Konkurrenz auf der Schiene hilft auch der Umwelt
Seit dem der Wettbewerb für das Schienennetz in Deutschland geöffnet wurde, gründeten sich eine Vielzahl privater Bahnunternehmen - der Kunde kann davon profitieren.
Das deutsche Schienennetz wurde vor gut 15 Jahren formal für den Wettbewerb geöffnet. Seitdem haben sich viele Privatbahnunternehmen gegründet, die insbesondere regionale Verbindungen abdecken – zum Nutzen der Bahnkunden.
Deutschland hat mit 34.000 Kilometern das umfassendste Schienennetz in ganz Europa. In keinem anderen Land ist es so einfach und bequem, mit dem Zug zu reisen – dank einer modernen Schienennetz-Infrastruktur. Laut Geschäftsbericht der Deutschen Bahn AG fahren rund fünf Millionen Menschen in gut 27.000 DB-Zügen tagtäglich durch Deutschland und Europa. Im Jahr legen sie 75 Milliarden Personenkilometer zurück – eine unglaubliche Zahl. In die Statistiken fließen jedoch lediglich DB-Kunden ein, Privatbahnkunden werden nicht erfasst.
Im Zuge der Bahnreform wurde seit 1994 die deutsche Eisenbahninfrastruktur für alle Wettbewerber geöffnet. Dass der Netzzugang wirklich für alle diskriminierungsfrei zugänglich ist, wird seitdem von der Bundesnetzagentur überwacht. Die Bahn ist zufrieden mit der Wettbewerbssituation und will Kompetenzerweiterungen für die Netzagentur vermeiden: „Der Wettbewerb funktioniert in Deutschland auf der Schiene. Es bedarf daher keiner weiteren Ausweitung der Kompetenzen für die Bundesnetzagentur“, erklärt Joachim Fried, Konzernbevollmächtigter für europäische Angelegenheiten, Wettbewerb und Regulierung bei der Deutschen Bahn.
Die Wettbewerber sehen das bekanntlich anders. Sie werfen der Bahn vor, ein verzehrtes Bild vom nationalen Bahnmarkt zu zeichnen: „Das Vertriebs- und Tarifmonopol der Deutschen Bahn AG gehört zu den bisher wenig beachteten Wettbewerbshindernissen“, erklärt Dr. Axel Sondermann, Geschäftsführer der Veolia Verkehr GmbH, eine der größten Eisenbahnverkehrsunternehmen, die nicht im Besitz des Bundes sind. Dieses Vertriebsmonopol führe dazu, dass die DB AG allein den Vertrieb der Fahrkarten organisiere und Wettbewerber keinen Einblick in die Tarifsysteme erhielten und so bei Ausschreibungen benachteiligt seien. Hauptkritikpunkt bleibt aber das Schienennetz selbst: „Wer wie der integrierte DB-Konzern in einem Markt Spieler und Schiedsrichter zugleich sein darf, hat eine privilegierte Stellung, unabhängig von Zahl und Kompetenzen der Oberschiedsrichter“, so der aktuelle Wettbewerber-Report Eisenbahn, den die Verbände privater Eisenbahnen im Mai 2009 präsentierten.
Zugverbindungen der Privatbahnen zwischen Mittelstädten sehr beliebt
Unabhängig von der Konkurrenzsituation sind die Privatbahnunternehmen ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft. In Deutschland gibt es seit einigen Jahren zwei starke Eisenbahnverkehrsunternehmen – die Veolia Verkehr GmbH und die Arriva Deutschland GmbH. Beide Verkehrsgesellschaften decken zuvorderst die Nahverkehrs-Angebote ab, aus denen sich die Deutsche Bahn in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgezogen hat. Mittelgroße Städte wie Siegen oder Chemnitz wurden immer weiter vom Fernverkehr abgehängt. Die kleinen Privatbahnen sorgen dafür, dass deren Einwohner weiterhin komfortabel und umweltfreundlich mit dem Zug in die nächstgelegenen Großstädte reisen können.
Die Privatbahnen sind zudem oftmals günstiger als die Angebote der staatlichen Konkurrenz. So kostet eine einfache Fahrt mit dem InterConnex, einem Fernverkehrsangebot von Veolia, von Leipzig nach Rostock 35 Euro, kauft man das Ticket vorab im Internet sogar nur 21 Euro. Bucht man bei der Deutschen Bahn muss man mindestens 70 Euro hinlegen. Dabei ist der Reiseweg mit dem InterConnex auch noch knapp eine Stunde kürzer als mit der Deutschen Bahn.
Viele Kunden schätzen die neuen Angebote und wissen um die Vor- und Nachteile. Kundenservice, Fahrpreise und Pünktlichkeit sind Chancen für die Privatbahnen. Ihr großer Nachteil die wenigen Verbindungen pro Tag, die wiederum aus der Netzhoheit der Bahn resultieren. Dass die Reisenden genau die Zugverbindungen zwischen mittelgroßen Städten schätzen, zeigte auch die Nachfrage des Vogtland-Express, ein Angebot des Arriva-Konzerns. Der Zug verkehrt zwischen den Städten Plauen, Chemnitz, Riesa und Berlin. Im Februar wurde die Strecke aufgrund mangelnder Kostendeckung eingestellt. Viele Kunden reagierten enttäuscht und wandten sich an die Eisenbahngesellschaft. Wenige Wochen später wurde die tägliche Direktverbindung zwischen der Hauptstadt und dem Vogtland wiederaufgenommen. Trotz gestiegener Preise zeigten sich die Reisenden zufrieden, das Kundenaufkommen blieb stabil.
Kurz & knapp
Der Wettbewerb auf der Schiene ist seit der Bahnreform in Deutschland gewachsen. Ungeachtet dessen werden die kritischen Stimmen nicht weniger, die eine tatsächliche Öffnung des Schienennetzes verlangen.
Privatbahnen sind vor allem für mittelgroße Städte unersetzlich geworden. Sie sorgen durch ihre Nah- und Fernverkehrsangebote für umweltfreundliche Mobilität.
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