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Atomsteuer bei Laufzeitverlängerung: Grundsätzlich viel Spielraum

Freitag, 30. Juli 2010 - Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung wäre die Brennelementesteuer für Stromkonzerne zu verkraften – Voraussetzung: ein stabiler Strompreis.

Neue Berechnungen des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) zeigen: Wenn die Laufzeit aller Kernkraftwerke in Deutschland verlängert würde und der Strompreis bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde stabil bliebe, läge der jährliche Zusatzgewinn für die Energiekonzerne bei rund 6,4 Milliarden Euro – viel Spielraum für eine Brennelementesteuer.

In der aktuellen politischen Diskussion wird neben der geplanten Brennelementesteuer auch über eine zusätzliche, zweckgebundene Abgabe der Kraftwerksbetreiber diskutiert. Diese Abgabe wäre ebenfalls an eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gebunden. Sie soll, ähnlich wie die Brennelementesteuer, zusätzliche staatliche Einnahmen in Höhe von etwa 2,3 Milliarden Euro generieren. „Wenn der Strompreis nicht zu sehr sinkt, könnten sich die Energiekonzerne sowohl die Brennelementesteuer als auch die Zusatzabgabe leisten“, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Energieabteilung am DIW Berlin und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance. „Sie würden von einer Laufzeitverlängerung immer noch profitieren.“

Die DIW-Energieexpertin hat verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Strompreisen durchgerechnet. Das Ergebnis: Nur bei einem konstant niedrigen Strompreis von 5 Cent/kWh könnten die Energiekonzerne die Zusatzabgabe nicht mehr bezahlen – denn dann bliebe nach Abzug der Brennelementesteuer nur ein Nettogewinn von etwa 1,6 Milliarden Euro. Claudia Kemfert hält dieses Szenario aber für unwahrscheinlich: „Es ist eher mit steigenden statt sinkenden Strompreisen an der Börse zu rechnen. Im vergangenen Jahr war aufgrund der Wirtschaftskrise der Großhandelsstrompreis niedrig. Da die Wirtschaft jedoch wieder an Schwung gewinnt, steigt auch der Großhandelspreis.“

Abgaben machen Kernkraft wirtschaftlich unattraktiv

Denkbar wäre dann sogar ein Strompreis von 7 Cent/kWh, die Zusatzeinnahmen der Energiekonzerne würden sich damit auf 7,2 Milliarden Euro im Jahr erhöhen. Angesichts solcher Zusatzgewinne sei es verständlich, dass der Staat auch ein großes Stück vom Kuchen abbekommen wolle, so Claudia Kemfert.

Die Einnahmen aus der Zusatzabgabe sollten für die Sanierung bestehender Atommülllager und den Umbau des Energiesystems eingesetzt werden. Der Staat müsse sich aber darüber im Klaren sein, dass Brennelementesteuer und Zusatzabgabe den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken deutlich unattraktiver machten. Das gelte besonders für die drei großen Energieversorger E.ON, EnBW und RWE, die zusammen mehr als 90 Prozent des Atomstroms in Deutschland produzieren.

Hier finden Sie Zahlen und Hintergründe zu den drei berechneten Szenarien sowie zur Stromproduktion der großen deutschen Energieversorger.