Carsharing – Warum Sie Ihr Auto besser teilen sollten
Diese Art des Autoteilens erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Verzichten auch Sie auf ein Auto, das kaum gefahren wird – so können Sie viel Geld sparen und die Umwelt schonen.
Mein Haus, mein Auto, mein Boot… Jeder kennt wohl diese Sparkassen-Werbung, auch wenn sie schon einige Jahre alt ist. Obwohl vielfach kritisiert, spiegelt sie in gewisser Weise unsere Gesellschaft wieder. So auch, was den Besitz eines Autos betrifft: Der eigene Pkw gilt auch in Zeiten des Klimawandels und der „Entdeckung der Nachhaltigkeit“ noch als Statussymbol. Und das besonders in Deutschland.
Laut Statistisches Bundesamt waren 2008 bundesweit knapp 41,2 Millionen Pkw gemeldet. Grundsätzlich entfallen über drei Viertel der Autos auf private Haushalte, allerdings stehen diese Fahrzeuge rund 95 Prozent der Zeit einfach nur. Und etwa 80 Prozent aller Fahrten sind weniger als 40 Kilometer lang.
Es stellt sich also die Frage, warum so viele Privathaushalte über ein oder mehrere Pkw verfügen, wenn diese kaum gefahren bzw. nur für Kurzstrecken genutzt werden. Neben der Rolle des Autos als Prestige-Objekt spielen Faktoren wie der Ausbau des Nahverkehrs und die räumliche Unabhängigkeit des Fahrers eine wichtige Rolle.
Dabei schaden die “Vorzeigewagen” durch ihren unnötigen Ressourcenverbrauch der Umwelt, in vielen Fällen könnten Strecken ebenso gut bzw. noch schneller mit dem Nahverkehr zurückgelegt werden, und die vermeintliche Unabhängigkeit ist in vielen Fällen eine Abhängigkeit vom Auto (klassisches Beispiel: die Parkplatzsuche).
Sollte Sie wirklich einmal in einer (Groß-)Stadt ein Auto benötigen, gibt es eine sinnvolle Alternative zu einem eigenen Auto, das kaum gefahren wird: Carsharing.
Carsharing – Was ist das genau?
Carsharing ist die gemeinschaftliche Nutzung von Pkw. Da es sich hierbei um eine organisierte Form des Auto-Teilens handelt, fällt das
„private Carsharing“ unter Nachbarn oder Freunden nicht darunter.
Das Carsharing eignet sich vor allem, aber nicht nur, für kurze Strecken im städtischen Bereich. Aber auch bei Urlaubsfahrten kann auf Carsharing-Fahrzeuge zurückgegriffen werden, hier sollten Sie allerdings beim jeweiligen Carsharing-Anbieter nach den genauen Konditionen fragen. Dasselbe gilt für Carsharing-Pkw, die als Firmenwagen genutzt werden: Diese Variante wird nicht von allen Anbietern angeboten, mehr Informationen erhalten Sie auf Nachfrage.
Carsharing: Anmelden, buchen, losfahren
Um Carsharing-Angebote nutzen zu können, müssen Sie sich zuallererst bei einem Carsharing-Anbieter anmelden. In Deutschland finden sich in Großstädten oft mehrere konkurrierende Unternehmen, während in Österreich und der Schweiz ein nationaler Anbieter existiert.
Sie schließen bei der Anmeldung einen Vertrag mit Ihrem lokalen Carsharing-Anbieter ab und hinterlegen eine Kaution, die Sie bei der Kündigung des Vertrages wiedererhalten. Anschließend zahlen Sie ein Anmeldeentgelt und einen geringen monatlichen Fixbeitrag.
Darüber hinaus zahlen Sie für das Auto nur noch, wenn Sie wirklich fahren, müssen also nicht noch die Fixkosten eines Wagens, der wenig gefahren wird, tragen. Bei den meisten Carsharing-Anbietern können Sie zwischen einem Zeit- und einem Kilometertarif wählen. Darin sind Kosten wie der Wertverlust des Fahrzeugs, Reparaturen, die Versicherung und der Kraftstoff für den Wagen enthalten.
