IAA 2009 – Elektroautos zum Anschauen
Aussteller auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 2009 geben sich sehr CO2 - bewusst. Mit mehr Effizienz wird versucht, dem Ziel einer nachhaltigen Mobilität einen Schritt näher zu kommen. In einem satten Grün erstrahlt jedoch allein die Webseite der IAA.
Ein Elektrofahrzeug fürs Marketing
“Ich sehe was, das du nicht siehst und es ist – grün”. Die 63. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt zeigt es deutlich, der Verbrennungsmotor bleibt auf lange Sicht dominantes Antriebsmittel unserer Automobile. Kraft und Leistung lassen die Herzen der Autofahrer höher schlagen als sparsame Umweltfreundlichkeit.
Ein “grünes” Concept Car als Elektrofahrzeug sieht man auf der IAA trotz großer Ankündigungen selten und wenn, dann heißt es “Blaue Null” (Blue Zero). Wobei „blau“ wenig grün assoziieren lässt und die “Null” in vielen Gesellschaftskreisen auch einen Nichtskönner bezeichnet.
Der Anteil an Elektroautos auf der IAA 2009 ist so gering wie ihr Marktanteil, der liegt derzeit – aufgerundet – bei 1,5 Prozent. Es sind natürlich Concept Cars, die auf der IAA vorgestellt werden.
Fragt man nach der Markteinführung eines Elektrofahrzeugs bleibt die Antwort im Konjunktiv, allen voran die deutschen Konzerne zeigen, was sie könnten.
Herr Winterkorn stellte das neue, hier gelbe, Elektroauto von Volkswagen vor, den E-Up, und schwingt sich dafür schon einmal öffentlichkeitswirksam auf einen Roller. Schwungvoll wirkt das kaum und lässt auch an der Ernsthaftigkeit zweifeln. Natürlich ist der E-Up noch ein Concept Car und “könnte” 2013 serienmäßig auf den Markt kommen. Man darf gespannt sein.
Gegenüber Elektrofahrzeugen sind Verbraucher noch sehr skeptisch
Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Die Abwrackprämie führte zu genau vier Neuzulassungen für Elektroautos, beim Verbraucher ist das Elektrofahrzeug noch nicht angekommen – sie gelten als langsam, unzuverlässig und teuer. Kaum ein Elektroauto kann mit einem leistungsstarken Mittelklassewagen mithalten, aber das wollen auch die wenigsten Hersteller von Elektrofahrzeugen. Elektroautos sollen entsprechend ihrer geringeren Reichweiten vor allem als Alternative im Stadtverkehr etabliert werden.

Politisch korrekt im Elektroauto "iOn"
So sind es elektrisch betriebene Kleinwagen, die auf der IAA 2009 für den nötigen grünen Anstrich der innovativen Automobilhersteller sorgen sollen. Erste Serienprodukte wird es hierzulande von dem PSA-Konzern (Peugeot-Citroen) in Kooperation mit Mitsubishi geben. Der 64 PS-starke Kleinwagen “iOn” mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 km/h soll gegen Ende 2010 auf dem deutschen Markt angeboten werden. Eine Preisauskunft für das Elektroauto wird noch nicht gegeben. Dass es kein deutsches Modell sein würde, das hierzulande serienmäßig auf den Markt gelangt, war zu erwarten.
Mercedes bemüht sich gleichwohl und stellt auf der IAA 2009 die zweite Generation des “Smart Fortwo electric drive” vor. Der Elektromotor ist 40 PS stark und hat eine Reichweite von 115 Kilometern. Der Smart Fortwo kann bereits von ausgewählten Kunden geleast werden. Der freie Verkauf startet frühestens 2012. Damit würde es das erste – serienmäßig – frei käufliche deutsche Elektroauto sein. Welcher Preis für den E-Flitzer zu zahlen ist, wurde noch nicht bekannt gegeben.
Die Alternative: Elektroauto mit Verbrennungsmotor?
Opel “überdenkt die Mobilität” (Re-think Mobility) und stellt (wieder) den Opel Ampera vor. Dieser hat allein mit dem Elektromotor eine Reichweite von 60 Kilometern. Ist die Lithium-Ionen-Batterie aufgebraucht, springt der 1,4 Liter Verbrennungsmotor ein und erweitert die Reichweite auf 500 Kilometer. Dabei arbeitet der Verbrennungsmotor als Stromgenerator und versorgt den Elektromotor mit Strom. Die Höchstgeschwindigkeit eines Opel Ampera erhöht sich entsprechend auf 161 km/h.
