Ottomotor und Elektromobilität

Ottomotor und Elektromobilität In vielen Städten kommen Elektroautos in Fahrt. Kleine und innovative Projekte sollen die Akzeptanz von Elektroautomobilen fördern und für eine breitere Nutzung des Elektrofahrzeugs insbesondere in den Städten werben. Doch bevor das Elektroauto die Straßen erobert gilt es, preiswerte Lösungen für den Antrieb zu finden.

 

Konjunkturpaket II fördert die Elektromobilität

In bisher acht Modellregionen soll die Infrastruktur un die Akzeptanz für Elektrofahrzeuge gefördert werden. Das Bundesverkehrsministerium stellt für die Entwicklung eines Elektrofahrzeugs und die notwendige Infrastruktur 500 Millionen Euro (Euroforum-Konferenz) aus dem Konjunkturpaket II bereit.

Mit der Elektromobilität könnten Schadstoffe, Feinstaub und Lärm deutlich verringert und die Lebensqualität in den Städten verbessert werden. Dem Elektroauto gehört die nahe Zukunft – doch wie muss sich das Umfeld weiterentwickeln, damit der konventionelle PKW nicht auf der Leitung steht? So gilt es einerseits, die Technologie zu optimieren und andererseits Verhaltensänderungen anzuregen.

Realistische Ziele?

Die deutsche Bundesregierung setzt sich zum Ziel, bis 2020 eine Million Elektromobile auf die Straße zu bringen, verspricht sich davon einen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen und die baldige Wettbewerbsfähigkeit des Elektroautos. Das Elektrofahrzeug soll dazu in das Verkehrsnetz und den Stromkreislauf eingebunden werden.

Pilotprojekte

Die Elektrizitätswirtschaft startet derzeit Projekte, die das Elektroautomobil fördern sollen. Während Fahrzeugspezialisten weiterhin an der effizientesten Konstruktion eines mit Strom betriebenen Fahrzeugs tüfteln, beschäftigen sich Stadtplaner und Stromversorger mit der Infrastruktur für entsprechende Ladestationen.

Visionäre des Verbands der Elektronik, Elektrotechnik und Informationstechnik (VDE) sehen Elektroauto bereits als Energiespeicher und Stromlieferanten. Skeptiker wie Peter Schmidt – Auto-Experte vom britischen Branchenvertreter Automotive Industry Data – diskutieren dagegen die Zuverlässigkeit des Elektroautos.

Fragwürdige Umweltbilanz und Serientauglichkeit

Die schlechte Umweltbilanz der Elektrofahrzeug-Technologie steht jedoch zur Debatte und die zügige Serientauglichkeit der Batterien bzw. Akkumulatoren wird ebenfalls angezweifelt. Doch der Reiz, die Zweifler eines Besseren zu belehren, könnte die Weiterentwicklung beschleunigen – Weltrekorde werden schließlich “leichter” mit harter Konkurrenz gebrochen.

Tanken an der Steckdose – mehr Stromtankstellen

Vattenfall und BMW entsendeten diesen Juni einen Fuhrpark von 50 Elektroautos auf die Berliner Straßen. Der Konzern BMW liefert dazu eine Flotte von Elektro-Minis, während der Energieversorger Vattenfall Ladetechniken und die Infrastruktur weiterentwickelt.

Stromtankstelle für Elektroautos, RWE-Pilotprojekt in Berlin

Stromtankstelle für Elektroautos, RWE-Pilotprojekt in Berlin

Neuer Absatzmarkt für Stromversorger

Eine Kooperation, derer sich der Energiekonzern RWE und Automobilhersteller Daimler sowie VW und Stromversorger E.ON bedienen. Strom- und Verkehrsnetz werden sich annähern und könnten eine Einheit bilden. Für die Stromversorger ergibt sich mit der Elektromobilität ein neuer Absatzmarkt. Ohne Frage der wesentliche Anreiz für diese Investitionen.

