Die wahren Kosten der Pkw-Nutzung

Die wahren Kosten der Pkw-Nutzung Immer wieder wird geklagt: Über hohe Benzinpreise, Öko- und Kfz-Steuer. Aber eigentlich müssten wir noch viel mehr für jeden Kilometer zahlen, den wir fahren.

 

3385643894_externe_Kosten_Autobahn_240x180pxTanken muss billiger werden, die Kfz-Steuer soll sinken, die Pendlerpauschale gehört erhöht. Immer wieder gibt es solche Forderungen, die darauf beruhen, dass Autofahren als zu teuer wahrgenommen wird. Hierbei schwingt neben den Sorgen der Pendler, die ihren Weg zur Arbeit mit dem Auto zurücklegen (müssen), natürlich die Angst vor weniger Mobilität und eingeschränkter Freiheit mit.

Dabei liegen die eigentlichen Kosten für die Mobilität im Straßenverkehr noch höher, als es heutzutage der Fall ist. Denn momentan sind neben den Kosten für Benzin zwar Mineralölsteuer, Kfz-Steuer, Mehrwertsteuer und Ökosteuer fällig, aber damit lassen sich die externen Kosten nicht decken. Auch nicht über die Ökosteuer, zumal diese nicht, wie ihr Name vermuten lässt, vollständig für den Ausbau Erneuerbarer Energien zur Verfügung steht. Der größte Teil des Erlöses dient dazu, die Rentenversicherungsbeiträge zu senken. Die externen Kosten können also mit der derzeitigen Besteuerung nicht beglichen werden.

Was genau sind die externen Kosten im Straßenverkehr?

Externe Kosten des Verkehrs sind Kosten, die die Verkehrsteilnehmer verursachen, aber nicht selbst tragen: Die Emissionen und Umweltschäden bei der Gewinnung von Rohstoffen für die Automobilindustrie sowie die Herstellung der Fahrzeuge. Die katastrophale Umweltbilanz des Straßennetzes, für das der Staat einen hohen finanziellen und ökologischen Preis zahlt. Um ein solches Netz zu bauen und zu erhalten, sind immer wieder in hohem Maße Rohstoffe fossilen Ursprungs, Verbesserungsarbeiten und Eingriffe in die Natur nötig.

Hinzu kommen noch weitere Kostenfaktoren wie die Emissionen der Fahrzeuge, der Lärm und die Krankheiten, die sie verursachen sowie Unfälle und Staus.

Kontroverse Auffassungen zum Thema

Zum Thema „Begleichung externer Kosten“ herrschen unterschiedliche Meinungen. Das liegt zum einen daran, dass es schwierig ist, die Kosten exakt zu bemessen. Wie viel kostet Stau? Was ist Lärmbelästigung wert? Wie kann man Umweltschäden errechnen?

Zum anderen ist das Thema politisch, wirtschaftlich und ökologisch brisant: Denn je nach Ergebnis lassen sich bestimmte konkrete politische Forderungen daraus ableiten.

So äußert sich zum Beispiel der ADAC in seiner Web-Rubrik „Standpunkte“ unter dem Stichwort „Verkehrspolitik und Interessensvertretung – Externe Kosten des Straßenverkehrs“ folgendermaßen:

„Der Straßenverkehr deckt seine Kosten! Nach Berechnungen des ADAC nimmt der Staat aus spezifischen Abgaben des Straßenverkehrs jährlichen (so im Original) rund 53 Mrd. Euro ein. Rechnet man nun noch den unbestrittenen großen Nutzen des Straßenverkehrs hinzu, muss man auch bei vorsichtiger Abschätzung zu dem Ergebnis gelangen, dass die externen Kosten des Pkw- Verkehrs bereits internalisiert sind, so dass zusätzliche Abgaben zur Anlastung von Kosten nicht erforderlich sind. Vielmehr sind die Potentiale, die sich aus ordnungsrechtlichen Maßnahmen, technischer Innovation und Verbesserung der Infrastruktur bereits heute zur Reduzierung der negativen Effekte ergeben, weiter zu stärken.“

Und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln schreibt, die „externen Kosten des Straßenverkehrs durch Unfälle, Lärm und Luftverschmutzung“ summierten sich in Deutschland auf knapp 38 Milliarden Euro im Jahr. Mit dieser Summe seien die Kosten „damit weitgehend durch die von den Kraftfahrern gezahlte Mineralöl- und Ökosteuer in Höhe von rund 34 Milliarden Euro gedeckt“. Daher hält das Institut Forderungen nach höheren Abgaben im Bereich Straßenverkehr für übertrieben.

Die Perspektive der Umweltexperten

In einer Studie vom Umweltbundesamt wird dagegen von 2,9 Cent pro Kilometer für Pkw gesprochen (und sogar 17,4 Cent für Lkw), die gezahlt werden müssten, um anfallende externe Kosten zu begleichen. Es wird betont, dass die Ökosteuer bei Pkw dazu bei weitem nicht ausreicht. So summierten sich bei 100.000 km Fahrt die externen Kosten auf 3000 Euro, wobei allerdings nicht noch andere, zusätzliche Kosten wie der Zeit- und damit Geldverlust durch Stau berechnet werden.

