erhoben.
Die Ökosteuer ist eine Lenkungssteuer und soll einen Anreiz zum Stromsparen und zur Entwicklung effizienter Technologien sowie umweltschonender Energieumwandlung geben. Die Einnahmen werden an die Rentenkasse abgeführt.
Kritik an der Lenkungswirkung der Ökosteuer:
Die Steuersätze würden sich nur mangelhaft an tatsächlichen Umweltauswirkungen und deren Kosten orientieren.
CO2-intensive fossile Energien wie bspw. Kohle würden nicht berücksichtigt. (Kohle mit der Ökosteuer zu belegen, hieße einerseits staatliche Förderungen zu zahlen und mit gleichzeitiger Besteuerung zu kassieren)
Es seien Ausnahme- bzw. Kompensationsregelungen für energieintensive Industrien vereinbart worden.
Bezugsgröße der Ökosteuer sei der Energiegehalt, was beim Sachverständigenrat für Umweltfragen auf Kritik stieß. Vielmehr müsse die CO2-Intensität als Bemessungsgrundlage gelten. Denn die Folge der bisherigen Bezugsgröße sei, dass das umweltfreundlichere Erdgas schlechter als Heizöl gestellt würde.
Die Ökosteuer bewirke eine Wettbewerbsverzerrung. Da Kohle und Uran nicht besteuert würden, führe dies zu einer Bevorteilung dieser Energieträger.
Gedankenstrich – rein hypothetisch
Der Bundesverband Windenergie (BWE) stellt heraus: Bei einem atomaren Super-GAU würden die möglichen Kosten in Deutschland nach Berechnungen des Prognos-Instituts bei rund 5,49 Billionen Euro liegen. Die Deckungssummen der Haftpflichtversicherung deutscher Atomkraftwerke sind per Gesetz auf 2,5 Milliarden Euro festgelegt. Würde das volle Risiko abgedeckt, verteure sich der Strompreis um 21,50 bis 50 Cent.
Kurz & Knapp
Externe Kosten lassen sich nicht über den Marktmechanismus erfassen und gehen dabei auch nicht in die Preiskalkulationen des Produzenten ein.
Der aktuelle Strompreis beinhaltet nicht annähernd die externen Kosten unserer Stromerzeugung.
Weiterführende Links
Externe Kosten kennen – Umwelt besser schützen
Externe Kosten – Die vergessenen Kosten der Energieversorgung

Wussten Sie, dass der Stromverbrauch im Haushalt überdurchschnittlich hohe CO2-Emissionen und Kosten verursacht? 










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