Elektroautos als Energiespeicher

Als Bestandteile des Stromnetzes sollen Elektroautos zukünftig als bewegliche Energiespeicher dienen und bei Energieverbrauchsspitzen – bspw. mittags – dazugeschaltet werden. Ist der Engpass überbrückt, bleibt der zügige Heimweg dennoch sicher. Dass Elektromobile Überschussstrom zuverlässig abnehmen und abgeben können, wird jedoch frühestens für das Jahr 2020 erwartet.

Noch viel zu teuer – der Akku eines Elektroautos

Der Akku ist der Schlüsselfaktor für die Marktfähigkeit des Elektroautos. Heutige Batteriemodelle sind noch nicht serientauglich (Verband der Elektrotechnik, VDE), der Preis für den Akkumulator bzw. die Batterie müsse noch deutlich um mehr als die Hälfte gesenkt werden, damit die Elektromobile wettbewerbsfähig werden.

Ständige “tiefe Entladezyklen” (beispielsweise, wenn das Elektrofahrzeug Energie an das Stromnetz abgibt) belasten die Batterie zusätzlich und verkürzen ihre Nutzungsdauer. So muss der Elektromobilfahrer damit rechnen, die teure Batterie häufiger als erwartet wechseln zu müssen.

Hoher Anschaffungspreis

Weitere Faktoren der Wirtschaftlichkeit des Elektroautos sind die hohen Investitionskosten bzw. der hohe Anschaffungspreis. Die im Vergleich zum konventionellen PKW geringere Reichweite von Elektrofahrzeugen stellt bislang für die Verbraucher ein Problem dar. Daher muss einerseits das Akku optimiert und andererseits eine flächendeckende Infrastruktur von Stromtankstellen geschaffen werden.

Doch gibt es bereits Prototypen, wie den Elektro-Mini von BMW, mit einer Reichweite von bis zu 200km. Ein Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 200 – 250 Kilometern ist heute durchaus ein massenfähiges Produkt (Euroforum), denn 90 Prozent aller Fahrten sind Kurzfahrten. Damit werden Strecken über die Distanz Haus und Supermarkt hinaus realisierbar.

Vorurteile gegenüber Elektroautos

Das Elektroauto wird außerdem als langsam wahrgenommen und viele Autofahrer fühlen sich dazu animiert, Elektromobile überholen zu müssen. Das Spektrum der erreichbaren Stundenkilometer eines Elektroautos ist natürlich breit, zwischen 50km/h und 140km/h, in Einzelfällen sind je nach Elektromobiltyp auch deutlich mehr möglich. Das Elektroautos Tesla Roadster beschleunigt bspw. in 4 Sekunden von 0 auf 100km/h.

CO2-Einsparung – auf den ökologischen Strommix kommt es an

Dass Elektroautos CO2-freundlich sind, wird vielfach angezweifelt, da die CO2-Emission auf das Kraftwerk umgelegt werde und nicht direkt am PKW anfalle.

Konventionelle Stromquellen duch Erneuerbare ersetzen

Die großen Kooperationen, mit den Partnern E.ON, Vattenfall oder RWE können daher durchaus kritisch betrachtet werden, da deren Stromquellen überwiegend konventionell sind. Doch sollte die Wirkung der aktuellen Kooperationen in Bezug auf die zügige Marktdurchdringung und baldige Wettbewerbsfähigkeit des Elektrofahrzeugs berücksichtigt werden.

Mit einem Strommix aus Erneuerbare Energien wird das Elektroauto klimafreundlicher

Mit einem Strommix aus Erneuerbare Energien wird das Elektroauto klimafreundlicher

Aber – Mit dem heutigen herkömmlichen Strommix der großen Konzerne können über die Lebensdauer des Elektromobils nur zwei bis drei Tonnen CO2 gegenüber einem konventionellen Fahrzeug eingespart werden.

Wobei der “Durchschnittsdeutsche” insgesamt allein in einem Jahr ca. 11 Tonnen Kohlendioxid produziert.

Ökostrom reduziert CO2 – Bilanz deutlich

Wer sich für seinen täglichen Gebrauch ein Elektroauto anschafft und gleichzeitig echten Ökostrom bezieht, kann die persönliche CO2-Bilanz jedoch deutlich reduzieren. Vorausgesetzt das bezogene Ökostromprodukt forciert den Anlagenneubau für Strom aus erneuerbaren Energien und ist damit nachhaltig bzw. generationengerecht.