3927052438_externe_Kosten_Nahverkehr_240x180pxWenn diese Summe auf den Benzinpreis umlegt würde, dann müsste der Autofahrer pro Liter Benzin rund 37 Cent mehr zahlen als bisher. Laut Bundesumweltamt heißt das, dass der Ökosteueranteil an der Mineralölsteuer nur 15,3 Cent pro Liter Benzin ausmacht: Die Differenz zwischen der Ökosteuer von 15,3 Cent pro Liter Benzin und den externen Kosten beträgt demzufolge knapp 22 Cent pro Liter Benzin. Die externen Kosten wären also nicht durch die Ökosteuer gedeckt. Aber da wie bereits erwähnt die Ökosteuer nur zum Teil der Nachhaltigkeit dient, müsste das Ergebnis der Berechnung größer ausfallen als 22 Cent.

Fazit: Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel

Die externen Kosten des Straßenverkehrs müssen in den Preis mit einfließen und gleichzeitig der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel vorangetrieben werden. Die Politik muss sowohl für Anreize als auch Infrastruktur sorgen, um einen Umstieg vom Auto auf umweltfreundliche Alternativen zu schaffen. Zudem könnten Erlöse einer externe-Kosten-Steuer neben dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel in Konzepte wie Carsharing und Fahrradverleih fließen.

Kurz & Knapp:

Externe Kosten fallen nicht nur im Straßenverkehr an, sondern in vielen Bereichen, immer dann, wenn Kosten entstehen, die von den Verursachern aber nicht getragen werden.

In Zeiten des Klimawandels und der Ressourcenknappheit ist die allgemeine Berücksichtigung der externen Kosten eigentlich längst überfällig.

Weitere Informationen:

Studie des Umweltbundesamtes (UBA)

EU-Kommission – Sustainable Transport

2 Kommentare
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  1. Jau, jau… zurueck zum Pferdekarren sag ich. Sagt mal, Ihr Grünen Econitor-Typies, was für ne Gesellfschaft schwebt euch eigentlich so als Zielvorstellung vor? Hmmm? Zurück in die Wälder, und im Winter schön in’n Fake-Bärenfell kuscheln (Echte gehn nicht, wegen PETA)?

  2. Liebe/r ks,

    nirgends im Artikel wird der Wunsch geäußert, zum Pferdekarren oder in die Wälder zurückzukehren.

    Der Artikel soll allerdings tatsächlich eine „gesellschaftliche Zielvorstellung“ anklingen lassen: Wir denken, dass für die Nutzung von Ressourcen alle externen Kosten in die Berechnung einfließen müssen, weil nur so alle relevanten Kriterien berücksichtigt werden. Nur so können die individuell und volkswirtschaftlich besten Entscheidungen getroffen werden! Dies gilt unabhängig davon, ob die Entscheidung von einem politischen Akteur, einem Unternehmen oder einem Bürger getroffen wird. Und dies gilt eben auch beim Autofahren, weil es eben deutlich mehr Kosten für die Gesellschaft verursacht, als durch den einzelnen Nutzer mittels Steuern und Abgaben gezahlt wird.

    Ein anderes Beispiel dafür, dass externe Kosten nicht vollständig im Produkt- oder Nutzungspreis berücksichtigt werden, ist der Energiesektor: Die Kernkraft wird von den Unternehmen gerne als „günstige Energie“ angepriesen. Dabei werden jedoch erhebliche Kosten nicht im Verbraucherpreis für „Atomstrom“ berücksichtigt, weil diese Kosten nicht die Energiekonzerne direkt tragen müssen, sondern sie von der Gesellschaft übernommen werden (bspw. die Kosten für die sichere Endlagerung sowie die Risiken für evtl. notwendige Umlagerungsmaßnahmen, wie sie jetzt in Asse anstehen).

    Für so eine Kostenübernahme durch die Gesellschaft mag es gute Gründe geben – so ist es bspw. lange Jahre politischer Wille (gewesen), die Entwicklung der Atomkraft zu fördern oder später den Aufbau der Solarindustrie durch Subventionen zu stützen. Aber es ist unserer Meinung nach absolut notwendig, eine solche Verschiebung von Kosten vom einzelnen Nutzer (die Käufer von Photovoltaik-Anlagen freuen sich über einen günstigeren Kaufpreis) zur Gesellschaft (alle Stromverbraucher bezahlen einen Aufpreis) erstens offen sichtbar zu tun und zweitens regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen (wie es bei der Solarförderung ja auch geschieht).

    Die Berücksichtigung von externen Kosten ist im Übrigen auch Voraussetzung dafür, eine möglichst nachhaltige Gesellschaft zu entwickeln: Nachhaltigkeit kann nur erreicht werden, wenn bei unseren heutigen Entscheidungen ehrlich (!) und vollständig (!) auch die zukünftigen Kosten berücksichtigt werden.

    Diese offene Darlegung und regelmäßige Überprüfung der externen Kosten des Autoverkehrs geschieht eben nicht. Und genau dies möchte dieser Artikel hier darstellen. Einverstanden? :-)

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Marie und Christoph von Econitor

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