Im Winter umweltfreundlich streuen – Welches Streumittel ist bei Schnee und Eis zu empfehlen?

Im Winter umweltfreundlich streuen – Welches Streumittel ist bei Schnee und Eis zu empfehlen? Bei den derzeit herrschenden Wetterverhältnissen stellt sich wieder einmal die Frage, wie eigentlich genau gestreut werden sollte. Was ist effektiv und ökologisch: Abstumpfende Mittel wie Kies oder Granulat statt Salz? Und darf es auch ein bisschen mehr sein?

 

Alle Jahre wieder: Spätestens im Januar kommt es zu Schneefällen und / oder Glatteis. Neben dem ewigen Soll-ich-wirklich-so-früh-aus-dem-Bett-um-zu-räumen-Dilemma gilt es für viele, eine wichtige Frage zu klären: Salz zum Streuen oder lieber eine scheinbar ökologischere Alternative wählen?

Tausalz ist schon lange als Streumittel verschrien. Zu umweltschädlich sei es und zu ineffektiv, da ein Großteil mit der Zeit von der Fahrbahn fortgeschwemmt wird. Ökologisch korrekt sind dagegen Streumittel wie Split oder Granulat.

Diese Auffassung ist so nicht haltbar. Einerseits kommt es darauf an, was für ein Streumittel genau zum Einsatz kommt, andererseits muss das Ausmaß der von Schnee oder Eis zu befreienden Fläche berücksichtigt werden. Daher bedarf es der Unterscheidung zwischen dem Winterdienst auf städtischer und kommunaler Ebene und den privaten Räumungsarbeiten.

Winter in Stadt und Dorf – Schneeschaufeln und Enteisen im großen Stil

Hier raten Institutionen wie das Umweltbundesamt zu einem differenzierten dreistufigen Winterdienst-Modell: Für Nebenstraßen sollte demnach der „weiße Winterdienst“, auch „Nullstreuung“ genannt, gelten: Wenn überhaupt, dann nur räumen und nicht streuen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass bei nicht geräumten Straßen keineswegs mehr Unfälle passieren, denn Autofahrer fahren bei schlechten Witterungsbedingungen entsprechend vorsichtiger.

Für Bürgersteige und Radwege sollten nur salzfreie, abstumpfende Mittel zum Einsatz kommen. Innerhalb geschlossener Ortschaften sowie auf normalen Straßen reicht in den meisten Fällen eine mechanische Schneeräumung mit Kehrmaschine oder Schneeschieber. Der Vorteil hier: Sollte anschließend doch noch eine Streuung nötig sein, wird nur wenig Streumittel gebraucht. Lediglich bei Gefahrenstellen, Kreuzungen und besonders verkehrswichtigen Straßenabschnitten sollte Salz verwendet werden.

Besser Feuchtsalz oder die trockene Variante?

Falls Salz eingesetzt wird, empfiehlt es sich, die Feuchtsalzstreuung gegenüber der Streuung trockenen Salzgranulats zu bevorzugen. Feuchtsalz haftet im Gegensatz zum gewöhnlichen Salz (Natriumchlorid) besser auf der Straße und hat eine geringfügig höhere Tauwirksamkeit. Es verweht nicht so schnell wie Trockensalz und kann daher in geringeren Mengen verwendet werden, was sich erst einmal positiv auf Boden, Pflanzen und korrosionsgefährdete Objekte wie Brücken und Kraftfahrzeuge auswirkt. Allerdings kann gerade sein besonderes Haftvermögen zu einem längeren Verweilen auf Karosserien, Brücken und Pflanzen führen, was wiederum größere Schäden zur Folge haben kann.

Ein weiterer Vorteil des Feuchtsalzes besteht darin, dass es bei tieferen Temperaturen als Trockensalz eingesetzt werden kann, allerdings ist Natriumchlorid die preiswertere Salzvariante.

Die Wirkungsweise von Salz als Streumittel

Das auf der Fahrbahn gestreute Salz verbindet sich mit dem Eis oder Schnee. Ein Teil des Salzes geht dabei in Lösung und gelangt mit dem Schmelzwasser der Fahrbahn erst in das Abflusssystem der Straße und von dort aus in Oberflächengewässer. Zirka 40 Prozent der gestreuten Salzmenge erreichen mit dem Schmelzwasser den Boden am Straßenrand, von wo aus es ins Grundwasser fließen kann. Zudem sickert ein weiterer Teil des Salzes als Spritzwasser in Boden und Grundwasser. Dabei handelt es sich um ein auf der Straße vorzufindendes Salz-Wasser-Gemisch, das durch Fahrzeuge an den Straßenrand gespritzt wird.

Im innerstädtischen Bereich werden zwischen fünf und fünfzehn Prozent des Salzes mit dem Spritzwasser als Salz-Aerosole aufgewirbelt. Diese können sich auf Pflanzen ablagern, in sie eindringen, und zusätzlich zu den Emissionen des Straßenverkehrs nachhaltig schädigen (in Form von Ätz- und Verbrennungsschäden).

