Kurzdarstellung:
Daniel Goleman dürfte einem breiten Publikum durch seine Bestseller „Soziale Intelligenz“ und „Emotionale Intelligenz“ bekannt sein. In seinem kürzlich auf Deutsch erschienenen Werk „Ökologische Intelligenz“ schildert der international erfolgreiche Psychologe und Journalist, auf welche Weise Web 2.0-Anwendungen wie Twitter und Communities radikale Transparenz ermöglichen können, dank derer die gesund-heitliche, ökologische und soziale Bilanz eines Produkts für die Verbraucher beim Kauf ersichtlich ist.
Mit derartigen Informationen ausgerüstet, können sie nun die Produkte kaufen, die sie eigentlich schon immer kaufen wollten: Solche, die auch wirklich Umwelt und Gesundheit schonen und unter fairen Arbeitsbedingungen entstanden sind. Goleman geht dabei davon aus, dass der Markt auf eine erhöhte Nachfrage solcher Produkte reagiert und sich das Angebot in absehbarer Zeit hin zu nachhaltigen Produkten verschieben wird.
Rezension:
Goleman beginnt sein Buch mit einer Kritik der gängigen Produktionsmethoden: Die meisten Produkte, die heute auf den Markt kommen, basierten auf der chemischen Industrie des 20. Jahrhunderts. An künstlich hergestellten chemischen Stoffen sowie gestrigen Verfahren weiterhin festzuhalten, sei unvernünftig. Sowohl Verbraucher als auch Hersteller könnten sich dies gar nicht leisten.
Hier kommt der Begriff „Ökologische Intelligenz“ ins Spiel. Intelligenz schließt für Goleman die Fähigkeit ein, aus Erfahrungen zu lernen und sinnvoll zu handeln: „Ökologische Intelligenz ermöglicht es uns, unser Wissen über die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Ökosysteme in der Weise umzusetzen, dass wir weniger Schaden anrichten und unser Weiterleben in unserer Nische – die heutzutage unseren gesamten Planeten umfasst – nachhaltig sichern.“
Diese ökologische Intelligenz kann nur in der Gemeinschaft weiterentwickelt werden, muss aber allen zugänglich sein, daher spricht Goleman auch von einer kollektiven, dezentralistischen Intelligenz. Als Beispiele hierfür nennt er Krankenhäuser und das Schwarmverhalten von Insekten.
Ermöglicht werden soll die ökologische Intelligenz durch die Industrieökologie, indem diese die vielen Auswirkungen unserer Produkte systematisch erfasst und damit die bisher herrschende Komplexität beseitigt: Wenn wir die versteckten Auswirkungen dessen, was wir kaufen, verkaufen oder herstellen, so genau kennen würden wie ein Industrieökologe, könnten wir Goleman zufolge die Zukunft positiver gestalten. Und sobald uns dieses entscheidende Wissen zur Verfügung stünde, würden wir ins „Zeitalter der radikalen Transparenz“ eintreten.
Radikale Transparenz oder die neue Macht der Verbraucher
Natürlich führt eine solche Art der Transparenz erst einmal zu einer Datenflut und noch mehr Informationen, die es zu klassifizieren gilt. Eine systematische Vorgehensweise sei hier vonnöten, so dass die Verbraucher mit den richtigen, zielführenden Daten ausge-stattet würden. Durch die radikale Transparenz werde die Wirtschaft zu Offenheit gezwungen, was eine Revolution ihres Marketings zur Folge hätte, so dass die Vielfalt der grünen Technologien und Produkte schließlich im Vordergrund stünden. Damit werde ein Anreiz geschaffen, auf nachhaltige Erzeugnisse umzusteigen.
Und das alles geschieht Goleman zufolge nicht durch gezielte Maßnahmen oder Sanktionen „von oben“, sondern allein durch detaillierte Informationen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Verbraucher haben durch die neuen Medien mehr Macht als je zuvor, und nutzen diese auch, um die Hersteller zu Veränderungen zu bewegen.
Die radikale Transparenz habe Vorteile sowohl für Kunden als auch für Unternehmen, denn es entstehe ein dynamisches, neues, wettbewerbsorientiertes Spielfeld, ein höchst effizient funktionierender Markt. Dieser zeichne sich dadurch aus, dass er all diejenigen belohne, die es verdienten, während die anderen bestraft würden.
Fazit
Jeder kann handeln und dadurch seinen (wenn auch kleinen) Beitrag zu einer besseren Welt leisten. Und natürlich ist es hierbei hilfreich, mit anderen Verbrauchern gut vernetzt zu sein, um sich auszutauschen zu können. Ebenfalls wichtig sind in diesem Zusammenhang Webseiten wie Codecheck.info oder Zeitschriften wie „Ökotest“ und „Test“ der Stiftung Warentest, die auf Produkt-Risiken aufmerksam machen.
Wir verfügen, wie Goleman darlegt, über keinerlei Sensoren, die uns vor Umwelt- und Gesundheitsschäden warnen, und sind damit für das (Über-)Leben in der heutigen Zeit schlecht ausgerüstet. Daher erweisen sich „Warnsysteme“, wie die oben genannten, als sinnvoll, wenn nicht gar nötig.
Das Prinzip der radikalen Transparenz ist insofern zu kritisieren, als dass bereits viele Produkt-Informationen verfügbar, sie aber nicht allen zugänglich sind, zum Beispiel aufgrund von Unwissenheit oder Desinteresse. Und selbst, wenn die Informationen alle gut gebündelt und leserfreundlich aufbereitet worden sind: Wer hat schon die Zeit, für jedes der von ihm erworbenen Produkte in der Ökotest u.ä. deren Gesundheits- und Ökobilanz nachzuschlagen, und auch immer wieder neue Tests und Berichte aufmerksam zu verfolgen?
Hier ist Goleman zu optimistisch in seiner Annahme, der uneingeschränkten Zugang zu Produkt-Informationen sei möglich, und eine grüne Revolution auch auf Herstellerseite sei die Konsequenz bzw. der Markt “regle das schon”.
Als weiterer wichtiger Kritikpunkt ist Golemans Auffassung von Konsum zu nennen: Er betrachtet diesen zwar insofern kritisch, als dass er betont, es könne keine absolut grüne, umweltfreundliche Produkte geben, sondern höchstens relativ umweltfreundliche. Aber an keiner Stelle erwähnt er die Möglichkeit des Konsumverzichts, denn wir konsumieren heute nicht nur zum größten Teil die „falschen“ Produkte, sondern wir verbrauchen schlicht zu viele Ressourcen.

Ökologische Intelligenz: Wer umdenkt, lebt besser von Daniel Goleman
Erschienen im September 2009 bei Droemer/Knaur
ISBN: 3426275147, 271 Seiten für EUR 19,95


Ende der Märchenstunde – Kathrin Hartmann
Was ist eigentlich die Ökodesign-Richtlinie? 








