Gemeinsam fahren, gemeinsam sparen

Gemeinsam fahren, gemeinsam sparen Mitfahrgelegenheiten sind eine alte Idee, die besonders in Krisenzeiten gerne ihre Renaissance feiert, wenn das eigene Geld knapp, Energie- und Fahrtkosten jedoch hoch sind. Dabei sparen Fahrgemeinschaften nicht nur Geld, sondern in der Gesamtheit auch eine Menge CO2 ein.

 

Freitagabend sammeln sich in jeder größeren deutschen Stadt junge Menschen vor Bahnhöfen und an anderen zentralen Treffpunkten. Doch sie warten nicht auf einen Zug, sondern den Fahrer ihrer Mitfahrgelegenheit, kurz MFG. Manchmal haben sie Pech und werden versetzt. Oder sie müssen zurückbleiben, weil der Fahrer zu viele Anfragen für zu wenige Sitzplätze angenommen hat. Doch üblicherweise steigen sie nach dem Verstauen ihres Gepäcks in ein fremdes Auto, mit meist fremden Personen und teilen für ein paar Stunden mit ihnen den Reiseweg, oftmals begleitet von angenehmen Unterhaltungen.

Die Fahrten, Preise und Treffpunkte werden üblicherweise vorher im Internet und telefonisch vereinbart. Eines der bekanntesten MFG-Portale ist das seit April 2001 bestehende Angebot von mitfahrgelegenheit.de. Nach Angaben des Unternehmens sind hier mittlerweile mehr als 800.000 Nutzer registriert, der Internetauftritt verzeichnet monatlich weit mehr als 20 Millionen Seitenaufrufe. Regelmäßig sollen über 150.000 Angebote und Gesuche für Strecken in ganz Deutschland und Europa zur Verfügung stehen. „Unsere Nutzer können Mitfahrgelegenheiten in über 3.000 Städten in 45 Ländern anbieten. Außerdem gibt es eigens lokalisierte Angebote für Österreich und die Schweiz“, so Dr. Michael Reinicke, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft von mitfahrgelegenheit.de.

Größter Konkurrent ist mitfahrzentrale.de, bei dem die Nutzer vorab jedoch nur per E-Mail mit dem Fahrer Kontakt aufnehmen können – was sich in Anbetracht von kurzfristigen Angeboten sehr umständlich und zeitraubend gestalten kann. Telefonnummern erhält man ausschließlich als Premium-Mitglied oder über die kostenpflichtige Hotline (1,86 Euro pro Minute). Ein Plus ist der mobile Zugriff auf Mitfahrangebote per SMS.

Bei beiden großen MFG-Portalen finden sich neben Autobesitzern auch Bahnfahrer, die mit Hilfe spezieller Ticketangebote der Deutschen Bahn weitere Personen für bestimmte Strecken mitnehmen können. Mitfahrer haben hier die Möglichkeit für einen Bruchteil der eigentlichen Bahnkosten bequem im ICE statt auf der Rückbank eines alten Passats mitzureisen. Seit Neustem gibt es sogar spezielle Bahnmitfahrer-Portale wie bahnsparen.de, wo man analog zu bekannten MFG-Plattformen nach Mitfahrten suchen kann.

Nahverkehrslösungen noch mangelhaft

Clever im Nahverkehr: Das "Open Ride"-Projekt

Was für weite Strecken funktioniert, kann auch innerhalb von Städten durchaus sinnvoll sein. Sogenannte Ad-hoc-Mitfahrgelegenheiten für kurze Autostrecken sind derzeit noch nicht möglich. Aus diesem Grund entwickelt das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme im „OpenRide“-Projekt eine Komplettlösung, mit der Handynutzer unterwegs nach Fahrgemeinschaften in ihrer unmittelbaren Nähe suchen können. Laut Frauenhofer Institut soll „OpenRide“ Mobiltelefone, Navigations- und Routenplanungssoftware miteinander verknüpfen und es Menschen so leichter machen, schnell Fahrgemeinschaften zu bilden. Bisherige Nahverkehrsangebote wie Pendlernetz.de bieten diese mobile Mitfahrtenvermittlung nicht.