Kurz & knapp

Elektrofahrzeuge weisen allein mit Ökostrom eine akzeptable CO2-Bilanz vor.

Mehr als 2/3 der Autofahrten sind Kurzstrecken unter 20km. Auf diesen kurzen Distanzen kann ein Elektrofahrzeug problemlos genutzt werden. Für den Einkauf oder den täglichen Büropendler sind Elektroautos die sparsamere Option.

Als Stadtfahrzeuge können Elektroautos im Hinblick auf ihre durchschnittliche Schnelligkeit eine Alternative zum konventionellen PKW sein, da in der Stadt zumeist nicht über 70km/h gefahren werden können. So beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit in der Stadt Berlin nur 30km/h.

Weiterführende Links

Handelsblatt – Autos gehen ans Netz

Der TechnologiePresseservice – Umfrageergebnisse des TÜV SÜD zum Elektroauto

Süddeutsche.de – Die ersten 50 Elektro-Minis unterwegs

EUROFORUM-Konferenz Elektromobilität – Pressebericht

2 Kommentare
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  1. Kraftstoffe, z.B. Benzin (Liter = ca. 800g) werden 2.380 g CO2(entspricht die gasamte Herstellungskette) angelastet.
    Bei Biokraftstoffen muss die gesamte “Produktionsstrecke”, vom Anbau, Stransport, Konvertierung, bis hin, ob der Landwirt vegetarier ist, nachgewiesen werden.
    Warum nicht bei dem Strom, der für Elektroautos verwendet wird?
    Jeder Strom, ob für Kühlschränke, Waschmaschionen oder “E-Autos” kommt aus der Steckdose, und am Ende der Steckdose ist ein Kraftwerk (45% Kohlekraftwerke, im Mittel 1.170 g CO2 pro kWh).
    Ein E-Smart verbarucht ca. 26 kWh/100km (im Stadtverkehr) und ist somit für 136 g CO2/km (45% = 526 g x 0,26 kWh) “verantwortlich”!

    Hier stimmen irgend etwas nicht!
    Gruß
    Bernhard Ahlers

  2. Lieber Herr Ahlers, vielen Dank für Ihre Hinweise!

    Sie haben recht, dass beim Vergleich der CO2-Emissionen zwischen herkömmlichen Verbrennungsmotor und Elektromotor die gesamte Prozesskette von der Gewinnung / Förderung der Rohstoffe über die Verbeitung zu Kraftstoffen bis zur Verwendung im Fahrzeug berücksichtigt werden müsste. Im Fachjargon wird dies “well to wheel” genannt, also die Betrachtung von der “Quelle bis zum Reifen”. Allerdings ist dieser Wert sehr schwierig zu erfassen, daher wird meist nur der Teil der Produktionskette zwischen Kraftwerk / Raffinerie und Reifen betrachtet ( * 1 ).

    Im Bundesdurchschnitt wurden 2009 rund 506 g CO2 je kWh Strom freigesetzt worden. Bei der Verwendung von regenerativen Energien zur Stromerzeugung fallen nur etwa 10 bis 50 g je kWh an (aus der Produktion der Anlagen; bei der eigentlichen Gewinnung von Strom aus Wind oder Sonne fallen ja keine weiteren Emissionen an). Und damit gilt — wie Sie bereits angemerkt hatten –, dass die CO2-Bilanz von Elektromobilität nur mit “echtem Ökostrom” deutlich günstiger ist als bei unserer bisherigen Öl-basierten Mobilität ( * 2 ).

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Christoph Bock, Econitor

    ( * 1 ) Die von Ihnen zum Vergleich genannten Emissionen von ca. 2,38 kg CO2 je 1 Liter verbranntem Benzin berücksichtigen übrigens nur die Verbrennung, nicht die Emissionen, die bei Förderung, Verarbeitung, Transporten und Effizienzverlusten angefallen sind! Dieser Wert wird als “tank to wheel” bezeichnet.
    ( * 2 ): Weitere Vorteile wie geringere Feinstaub-Belastung und Lärm-Emissionen lassen wir hier mal außen vor.

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