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Durch Energiesparen sechs Atomkraftwerke überflüssig machen

Freitag, 25. Juni 2010 - Großes Energiespar-Potential in Deutschland – Steigerung der Stromeffizienz kann Stromverbrauch um fast 15 Prozent senken.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat der Bundesregierung vorgeworfen, in den von ihr beauftragten Szenarien für ein energiepolitisches Gesamtkonzept keine Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz vorzusehen. Es gehe ihr vor allem darum, politisch gewollte Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke zu legitimieren. Ab wann erneuerbare Energien die Atomkraftwerke ablösen könnten, werde ebenfalls nicht untersucht.

Der ambitionierte Ausbau der regenerativen Stromerzeugung und das entschiedene Fördern der Stromeffizienz könnten bis spätestens 2020 sämtliche Atomkraftwerke in Deutschland ersetzen. Allein mit Energieeffizienzmaßnahmen ließen sich sechs Atommeiler überflüssig machen. Der Ruf nach Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke blockiere hingegen eine verbraucher- und klimafreundliche Stromversorgung.

Hindernisse für eine zukunftsfähige Stromversorgung

Neue Kohlekraftwerke, längere Laufzeiten für die deutschen Atommeiler und ein steigender Stromverbrauch sind laut BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger wesentliche Hindernisse beim Aufbau einer zukunftsfähigen Stromversorgung: In dem von der Bundesregierung für den Herbst angekündigten Energiekonzept drohe ein entscheidender Faktor völlig vernachlässigt zu werden – die Steigerung der Energieeffizienz.

Der Atomausstieg könne Weiger zufolge schneller als gedacht vollzogen werden, wenn das riesige Sparpotential effizienter Technologien mobilisiert werde. Bestandteil eines nationalen Energiekonzeptes müsse ein gesetzliches Einsparziel beim Primärenergieverbrauch von mindestens zwei Prozent pro Jahr sein. Er forderte Bundesumweltminister Röttgen auf, ein Energiekonzept ohne jede Laufzeitverlängerung und mit ambitionierten Energieeinsparzielen durchrechnen zu lassen.

Maßnahmenpaket für größere Stromeffizienz vorgeschlagen

Gemeinsam mit dem Heidelberger ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung hat der BUND ein erarbeitetes Maßnahmenpaket für mehr Stromeffizienz eröffentlicht: Die mit Effizienzmaßnahmen bis 2020 erreichbare Reduzierung des Stromverbrauchs in Deutschland entspreche der Jahresproduktion von mindestens sechs Atomkraftwerken, rechnete Martin Pehnt vom ifeu-Institut vor. Das Einsparpotential beträgt laut BUND mindestens 70 TWh, was rund vierzehn Prozent des Stromverbrauchs des Jahres 2009 entspricht.

Kern des Energiekonzeptes der Bundesregierung müsse die Einrichtung eines Stromsparfonds mit einem jährlichen Finanzvolumen von mindestens 300 Millionen Euro sein. Speisen lasse sich der Fonds mit den Einnahmen aus dem CO2-Zertifikate-Handel und mit der Erhebung eines “Effizienz-Zehntel-Cents” auf jede Kilowattstunde Strom. Als Vorbild sollten hier Dänemark und Großbritannien dienen, die bereits ähnliche Fonds aufgelegt hätten.

Pehnt forderte, die Mittel des Stromsparfonds vor allem für Energieberatungen einkommensschwacher Haushalte, zum Austausch Strom fressender Elektrogeräte und zur energetischen Optimierung technischer Systeme wie Klima-, Lüftungs- und Druckluftanlagen einzusetzen. Dringend erforderlich sei außerdem ein Top-Runner-Modell, das zur Durchdringung des Marktes mit besonders sparsamen Elektrogeräten führe.

Link:

Das BUND-Hintergrundpapier “Kein Energiekonzept ohne Energieeffizienz”