Experten präsentierten auf der Tagung, die mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 11. Juni in Berlin stattfand, wie das klimaschädliche Gas zur Ressource werden könnte. Dabei waren sie sich jedoch einig, dass sich die Auswirkungen der großtechnischen Emission von Kohlendioxid etwa durch Kohlekraftwerke mit der Verwertung des Gases alleine aber nicht aufhalten lassen.
In der Energiebranche, die für einen nicht unbedeutenden Teil der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich ist, wird schon länger darüber nachgedacht, wie der heutige Abfall und Schadstoff zum Rohstoff werden könnte. Laut Dr. Johannes Ewers, Leiter der Abteilung Neue Technologien/CCS beim Energiekonzern RWE, wäre es für die Industrie möglich, jährlich bis zu zehn Millionen Tonnen CO2 umwandeln.
Umwandlung von CO2: Was sind die Anwendungsbereiche?
Bereits heute lässt sich reines CO2 als technisches Gas einsetzen, zum Beispiel für Trockeneis. Auch in Gewächshäusern wird es benötigt, um den Pflanzen bessere Wachstumsbedingungen zu verschaffen. Oftmals wird dazu eigens Erdgas verbrannt, Kohlendioxid von Kohlekraftwerken könnte hier eine nachhaltigere Alternative bieten.
Eine zweite Möglichkeit ist laut Experten die chemische Aufbereitung: CO2 sei als Kohlenstofflieferant für verschiedene Produkte wie Ameisensäure oder Polycarbonate geeignet. Die Verwertung von Kohlendioxid könne sich zu einer attraktiven Option zur nachhaltigen Verwertung der Kohlenstoff-Ressourcen entwickeln, so Walter Leitner, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Technische und Makromolekulare Chemie an der RWTH Aachen.
Große Hoffnungen liegen zudem auf dem dritten, dem biologischen Weg. In einer Zukunftsvision nähmen genetisch optimierte Mikroorganismen Kohlendioxid auf und stellten daraus gefragte Chemikalien her.
Von CO2 zu Biomasse
Pflanzen sind den Experten zufolge durch die Photosynthese die erste Wahl bei der Umwandlung von Kohlendioxid in Biomasse, die wiederum in Biogas-Anlagen vergoren werden kann. Algen seien in dieser Hinsicht besonders effizient, und so werden sie in einer ganzen Reihe von Forschungsprojekten unter die Lupe genommen.
Laurenz Thomsen, Professor für Geowissenschaften an der Jacobs University Bremen, stellte etwa einen selbst entwickelten Bioreaktor vor, der nicht auf die konventionellen Röhren, sondern auf Folien setzt. Dieser koste zehn bis fünfzehn Euro pro Meter, und sei damit konkurrenzfähig. Thomsen plädierte für eine Nutzung natürlicher Algenbestände, zum Beispiel die regelmäßige „Ernte“ von angeschwemmten Algenbeständen. Es werde Zeit, sich intensiv um die Nutzung der 98 Prozent Meerwasser auf der Erde zu kümmern, so der Professor.
Einen ganz anderen Weg geht ein kleines brandenburgisches Startup: In einem speziellen Verfahren soll bisher nicht verwendete Biomasse, die sonst als Kompost unter Abgabe von Kohlendioxid verrotten würde, mit der hydrothermalen Carbonisierung in Biokohle umgewandelt werden.
Wie sind solche Verfahren zu bewerten?
Aus umweltpolitischer Sicht sind solche Verfahrensweisen zur Umwandlung von CO2 natürlich zu begrüßen, allerdings dürfen sie nicht als Hintertür dienen, um an überkommenen, klimaschädlichen Formen der (Energie-)Produktion festzuhalten.

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