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Ölsand: Begehrt und extrem problematisch

Sie dachten, große Ölreserven gäbe es nur im Nahen Osten, Venezuela und der Nordsee? Falsch: In Kanada lagern rund ein Drittel der weltweiten Reserven dieses fossilen Brennstoffes – in Form von Ölsand.

Auch bekannt als Teersand findet sich dieses immer beliebtere Sand-Öl-Gemisch vor allem in der kanadischen Provinz Alberta sowie in Venezuela. Dort ist der Anteil der Ölsandförderung an der nationalen Ölproduktion allerdings relativ gering, im Gegensatz zu Kanada, wo täglich rund eine Million Barrel Öl gefördert werden, was knapp die Hälfte der gesamten kanadischen Ölproduktion darstellt. Diese Menge soll bis 2015 sogar auf drei Millionen Barrel pro Tag ansteigen.

Was ist Ölsand genau?

Kanadischer Ölsand ist ein zähes Gemisch aus Lehm, Quarzsand, Schlick, Wasser sowie Bitumen und weist einen Ölanteil zwischen einem und 18 Prozent auf, wobei sich derzeit nur ein Abbau von Teersand mit einem Öl-Anteil von mindestens sechs Prozent rentiert.

Bitumen zeichnet sich aus durch seine klebrige, teerartige Konsistenz. Es wird beispielsweise im Straßenbau und als Dichtungsmittel verwendet. Zur Ölgewinnung muss Bitumen in einer Raffinerie aufbereitet werden, daher gilt das Endprodukt als synthetischer Brenn- bzw. Treibstoff.

Warum steigt die Ölproduktion aus Ölsand in den letzten Jahren stetig an?

Durch die weltweite Ressourcenknappheit und die hierdurch steigenden Rohstoffpreise wurde die bis vor kurzem noch finanziell unattraktive Ölsand-Förderung rentabel. Die Einfuhr von Öl aus einem politisch stabilen Land wie Kanada, das gute Kontakte zu westlichen Ländern – den Hauptabnehmern des kanadischen Öls – pflegt, stellt für diese einen immensen Vorteil dar: Sie müssen nicht aufgrund von politischen Konflikten mit Lieferungsschwierigkeiten bzw. schwankenden Preisen rechnen.

Welche Nachteile hat die Förderung von Ölsand?

Die Ölproduktion aus Ölsand ist sehr klima- und umweltschädlich. Für die Förderung im Tagebau werden riesige Flächen entwaldet, und enorme Mengen (heißes) Wasser benötigt. Mit diesem wird der Ölsand vermischt und der Sand dadurch vom Bitumen getrennt. Wirkung zeigt diese Methode, da Ölsand eine chemische Besonderheit aufweist: Die Sandkörner sind nämlich bereits im Boden von einer feinen Wasserschicht umgeben, so dass das Bitumen relativ gut extrahiert werden kann.

Insgesamt liegt die Extraktionsquote bei höchstens 90 Prozent. Nach dem Extrahieren wird das Wasser vom Bitumen in einer Zentrifuge durch Beigabe von Lösungsmitteln getrennt. Anschließend wird das Öl in Raffinerien vor Ort zu leichterem Öl verarbeitet oder verdünnt, um den Transport in Pipelines zu ermöglichen.

Neben den Lösungsmitteln fallen während des Veredelungsprozesses in den Raffinerien unterschiedliche Abfallprodukte wie Schwefel oder Asphalt an, die in Gruben oder Behältern gelagert werden. Das verbleibende Wassergemisch enthält neben Sand noch weitere Substanzen wie Lehm, Schlick, eine bestimmte Menge Öl und Lösungsmittel. Es wird einfach in großen künstlichen Seen “entsorgt”.

In diesen verenden regelmäßig unzählige Vögel, da ihre Federn durch die Ölreste im Wasser verkleben. Da zur Gewinnung eines Liters Öl zwei bis vier Liter Wasser nötig sind, kommen riesige Mengen Wasser zum Einsatz, die aber nicht wiederaufbereitet werden.

Auch auf die Gesundheit der lokalen Bevölkerung haben die “Stauseen” Auswirkungen: So vermuten Experten einen Zusammenhang zwischen den im Wasser enthaltenen Resten an Lösungsmitteln und dem Anstieg der Krebserkrankungen. Denn jene Reste könnten von den Seen aus durch die „Staumauern“ hindurch in die Umwelt bzw. direkt ins Grundwasser gelangen.

Förderung von Ölsand in Kanada: Die CO2-Bilanz

Ölsand kann im Tagebau nur bis zu einer Tiefe von rund 100 Metern gefördert werden. Vielerorts wird in Kanada das Bitumen daher mit einer anderen Technik an die Oberfläche geholt: Weil die tiefer gelegenen Ölsande nicht die zur Förderung notwendige Konsistenz aufweisen, wird heißer Wasserdampf in die Tiefe geleitet, um sie zu verflüssigen. Das flüssige Bitumen wird mit dem Wasserdampf aufgefangen und das Wasser-Bitumen-Gemisch an die Oberfläche gepumpt.

Diese Art der Förderung erfordert noch mehr Energie als für den Tagebau benötigt wird, wobei in beiden Fällen Erdgas dazu dient, das heiße Wasser bzw. den Dampf zu erzeugen. Für die Förderung eines Barrels Öl aus Ölsand werden rund fünf Mal mehr Treibhausgase emittiert als bei der herkömmlichen Ölproduktion.

Laut Greenpeace betragen derzeit die Treibhausgas-Emissionen alleine aus dem Abbau und der Verarbeitung des kanadischen Ölsandes bereits 36 Millionen Tonnen. Zusätzlich fallen weitere neun Millionen Tonnen durch das Abholzen vor dem Abbau an. Die gesamten Emissionen belaufen sich auf etwa die Hälfte des CO2-Ausstoßes Österreichs. Sollte wie geplant in Zukunft die Förderung von Ölsand ausgebaut werden, muss mit 120 bis 140 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr gerechnet werden.

Weiterführende Links:

Hier finden Sie Bilder vom Teersand-Abbau in Kanada

H2Oil – Dokumentarfilm zum Thema Ölsand