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Österreich: Ein ganzes Kraftwerk nur für den Stand-by-Verbrauch

Montag, 21. Juni 2010 - Der Betrieb sämtlicher österreichischer Elektrogeräte im Stand-by-Modus verbraucht jährlich 811 Gigawattstunden Strom - das entspricht der Jahresenergiemenge eines Kraftwerkes.

Zu diesem Schluss gelangten Forscher der Technischen Universität Graz. Um den Verbrauch deutlich einzuschränken, wurde das EU-Projekt “Standby and Off-mode Energy Losses in New Appliances” (SELINA) ins Leben gerufen. Dabei werden die Stand-by- und Scheinaus-Verluste von insgesamt 6.000 Haushalts- und Bürogeräten in zwölf EU-Ländern im praktischen Einsatz gemessen und analysiert. Die Grazer Techniker sind für rund 500 österreichische Messungen zuständig.

Laut Ernst Schmutzer vom Institut für Elektrische Anlagen an der TU Graz sehen neue EU-Richtlinien bereits ab diesem Jahr vor, dass Geräte nur noch ein Watt im Stand-by-Modus verbrauchen dürfen, bis 2013 solle dieser Wert nochmals halbiert werden. Die Messungen in Österreich hätten gezeigt, dass bereits im Vorjahr ein Großteil der Elektrogeräte die Grenzwerte eingehalten habe. Das sei sehr erfreulich, aber noch immer gäbe es einige Produktgruppen, die noch nicht von der EU-Richtlinie erfasst würden und einen erhöhten Stand-by-Verbrauch aufwiesen.

Stromverschwendung kostet Geld und schadet Umwelt

Langfristiges Ziel ist Schmutzer zufolge die Verringerung der Stand-by- und Scheinaus-Verluste durch Information sowie die Sensibilisierung von Produktion, Handel, Käuferschaft und Politik. Als Stromfresser hätten sich bisher vor allem Computer-Lautsprecher, Stereoanlagen, WLAN-Modems und Satellitenreceiver entpuppt.

Es sei davon auszugehen, dass die Stand-by- und Scheinaus-Verluste künftig steigen würden, denn einerseits hätten immer mehr Geräte Zusatzfunktionen wie einen Netzwerkanschluss und andererseits gäbe es laufend neue Produkte am Markt, die verschieden kombinierbare Zusatzfunktionen ausführen könnten. Ziel von SELINA sei daher die Aufbereitung der erhobenen Messdaten und die Integration in eine internationale Gesamtdatenbank.

Stand-by-Betrieb: Verbrauch ohne Nutzen

Beim Energieverbrauch im Stand-by- und Scheinaus-Betrieb handle es sich um einen Verbrauch, der schlicht und einfach nicht notwendig sei, so der Wissenschaftler. Wenn die Hersteller ihre Produkte mit einfachen und preiswerten Maßnahmen optimierten, hätten alle etwas davon. Ein Nullverbrauch sei zwar technisch machbar, aber allerdings aufgrund der dazu notwendigen Technologie teuer. Daher sieht Schmutzer die deutliche Verringerung des Stromverbrauchs im Stand-by- und Scheinaus-Betrieb schon als Schritt in die richtige Richtung.

Stand-by-Verbrauch auch in Deutschland hoch

In der Bundesrepublik werden durch Geräte im Stand-by-Modus etwa vierzehn Milliarden kWh unnötig verbraucht. Das sind etwa drei Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs bzw. zwei Kraftwerke, die jährlich zehn Millionen Tonnen CO2 ausstoßen.

Auf den Stromverbrauch der Privathaushalte bezogen machen Stand-by-Verluste über zehn Prozent aus – Tendenz steigend, da die Zahl der Elektro-Geräte in den Haushalten kontinuierlich wächst. Insgesamt kosten Stand-by-Verbräuche die Privathaushalte in Deutschland mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr.

Link:

EU-Projekt SELINA