Per Telefon oder Internet können Sie rund um die Uhr aus der Fahrzeugflotte Ihres Anbieters bequem den passenden Wagen und einen bestimmten Standort heraussuchen. Es ist sowohl eine spontane als auch eine langfristige Buchung möglich.
Das Auto lässt sich am ausgewiesenen Stellplatz mit einem Autoschlüssel aus einem kleinen Tresor oder mithilfe einer elektronischen Karte öffnen. Nach Ende Ihrer Fahrt können Sie den Pkw, ohne Zeit für die Parkplatzsuche zu Vergeuden, wieder am reservierten Stellplatz abstellen.
Übrigens besteht bei vielen Carsharing-Anbietern die Möglichkeit, das Carsharing für einen gewissen Zeitraum kostengünstig zu testen. Auskunft darüber erhalten Sie bei Ihrem örtlichen Anbieter.
Was muss ich beachten?
Wie bereits erwähnt übernimmt Ihr Carsharing-Anbieter für Sie allerhand zeitaufwändige Arbeit wie Reparaturen, Ölwechsel sowie Steuer- und Versicherungsangelegenheiten. Sie müssen lediglich vor Beginn und nach Ende der Fahrt sicherstellen, dass das Fahrzeug keine Schäden aufweist und es betanken, falls der Kraftstoffvorrat eine von Ihrem Carsharing-Anbieter festgelegte Mindestmarke unterschreitet. Entweder liegt hierfür eine Tankkarte bereit oder Sie können sich den Betrag per Beleg vom Anbieter zurückerstatten lassen.
Und natürlich gilt die Regel, dass Sie das Fahrzeug in dem Zustand verlassen, indem Sie es vorzufinden wünschen, d.h. Schmutz, Tierhaare etc. sind vor der Rückgabe zu entfernen.
Wie genau unterscheiden sich Carsharing und Autovermietungen voneinander?
Im Gegensatz zu Autovermietungen sind Carsharing-Stationen über das ganze Stadtgebiet verteilt bzw. vor allem in der Nähe von Wohngebieten und den Arbeitsstätten gewerblicher Nutzer zu finden. Zudem muss für das Carsharing nur bei der Anmeldung ein
Rahmenvertrag abgeschlossen werden, anschließend können Sie jederzeit ein freies Auto Ihrer Wahl buchen, und dies auch relativ kurzfristig.
Des weiteren lassen sich Carsharing-Fahrzeuge auch nur für kurze Zeit, etwa für eine Stunde, nutzen, und Sie zahlen lediglich für den von Ihnen gebuchten Zeitraum. Der Kraftstoff ist bereits im Preis inbegriffen, und Sie müssen nicht vor jeder Fahrt tanken, solange der Tank nicht unter die von Ihrem Anbieter festgelegte Marge sinkt.
Carsharing und Autovermietungen schließen sich aber nicht aus: Bei Sonderwünschen, etwa der Buchung eines Lkw oder längeren Urlaubsfahrten, bieten Ihnen viele Carsharing-Anbieter dank einer bundesweiten Kooperation die Möglichkeit, einen Mietwagen zu günstigen Konditionen zu erhalten.
Was kostet mich das Carsharing?
Die Preise für Carsharing in der Bundesrepublik sind im Gegensatz zu Österreich und der Schweiz nicht einheitlich. Die Tarife werden von den einzelnen Anbietern selbst für ihr spezifisches Angebot festgelegt. Grundsätzlich erheben die Anbieter aber nutzungsunabhängige und nutzungsabhängige Gebühren.
Unter erstere fallen das einmalige Aufnahmeentgelt sowie ein regelmäßiger Mitgliedsbeitrag und die Kaution. Bei der Fahrt mit einem Carsharing-Fahrzeug fallen dann nutzungsabhängige Kosten an, entweder ein Tarif pro zurückgelegten Kilometern oder einer pro gebuchter Stunde.
