Die Econitor Kurzmeldungen: Aktuelles rund um Energieeffizienz im Haushalt, erneuerbare Energien, Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Weltraum wird immer mehr zur Mülldeponie

Dienstag, 03. August 2010 - NASA: Abfall gefährdet Internationale Raumstation und Satelliten

Dass Weltraumschrott Satelliten gefährdet, ist seit langem bekannt. Nun hat die NASA erstmals genau festgestellt, wer am meisten Müll im Orbit hinterlassen hat. Der größte Anteil stammt demnach von ehemaligen sowjetischen und chinesischen Satelliten. Doch Europa könnte schon bald zum größten Verschmutzer werden.

Erst jetzt konnte die US-amerikanische Raumfahrtbehörde den Weltraum-Abfall identifizieren, der fast zu einer Kollision mit der Internationalen Raumfahrtstation ISS geführt hat. Das Objekt stammt von einem 2007 abgeschossenen chinesischen Wettersatelliten.

Abfall im Weltraum: Große Zahl an Einzelteilen

Im Zuge des Orbital Debris Programm konnte die NASA insgesamt 19.000 Objekte mit einer Größe von zwölf Zentimetern ausmachen. Allein vom chinesischen Satelliten konnten 2.841 Teile identifiziert werden. Solche Objekte gelten als ernstzunehmende Gefahr für Satelliten und die ISS.

Selbst eine einzelne Schraube könne immense Schäden an einem Satelliten verursachen, so Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Man könne dessen Geschwindigkeit mit der einer Gewehrkugel vergleichen. Dass der Orbit vom Müll gereinigt wird, ist für den Experten nahezu unvorstellbar. Dies sei so, als wolle man das Meer vom Plastikmüll befreien. Gleichzeitig wies er auf den Ehrenkodex im All hin, demzufolge die Betreiberländer auch zur Beseitigung ihrer nicht mehr verwendeten Satelliten zu sorgen hätten.

Die Sprengung des chinesischen Satelliten sei nur ein Abschnitt in der Geschichte der Weltraumforschung. Ähnliches hätten bereits die Russen und die Amerikaner zuvor gemacht. Bis vor einigen Jahren habe man über das Problem nicht wirklich nachgedacht. Baumjohann sieht die ISS grundsätzlich als durch Weltraumschrott weniger gefährdet an, da sie über Triebwerke zum Ausweichen verfügt.

Kollision von Abfallteilen führt zu neuen Problemen

Ein gewaltiges Problem stellen dem Experten zufolge unkontrolliert fliegende Abfallteile dar, die miteinander kollidieren. Wo viel Schrott sei, gebe es logischerweise auch mehr Kollisionen. Und jede dieser Kollisionen führe dazu, dass noch mehr Schrott entstehe. Durch diese Tatsache könne es zum exponentiellen Anwachsen von Schrotteilen kommen.

Europa könne schon bald den überhaupt größten Müllanteil im All hinterlassen. In drei Jahren werde der ESA (European Space Agency) Erdbeobachtungssatellit Envisat mit seinem Gewicht von neun Tonnen ausrangiert und zum Verglühen gebracht. Die Gefahr, dass er dabei mit der ISS kollidiere, sei zwar gering. Experten warnten jedoch davor, dass er mit großen Abfallteilen wie Raketensegmenten oder anderen alten Satelliten zusammenstoßen könnte. Ein solches Ereignis würde zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion führen.