Einem ähnlichen Prinzip folgt Mercedes mit seinem “Concept Blue Zero E-Cell Plus”. Diese neue Variante des Konzept-Elektrofahrzeugs ist mit einem kombinierten Antrieb aus einer Lithium-Ionen-Batterie und einem Verbrennungsmotor ausgestattet.
Die rein elektrische Reichweite des “Blue Zero” beträgt 100 Kilometer, mit dem Verbrennungsmotor als Stromgenerator erweitert sich die Reichweite auf 600 Kilometer. Mit Platz für fünf Insassen, mehr Komfort, einem großem Kofferraum und bis zu 450 Kilogramm Zuladung wäre das Elektrofahrzeug sogar familientauglich.
Automobilhersteller halten Preisangaben für Elektrofahrzeuge zurück
Für keines der vorgestellten Modelle gibt es Preisangaben. Daher bleibt momentan nur eine einfache Kalkulation über die Kilowattstunde (kWh). So werden für die Speicherkapazität von einer kWh Preise zwischen 600 und 800 Euro angegeben. Die Batteriekosten für einen Elektro-Smart mit einer Speicherkapazität von 14 kWh würden sich auf 9800 Euro allein für die Batterie belaufen, die sich zum Preis für einen Neuwagen (zwischen 14.000 und 20.000 Euro) addieren würden. Ohne attraktive Finanzierungsmöglichkeiten oder Vergünstigungen ist dieser Preis bislang wenig überzeugend, wobei natürlich der Benzin- bzw. Dieselpreis und entsprechende Betriebskosten nicht eingerechnet sind.
Ob sich ein Elektrofahrzeug über die Betriebskosten rechnet, hängt entscheidend vom jeweiligen Stromtarif und der Batteriequalität ab. Die Umweltbilanz ist ebenfalls von verschiedenen Variablen abhängig. Auch hier ist der richtige Ökostromtarif wichtig, der Stoffkreislauf und Produktionsprozess des Elektrofahrzeugs muss bei der Bilanz ebenfalls berücksichtigt werden. Hier sind Effizienz und nachhaltige Materialwirtschaft mitentscheidend.
Fazit – viele Neuheiten, mehr Effizienz
Die diesjährige IAA findet vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Klimakrise statt. Doch von Pessimismus ist auf der Messe wenig zu spüren, Hersteller meiden offensichtlich “selbsterfüllende Prophezeiungen“. Auf der Messe sind mehr Aussteller präsent und es finden mehr Premieren als in den vergangenen Jahren statt.

Eine Vision: Autobahnen unter Strom
So freut sich der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann,
„dass sich die Zahl der Weltpremieren bei den Automobilherstellern noch einmal deutlich erhöht hat auf exakt 100. Wir haben gegenüber der Rekord-IAA 2007 damit, was die Zahl der Weltpremieren angeht, noch einmal um 14 Prozent zugelegt. Diese IAA wird eine besondere Innovationsqualität haben. So viel Innovation, so viel Neuheiten waren bisher nie.“
Nicht zu vernachlässigen sind natürlich die Neuheiten im Bereich sparsamer Diesel- und Benzinmotoren sowie effizienter Automobiltechnik, wobei der Verbrennungsmotor weiterhin im Vordergrund steht. Preiswerte und verbraucherfreundliche Elektrofahrzeuge sind auch langfristig rar, deutsche Modelle erst in ferner Zukunft käuflich. Indien, Frankreich oder Japan sind Deutschland hinsichtlich der Serientauglichkeit von Elektrofahrzeugen mindestens zwei Schritte voraus. Angesichts der wenigen deutschen Präsentationen reiner Elektrofahrzeuge auf der IAA 2009 verfestigt sich die Überzeugung, dass dies auch die nächsten Jahre erst einmal so bleiben wird.
Kurz & Knapp
Die Aussteller der IAA 2009 stellen sich insgesamt sparsamer und CO2-bewusster dar, reine Elektrofahrzeuge sind jedoch rar.
Vereinzelt finden sich Modelle von Elektrofahrzeugen, die jedoch in den seltensten Fällen kurzfristig käuflich sind.
Elektroautos müssen preislich attraktiver und reale Kosteneinsparungen im Betrieb besser kommuniziert werden.
Weiterführende Links
FocusOnline – Analyse: IAA zwischen Krise und Zukunftsmodellen
Auto24 – Französischer Stromer
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Ein Elektromote, was war das nochmal? 