Bäume können Salz in geringer Menge aufnehmen, ohne Schäden davonzutragen. Bei einer zu hohen Salzzufuhr allerdings wird ihr Nährstoffhaushalt gestört. Weitere mögliche Umweltschäden durch Salz sind Nährstoffauswaschungen, Wasserentzug im Wurzelbereich und Wurzelschädigungen sowie die Behinderung der Aufnahme wichtiger Nährelemente wie Stickstoff, Phosphor und Kalium.

Das Salz reichert sich nicht nur im Grundwasser, sondern oft auch im Trinkwasser an, und das teilweise in hoher Konzentration: So wurde bereits in einer Region während einer Streuperiode eine fünfzehnmal höhere Salzkonzentration im Trinkwasser festgestellt.

Neben Umweltschäden führt die Salzstreuung noch zu weiteren Problemen: So entstehen hierdurch jedes Jahr hohe Kosten durch Korrosionsschäden an Betonbauteilen, Stahlträgern und Fahrzeug-Karosserien. Insgesamt werden Korrosionsschäden an tragenden Teilen und Karosserien von Kraftfahrzeugen zu etwa 50 Prozent auf die Einwirkung von Streusalz zurückgeführt.

Vorteile und Nachteile der abstumpfenden Streumittel

Die sogenannten abstumpfenden Mittel können ebenfalls Fahrzeuge schädigen: So kann die Laufleistung von Winterreifen durch Einwirkung der scharfkantigen Granulate reduziert sein und Lackschäden durch den Aufprall des Streuguts auf die Karosserie entstehen.

Was die Ökobilanz jener Streumittel betrifft, so ist diese davon abhängig, welches Mittel in welcher Menge gestreut worden ist. Denn sowohl das Streuen als auch das Aufsammeln benötigen viel Energie. Unter Berücksichtigung der Transportwege und Entsorgung sind sie daher aus ökologischer Sicht nicht umweltfreundlicher als Tausalze.

Die ökologische Bilanz wird auch dadurch getrübt, dass die abstumpfenden Mittel nicht ohne Weiteres wiederaufbereitet werden können, da sie mit Reifenabrieb und Straßenschmutz verunreinigt sind. Eine zur Weiterverarbeitung notwendige Nassreinigung lohnt sich finanziell nicht, daher erfolgt, wenn überhaupt, nur ein Downcycling von Split und Granulat zum Beispiel im Rahmen des Baus von Lärmschutzwällen.

Energieintensiv hergestellte Streustoffe wie Blähton sind ebenfalls ökologisch bedenklich, dies gilt auch für die Verwendung von Granulaten aus Schlacken, da diese oft zu viel Schwermetall enthalten.

Worauf Sie als Privatperson beim Streuen achten sollten

Während es für Städte und Kommunen sinnvoll sein kann, gezielt Feuchtsalz zu streuen, taugt dies nicht als Vorbild für Privatpersonen. Beim Winterdienst vor der eigenen Haustür sollten Sie auf Salz verzichten und Streualternativen nur sparsam zum Einsatz kommen lassen.

Von einer Mischung aus Salz und abstumpfenden Streumitteln ist dringend abzuraten, da hier in der Regel größere Mengen Streumittel für das gleiche Ergebnis benötigt werden und Pflanzen sowie Boden oft noch mehr Salz als bei einer gemäßigten Salzstreuung zugeführt werden.

Bei Schnee reicht es in den meisten Fällen völlig aus, den Gehweg mit Besen oder Schippe zu räumen. Bei Eis sowie erhöhter Glättegefahr empfehlen sich Sand, Kies oder Sägespäne als Streumittel, wobei zu beachten ist, dass die abstumpfende Wirkung von Sand bei Neuschnee nicht anhält.

Kaufen Sie Streumittel mit dem Umweltzeichen ”Der Blaue Engel”, denn diese enthalten im Unterschied zu Streumitteln ohne Gütesiegel kaum umweltschädliche Stoffe. Wichtig: Entsorgen Sie das gebrauchte Streugut aufgrund der Verunreinigung mit Reifenabrieb und Straßenschmutz weder in der Mülltonne noch in der Kanalisation, sondern überlassen Sie das Aufkehren der Stadtreinigung.

Kurz & Knapp:

Grundsätzlich führt der Einsatz von Salzen als Streumittel zur Schädigung von Umwelt, Fahrzeugen und Infrastruktur, was erhebliche Folgekosten nach sich zieht. Daher sollte Salz nur auf städtischer oder kommunaler Ebene auf ausgewählten Straßen in geringen Mengen (nicht über zehn Gramm pro Quadratmeter) verwendet werden. Für den Privatgebrauch reicht manuelles Räumen in den meisten Fällen aus, sollten Sie doch einmal Streugut benötigen, achten Sie auf das Siegel “Der Blaue Engel”.

Linktipp:

Ökologische Streuprodukte des Blauen Engels

3 Kommentare
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  1. An sich ne gute Sache, ich frag mich nur, ob das auch dauerhaft brauchbar bleibt.

  2. voll coole seite hab genau des gefunden was ich gebraucht hab!
    wir machen nämlich ein NWA-Vortrag!!!

  3. Ich habe zwar keine Ahnung, was ein NWA-Vortrag ist, aber VIEL SPASS + VIEL ERFOLG dabei! :-)

    Viele Grüße vom Econitor-Team,
    Chris

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