Kurzdarstellung:
Die Lohas kaufen die Welt nachhaltig und gerecht: Zuerst die Besorgungen im Biomarkt, dann kurz in den Fairtrade-Shop gehuscht, um auf dem Nachhauseweg noch eben beim ökorrekten Klamottenladen vorbeizuschauen. Anschließend ins Bio-Café, wo mit Freunden die nächste Urlaubsreise nach Übersee – natürlich samt Klimaschutzspende für den Flug – geplant wird. Da kann man sich doch eigentlich getrost bequem zurücklehnen, oder? Lässt sich so nicht die Welt verbessern?
Das hinterfragt Kathrin Hartmann in ihrem Buch kritisch. Sie zeigt detailliert auf, wer die Lohas sind, und was sie antreibt. Von der Industrie und deren Einfluss auf die Gesellschaft bis hin zu unserem Wirtschaftssystem und der Rolle der NGOs gibt sie einen aufschlussreichen Überblick über das Phänomen „Lohas“ und zeigt, wie sich diese von Unternehmen und deren Marketingabteilungen einspannen lassen.
Rezension:
Die Lohas und ihre Prinzipien sind mitten unter uns. Als Konsumentengruppe entdeckt, werden ihre Vorlieben als Verkaufsargument genutzt. Kaum ein Produkt, was heute nicht als (zumindest zusätzlich) „grün“ beworben wird.
Die Lohas glauben (oder wollen glauben), dass sie durch ihren Konsum die Welt besser machen. Sie sind davon überzeugt, selbstlos, sozial und moralisch zu handeln. Tatsächlich aber tun sie mit ihrem Konsumverhalten sich selbst etwas Gutes, aber nicht anderen. Denn es gibt kein richtiges Einkaufen im falschen Weltwirtschaftssystem, so Hartmann. Das Problem heißt Konsum(gesellschaft), und daher ist der vermeintlich „richtige“ Konsum auch nicht die Lösung.
Alles hat seinen Preis
Die „Lifestyle-Ökos“ wollen Genuss ohne Reue. Aber gibt es den wirklich? Selbst bei Bio- und Fairtrade-Produkten sind Zweifel angebracht, denn diese sind in etlichen Fällen nur die besten aller mittelmäßigen Alternativen. Dies zeigt Hartmann am Beispiel von (Bio-)Erdbeeren, die im von Wasserknappheit betroffenen Andalusien gezüchtet werden. Und die westliche Nachfrage nach indischen Waschnüssen, als Öko-Waschmittel gepriesen, führt dazu, dass sich viele Inder diese aufgrund des steigenden Preises nicht mehr leisten können und auf „synthetische“ Waschmittel umsteigen müssen.
Eine Bio-Jeans aus Bio-Baumwolle verbraucht bei ihrer Herstellung genauso viel Wasser wie die „normale“ Hose, mehrere tausend Liter. Die Bio-Siegel selbst sagen nichts über die Arbeitsbedingungen bei der Produktion aus: So kann eine Bio-Jeans unter katastrophalen Zuständen hergestellt werden und trotzdem als „Bio“ gekennzeichnet sein.
Auch Fairtrade ist keine Garantie für globale Gerechtigkeit: Mit beim Discounter gekauften Fairtrade-Produkten unterstützt der Konsument zwar die Bauern in Entwicklungsländern, vor allem aber Discounter mit einer fragwürdigen Unternehmenspolitik. Und fair gehandelte Produkte helfen zusätzlich, diesen Unternehmen einen sozialen Anstrich zu verleihen, dem sie im Alltag aber nicht gerecht werden.
Was die CO2-Bilanz von Lohas betrifft: Ihr Lebenswandel, der u.a. aus Reisen, Kaffee trinken, Biofleisch essen, überhaupt daraus besteht, viele (!) Produkte zu konsumieren, sorgt für einen vergleichsweise hohen CO2-Ausstoß (Der deutlich höher ist als bspw. die CO2-Bilanz von Hartz-IV-Empfängern).
Fazit
Unsere Gesellschaft muss lernen, dass verantwortliches Konsumieren weniger Konsumieren heißt. Wir müssen den Wert „Konsum“ durch einen anderen Wert ersetzen, und brauchen hierfür neue Konzepte. Und wir müssen radikal umdenken, um z.B. nicht mehr mit dem spritsparenden Auto zu fahren, und dabei eine größere Menge CO2 auszustoßen oder statt konventionellem Fleisch mehr Bio-Fleisch zu kaufen.
Kathrin Hartmann appelliert am Ende ihres Buches an die Leser, ihre Energie statt auf Konsum auf etwas anderes zu verwenden und sich – im Gegensatz zu den völlig unpolitischen Lohas – zu engagieren: „Natürlich ist es richtig, Saison- und Bio-Produkte zu kaufen – fair gehandelter Kaffee sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Es kann auch nicht schaden, die Produkte von „bösen“ Firmen zu boykottieren. Nur bringen wird es nichts, wenn man daran nicht eine politische Forderung knüpft, die man gemeinsam mit anderen in die Öffentlichkeit und Politik trägt.“

Ende der Märchenstunde: Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt von Kathrin Hartmann
Erschienen im Oktober 2009 bei Karl Blessing Verlag
ISBN: 3896674137, 384 Seiten für EUR 16,95


Leben als Konsum – Zygmunt Bauman 









