Welche Faktoren schmälern die Klimabilanz der Bahn?
Die Bahn gilt weithin als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel. Gegenüber Auto und Flugzeug weist ihre Klimabilanz die mit Abstand geringsten CO2-Emissionsmengen auf. Doch eine neue US-Studie zeigt die Öko-Bilanz des Zugverkehrs in einem anderen Licht.
Es ist ein weiteres Signal der Deutschen Bahn, dass Klima- und Umweltschutz einen nicht zu vernachlässigenden Teil ihrer Unternehmensphilosophie darstellt. Seit Kurzem können Unternehmen mit vielen Mitarbeitern, die mit der Bahn zum Arbeitsplatz pendeln, CO2-freie Bahnfahrten buchen. Wie das funktioniert? Die Bahn errechnet den Strombedarf für das Bahnreisevolumen eines Großkunden und speist diese Menge in ihr Oberleitungsnetz ein. Dabei handele es sich ausschließlich um Ökostrom aus regenerativen Stromquellen, so Christina Arndt, die bei der DB Vertrieb die Geschäftskunden betreut.
In kurzer Zeit haben bekannte Großkunden wie McDonald’s und SAP mit der Bahn einen Vertrag über das CO2-freie Reisen abgeschlossen. Deren Mitarbeiter produzieren so überhaupt kein Kohlendioxid mehr auf ihren Geschäftsreisen. Die zusätzlich Kosten zum Wohle der Umwelt sind gering: Nach Angaben der Deutschen Bahn ergeben sich für einen Reisenden von Mannheim nach München und zurück Mehrkosten von rund einem Euro. Wie alle anderen Geschäftskunden erhalten die Nutzer des neuen Angebots eine jährliche Umweltbilanz ihrer Geschäftsreisen. Das Testat dokumentiert die CO2-Bilanz des Reiseverhaltens im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln wie Auto und Flugzeug und zeigt, wie das Unternehmen durch die Kooperation das Klima aktiv schützt. Diese Öko-Dokumentation kann jedes Unternehmen wiederum für die eigene Darstellung und Berichterstattung verwenden.
Die Bahn lässt Bäume pflanzen

Im Rahmen der Umweltoffensive werden 4.000 Bäume im Thüringer Wald gepflanzt.
Das neue CO2-freie Mobilitätsangebot findet großen Anklang bei den Bahngeschäftskunden. Für sie ist es sogar wesentlich günstiger, Bahnreisen mit Ökostrom zu buchen, statt für die eigene Klimabilanz rückwirkend teurere Kompensationszertifikate zu kaufen, um vermeidbare CO2-Emissionen auszugleichen. Der Ansatz, erst gar kein Kohlendioxid zu emittieren, ist generell umweltfreundlicher als nachgelagerte Aktionen wie die Aufforstung mit neuen Bäumen.
Nichts desto trotz beteiligt sich die Bahn an solchen nachgelagerten Neupflanzungsmaßnahmen in ganz Deutschland. Zum Auftakt einer neuen Umweltoffensive förderte sie die Pflanzung von 4.000 Buchen im Thüringer Wald. Auch hier galt das Direkt-Prinzip: „Einen naturnahen Wald selbst zu pflanzen ist ein stärkeres Zeichen als eine Kompensationszahlung für ein Klimaschutzprojekt in Übersee zu leisten“, ist sich Peter Westenberger vom DB Umweltzentrum in Berlin sicher. Mit der finanziellen Unterstützung der Bahn konnten die Helfer vom Bergwaldprojekt e.V. in Thüringen neue Waldflächen bepflanzen, die vom Orkan Kyrill Anfang 2007 schwer beschädigt wurden.
Insgesamt sollen für diese Aktion 10.000 Bäume gepflanzt werden. Für die Finanzierung hat sich die Bahn ein spielerisches Element ausgesucht. Im Internet findet sich der knapp zweiminütige Umweltfilm „Die Welt retten“, der die Anstrengungen der Bahn im Bereich Umweltschutz visualisiert. Das Bergwaldprojekt e.V. wird durch jeden Zuschauer des Kurzfilms unterstützt – pro Klick auf den Film spendet die Bahn zehn Cent an den Umweltverein.
Neue Umweltoffensive „DB Eco Program“
Die klimapolitische Verantwortung der Bahn drückt sich in ihrer neuen Umweltoffensive aus, die im April dieses Jahres gestartet wurde. Seit 1990 hat sie im Schienenverkehr ihre CO2-Emissionen nach eigenen Angaben um fast 40 Prozent reduziert. Nun gibt es eine neue Zielvereinbarung: Bis 2020 will die Bahn ihren Kohlendioxidausstoß im Land-, Luft- und Wasserverkehr verglichen mit 2006 um weitere 20 Prozent senken – ein „anspruchsvolles Ziel“ findet auch Andreas Troge, Präsident des Umwelt-Bundesamtes in Dessau.
Neben den CO2-freien Geschäftsreisen und regelmäßigen Umweltbilanzen gehört auch ein CO2-optimiertes Logistikangebot. Die Güterzüge der Bahn entlasten das Straßennetz jeden Tag um 100.000 LKW-Fahrten. „Wir ersparen der Straße 25.000 Tonnen CO2 am Tag. Das ist ungefähr der Energieverbrauch, den die Stadt Frankfurt hat. Insofern sind wir ökologisch ganz weit vorne“, so Klaus Kremper, Vorstandsvorsitzender der DB Schenker Rail. In Zukunft will die Bahn deshalb auch im Schienengüterverkehr CO2-freie Produkte einführen, die noch mehr Transporte von der Straße auf die Schiene verlagern helfen sollen. Dabei sollen im Logistiksektor Leerfahrten minimiert und Transporte intelligent mit anderen Verkehrsträgern kombiniert werden, um den Energieverbrauch zu senken. Das bedeutet, dass die Güter hauptsächlich auf der Schiene und erst im Nahbereich mit dem Lkw transportiert werden.

