Naturfreibäder, die auf Chlor verzichten, sind eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Schwimmbädern. Allerdings muss auch hier für eine gründliche Reinigung des Wassers gesorgt werden, um hygienische Standards sicher zu stellen, da mit den Schwimmbad-Besuchern auch Keime und Bakterien ins Bad gelangen.
Die Materialforschungs- und -prüfanstalt an der Bauhaus-Universität Weimar will am Beispiel des Naturbadesees im Feriendorf Eisenberg “Günter Richta” in Kirchheim (Hessen) der Landeshauptstadt Hannover untersuchen, wie Verunreinigungen mit den pflanzlichen Helfern bestmöglich beseitigt werden können. Gleichzeitig soll mit Hilfe der Firma Polyplan aus Bremen ein Konzept für ein Nullenergie-Bad entstehen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt mit rund 100.000 Euro.
Naturfreibad – Wie funktioniert´s?
Naturnahe Schwimmbecken und Badeseen sind künstlich geschaffene, aber den Prinzipien der Natur nachempfundene Ökosysteme. Neben einem Nutzungsbereich, in dem Besucher ihre Bahnen ziehen können, bestehen sie auch immer aus einem Aufbereitungsbereich für das Badewasser. Keime und andere Stoffe, die durch Menschen und Tiere ins Wasser gelangen, werden hier auf natürliche Weise durch Pflanzen herausgefiltert. Chemikalien, die etwa Binde- und Schleimhäute reizen können kämen nicht zum Einsatz, erklärt Dr. Ernst-Peter Kulle von der Materialforschungs- und -prüfanstalt Weimar. Bei der Hygiene dürften aber keine Abstriche gemacht werden. Daher gelte es, das komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher biologischer Faktoren genau zu analysieren.
Modellhaft werde dies nun am Beispiel eines neu angelegten Naturbadesees in Kirchheim realisiert. Damit gebe es eine gute Ausgangsposition, das Gewässer von Beginn an zu beobachten. Über zwei Jahre wollen Kulle und sein Team Wasserproben entnehmen und untersuchen, wie sich äußere Faktoren auf die Wasserqualität auswirken und wie diese optimal sichergestellt werden kann. Die Forscher möchten mit den Untersuchungsergebnissen eine Basis liefern, mit deren Hilfe pflanzliche Filtersysteme für Naturbadeseen künftig besser angelegt werden können. Und sie gehen davon aus, dass sich bei kommenden Bauvorhaben besser berechnen lässt, wie sich ein Gewässer bei verschiedenen äußeren Einflüssen wie wechselnden Besucherzahlen oder Regengüssen verhält.
Ziel: Ein Nullenergiebad, das sich ökonomisch rechnet
Doch alles regelt die Natur nicht von allein. Damit das aufbereitete Wasser wieder in den Nutzungsbereich gelangt, wird eine per Elektromotor betriebene Pumpe benötigt. Die Energie dafür soll in Kirchheim ein Solargenerator liefern. Ziel ist, gemeinsam mit der Firma Polyplan ein Nullenergie-Bad zu verwirklichen. Damit soll gezeigt werden, dass ökologisch sinnvolle Konzepte ökonomisch tragbar sind. Denn in einigen Naturfreibädern stimmt die Idee vom umweltschonenden Badevergnügen noch nicht mit der Energiebilanz überein.
In Kirchheim sollen die Ergebnisse des Projektes auch für die Umweltbildung genutzt werden. Schulklassen und Freizeitgruppen, die regelmäßig zu Besuch sind, können sich künftig praxisnah mit den Themen Gewässerverunreinigung und Gewässerschutz beschäftigen. Geplant sind zum Beispiel eigene kleine Untersuchungen, mit denen Kinder auf spielerische Weise Stoffkreisläufe in der Natur erleben und verstehen.

Clever waschen – Teil I 