Wenn man sich also gerade in der Hamburger Innenstadt am Jungfernstieg aufhält und nach Altona rausfahren möchte, kann man so mit seinem Mobiltelefon spontan Mitfahrten einstellen oder suchen. Das spart einerseits hohe Taxikosten und minimiert gleichzeitig den Individualverkehr in den Städten. Bis Herbst 2010 wird die Infrastruktur für „OpenRide“ entwickelt, die für alle bestehenden MFG-Portale offen sein soll. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des EXIST Förderprogramms.

Nischenangebote für Nachtschwärmer und speziell für Frauen

Oft haben weibliche Mitfahrer Bedenken, bei fremden Männern allein ins Auto zu steigen. Für Abhilfe sollen spezielle MFG-Angebote für Frauen sorgen. So können seit rund vier Jahren Frauen auf der Website Frauenfahrgemeinschaft.de nach Fahrerinnen oder Mitfahrerinnen suchen – die Masse an geeigneten Angeboten findet sich hier derzeit aber nicht. Eine geschlechtsspezifische Selektion bietet auch das neue Portal dienachtfahrer.de, das sich in erster Linie an junge Partygänger richtet. Diese feiern gerne lange bis in die frühen Morgenstunden, steigen dann aber trotz Alkoholkonsums noch ins eigene Auto. Vor allem junge Erwachsene aus ländlichen Gebieten wollen das Nachtangebot der nächstliegenden Großstadt nutzen, sind aber aufgrund mangelnder öffentlicher Nahverkehrsangebote auf das Auto angewiesen.

Damit junge Nachtschwärmer nicht zur Gefahr im Straßenverkehr werden, sollten sie verstärkt Gebrauch von der Mitfahrzentrale für die Nacht machen. Dafür muss man sich kostenlos registrieren und mit den Fahrern im Vorhinein wie gewohnt Strecke, Zeit und Preis verhandeln. Die Fahrer verpflichten sich, auch spät am Abend keinen Alkohol zu trinken und die Partyfreunde sicher nach Hause zu fahren. Sollten die Teilnehmer gegen diese Regeln verstoßen, werden sie von der Plattform ausgeschlossen. Dort finden sich zudem wichtige Sicherheitshinweise für die nächtlichen Fahrgemeinschaften, die alle beachten sollten.

Auch Möbel können mitfahren

MFGs für Möbeltransporte

Neuste Idee: Mitfahrgelegenheiten für Möbelstücke

Mitfahrgelegenheiten gibt es nicht nur für Personen, sondern auch für Gegenstände aller Art. Will man sich die Speditionskosten für den neu gekauften Kühlschrank oder für das bei einer Auktion ersteigerte Bett in Zukunft sparen, kann man auf Mitfahrzentralen zugreifen, die zusätzlich Stauraum für Transport-Gegenstände bieten. Prominentester Anbieter ist die Plattform raumobil.de, die sich noch in der Beta-Phase befindet.

Privatpersonen können kostenlos nach Laderaum für eine bestimmte Strecke suchen, um sperrige Möbel günstig transportieren zu lassen. Klein- und Kleinstunternehmer müssen hingegen eine Vermittlungsgebühr bezahlen. So können Pendler, die keine Personen mitnehmen möchten, zumindest viele Leerfahrten vermeiden, einen Teil der Benzinkosten finanzieren und insgesamt betrachtet den CO2-Ausstoß des Gesamtverkehrsaufkommens reduzieren.

Kurz & knapp

  • Ob mit Auto oder Bahn – Fahrgemeinschaften sind gut für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.
  • In vielen Regionen ist das öffentliche Personenverkehrsangebot in der Nacht oft eingeschränkt oder unzureichend. Um feiern, Alkohol trinken und trotzdem mobil sein zu können, sollte man das eigene Auto stehen lassen und  auf Nacht-Mitfahrzentralen zurückgreifen.
  • In der Zukunft soll es möglich sein, auch spontane Mitfahrgelegenheiten für Kurzstrecken schnell und einfach übers Handy suchen und anbieten zu können.

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  1. [...] Thema Mitfahrgelegenheiten und der Ökobilanz der Bahn erfahren Sie in unseren Beiträgen “Gemeinsam fahren, gemeinsam sparen” und “Welche Faktoren schmälern die Klimabilanz der [...]

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