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Atom – Stephanie Cooke

„Atom – Die Geschichte des nuklearen Zeitalters“ gibt detailliert Auskunft über die Anfänge des Atomzeitalters, die Entwicklung der Atomkraft und die Verzahnung von militärischer und ziviler Nutzung der Kernenergie. Aber Achtung: Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie, falls nicht schon geschehen, sofort zu einem Ökostromanbieter wechseln wollen.

Kurzdarstellung:

Am Anfang war die Euphorie: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lösten radioaktive Substanzen einen Sturm der Begeisterung unter Wissenschaftlern aus. Sie ließen diese von unzähligen Anwendungsmöglichkeiten träumen, etwa der Bekämpfung von Krankheiten wie Krebs.

Doch schon bald folgte die Ernüchterung, es wurde vermehrt vor der Gefährlichkeit radioaktiver Strahlen gewarnt und mit dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki wurde endgültig deutlich, welche zerstörerische Wirkung die einst als verheißungsvoll geltende Kernspaltung entfalten konnte.

Mit dem Abwurf der Atombombe „Little Boy“ über Hiroshima am 6. August 1945 beginnt auch Stephanie Cookes Buch, in dem sie einen fundierten geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der Kernkraft vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute liefert. Sie zeigt dabei sehr anschaulich auf, wie sich mit der Zeit nicht nur die Technik, sondern auch die Auffassung von Politik und Bevölkerung bezüglich der Atomkraft verändert hat, und wie eng der militärische Einsatz der Kernkraft mit seiner friedlichen Nutzung verwoben ist.

Rezension:

Laufzeitverlängerung, Asse, Krümmel: In Deutschland wird immer wieder heftig über Atomkraft diskutiert. Um zu verstehen, warum die friedliche Nutzung der Kernenergie weltweit so verbreitet ist und sie sich gegen deutlich preiswertere und sicherere Formen der Energieerzeugung durchsetzen konnte, ist das Buch bestens geeignet.

Cooke macht deutlich, wie naiv und leichtsinnig lange Zeit mit Atomkraft und radioaktiver Strahlung umgegangen wurde, so etwa im Rahmen amerikanischer Atombombentests im Pazifik: Nachdem die Tests erfolgreich durchgeführt worden waren, hielten sich mehrere Tausend Personen längere Zeit in der durch den Test verstrahlten Zone auf. Ein Teil der radioaktiv kontaminierten Schiffe wurde sogar in ihre Heimathäfen zurückgebracht, wo Matrosen ohne Schutzausrüstung versuchten, diese u.a. mit Meereswasser und Reinigungsmitteln zu dekontaminieren.

Aus heutiger Sicht ebenso unverständlich mutet das Programm mit dem euphemistischen  Namen „Atome für Frieden“ an, das US-Präsident Eisenhower 1953 verabschiedete. Ziel dieses Programms war die Förderung der friedlichen Nutzung der Kernkraft in anderen Ländern, für die die USA technische Hilfe leisteten. So gelangten bis 1959 nukleare Versuchsanlagen samt Brennelemente auch in politisch instabile Staaten wie Vietnam, Südafrika oder Taiwan. Zudem befanden sich die Anlagen oft in der Nähe von Großstädten und verfügten nur über geringe Sicherheitsstandards.

Die Behauptung der Atomindustrie, Atomenergie sei sicher und billig, wird von Cooke als Lüge entlarvt: Sie zeigt, was für eine wichtige Rolle der „Unsicherheitsfaktor“ Mensch neben technischen Problemen und Defekten bei Störfällen in Atomkraftwerken spielt, und wie massiv die Kernkraft von Anfang an von staatlicher Seite finanziell unterstützt wurde.

In diesem Zusammenhang wäre allerdings ein kleiner Exkurs zu den horrenden externen Kosten der Kernenergie sowie der zunehmenden Knappheit der weltweiten Uranvorräte wünschenswert gewesen.

Link:

Ein eindrucksvolles filmisches Beispiel dafür, in welchem Maß Radioaktivität kurz nach dem Zweiten Weltkrieg unterschätzt wurde, finden Sie bei Youtube.



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