Viele Anbieter lassen Ihnen die Wahl zwischen verschiedenen Tarifen, z.B. einem Normal- und einem Vielfahrertarif. Auch die Größe des von Ihnen gewählten Fahrzeuges entscheidet über den Preis. Während kleinere Anbieter lediglich Pkw zu ihrer Flotte zählen, können Sie bei anderen vom Kleinwagen bis zum Transporter oder Kleinbus zwischen etlichen Modellen wählen.
Vorteile des Carsharings – Eine gute Klimabilanz und niedrige Kosten
Was hat Carsharing mit Klimaschutz zu tun? Die Fahrzeuge stoßen doch dieselbe Menge an CO2 wie Privatwagen aus und werden mit fossilem Kraftstoff betrieben!?
Das stimmt natürlich, aber es hat sich gezeigt, das ein einzelnes Carsharing-Auto zwischen vier und zehn Pkw ersetzt. Befragungen haben ergeben, dass Carsharing-Kunden durchschnittlich vor ihrer Teilnahme am Carsharing mehr private Pkw in Gebrauch hatten als danach. Somit wurden durch die Teilnahme private Fahrzeuge entweder abgeschafft oder geplante Neuanschaffungen gestrichen.
Dadurch werden Ressourcen gespart, sei es bei der Herstellung und dem Betrieb der Pkw als auch im Straßenbau, da der Bedarf an Verkehrsflächen durch weniger Autos sinkt. Zudem entstehen durch den Verzicht auf ein eigenes Auto weniger Schrott, weniger Lärm und weniger Schadstoffe. Grundsätzlich nutzen Carsharer ihr Auto bewusster, fahren seltener mit dem Pkw als der Durchschnitt der Bevölkerung und legen ihre Wege stattdessen häufiger mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Rad sowie zu Fuß zurück.
Dieses Verhalten erklärt sich daher, dass die Carsharer alle Kosten, die ihre Autofahrten verursachen, jeden Monat für jede einzelne Fahrt auf ihrer Rechnung aufgelistet sehen. Diese Kostentransparenz fehlt bei privaten Pkw völlig.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Einsatz von Neufahrzeugen in Carsharing-Flotten: Im Vergleich zum durchschnittlichen Autobestand stoßen die Carsharing-Wagen deutlich weniger CO2 und Schadstoffe aus und sie werden zudem alle drei bis vier Jahre ersetzt.
Kurz & Knapp
Carsharing ist die sinnvolle Alternative zum Privat-Pkw, der die meiste Zeit nicht verwendet wird. So lassen sich Kosten und Ressourcen sparen, damit tun Sie Ihrem Geldbeutel und der Umwelt einen großen Gefallen. Hilfe bei der Auswahl eines Carsharing-Anbieters erhalten Sie auf der Homepage des Bundesverband CarSharing e.V.
Links:
Hier können Sie deutschlandweit nach örtlichen Carsharing-Anbietern suchen.
Hier finden Sie Informationen zum Carsharing in Österreich und der Schweiz.

Das Auto auf Kurzstrecken öfter stehen lassen 









Eine schöne Zusammenfassung. Es ist im Grunde alles so logisch, warum also nutzen nicht alle,. zumindest alle, die in Ballungsgebieten wohnen, das Carsharing? Wir von teilAuto können zwar Zuwächse verzeichnen, dennoch kann da noch viel mehr gehen. Wir suchen übrigens gerade jemanden, der sich um unsere Öffentlichkeitsarbeit kümmert und damit auch das Thema Carsharing Insgesamt voran bringt. Vielleicht finden wir hier Unterstützung?
Carsharing geht seit einiger Zeit nun auch privat über Onlineportale. Seit Juni 2011 bieten wir von rent-n-roll privates Carsharing über http://www.rent-n-roll.de/ an. Dort können sich Privatpersonen günstig Autos mieten, aber auch ihr eigenes vermieten. Das ganze Carsharing-Thema ist übrigens eine interessante Spielart der “Collaborative Consumption”, d.h. der Trend geht dahin, Eigentum zugunsten von Nutzung hintenanzustellen.