Güter werden hauptsächlich auf der Schiene und erst im Nahbereich mit dem Lkw transportiert.
Weitere angesteuerte klimafreundliche Maßnahmen: Photovoltaikanlagen sollen verstärkt eingesetzt und natürliches Regenwasser besser genutzt werden. Zusätzlich sollen Bahn-Lokführer und LKW-Fahrer in energiesparender Fahrweise geschult werden, denn durch eine vorausschauende Fahrweise können sie ohne Aufwand CO2-Emissionen stark reduzieren. „Bei den Schulungen geht es darum, dass man den Fahrern ein Gefühl dafür vermittelt, wie stark sie beschleunigen, in welchem Drehzahlbereich sie fahren müssen, was der ideale Gang in der gewissen Situation ist und wie man richtig abbremst. Solche Dinge führen dazu, dass der Kraftstoffverbrauch um etwa zehn Prozent reduziert werden kann“, erklärt Vorstandsmitglied Karl Nutzinger von der Logistiksparte Schenker.
Ist die Bahn wirklich so klimafreundlich?
Die Bahn weiß um ihre verkehrs- und umweltpolitische Bedeutung. Doch eine neuere Studie stellt die Klimafreundlichkeit des Zugverkehrs per se in Frage. Die Wissenschaftler Mikhail Chester und Arpad Horvath von der University of California veröffentlichten ihre Untersuchung zur Klimafreundlichkeit verschiedener Transportmittel im Magazin „Environmental Research Letters“. Darin zeigen die Wissenschaftler auf, dass die Bahn nur im laufenden Betrieb am klimafreundlichsten ist.
Jedes Transportmittel, ob Bahn, Bus, Auto oder Flugzeug muss gebaut werden, dafür ist Energie notwendig. Für seinen Betrieb braucht es Infrastruktur und Treibstoff. Und gerade da zeigen sich die Vorteile der ansonsten gern zitierten Klimakiller Flugzeug und Auto: Lande- und Straßenbahnen lassen sich mit viel weniger Aufwand bauen als die störanfällige Schieneninfrastruktur. Dahingegen sind Autobahnen viel höher ausgelastet als Schienen, letztere wiederum müssen einfach öfters repariert und instandgesetzt werden. Fasst man all diese Faktoren zusammen, so ist die Öko-Bilanz der Bahn immer noch die beste gegenüber ihren Konkurrenten, doch der Vorsprung ist geringer, als man bisher angenommen hat. Einschränkend muss man jedoch sagen: Die Ergebnisse der Wissenschaftler basieren unter anderem auf Zahlen zum Zugverkehr in San Francisco und Boston, so dass die Auslastungszahlen aller Transportmittel mit denen in europäischen Städten nur schwer zu vergleichen sind.
Kurz & knapp
Neue Angebote im deutschen Bahnverkehr verbinden Wirtschaftlichkeit mit Umweltschutz. Geschäftskunden können gegen einen Aufpreis komplett CO2-frei Bahnfahren.
Die Bahn will bis 2020 ihren CO2-Ausstoß verglichen mit 2006 um 20 Prozent senken.
Die Klimabilanz der Bahn wird durch Faktoren wie Auslastung, Instandhaltung von Fahrzeugen und Erhalt der Infrastruktur geschmälert.
Weiterführende Links zum Thema
US-Studie der University of California über die Umweltfreundlichkeit verschiedener Verkehrsmittel

Mitfahrgelegenheiten nutzen – ob Auto oder Bahn! 










Ein Umweltaspket, der von der kalifornischen Studie vergessen wird, ist die Tatsache, dass der Reifenabrieb herkömmlicher Straßenfahrzeuge (auch Flugzeuge) Cadmium enthält.
Hinzu kommen Abriebe von Bremsbelägen, diese aber auch bei der Bahn. Bei der Bahn wiederum kommen oft giftige Herbizide zum Einsatz, um zu viel Bewuchs zwischen den Gleisen einzudämmen.
Es gibt also durchaus noch einige Umweltfaktoren, die zu untersuchen wären.
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