Recycling: Wie Abfall wiederverwertet werden kann – oder auch nicht
Recycling ist wunderbar: Ein Produkt wird nach Gebrauch in seine Bestandteile zerlegt, aus denen etwas Neues erstellt wird. Dies spart Ressourcen und schont die Umwelt. In der Praxis macht das Prinzip aber Probleme: Recycling funktioniert nicht zu 100 Prozent und viele Stoffe können nur eine begrenzte Anzahl an Recycling-Prozessen durchlaufen.
Beim Stichwort „Recycling“ denken Sie sofort an den Grünen Punkt? Dann geht es Ihnen wie vielen. Denn dieses Symbol prangt auf unzähligen Verpackungen, aus welchem Material auch immer. Dabei ist vielen Verbrauchern gar nicht bewusst, dass es sich beim Grünen Punkt nicht um ein Zeichen für die Recycelbarkeit allgemein, sondern um eine eigenständige Marke handelt. Inhaber der Marke mit den zwei ineinander verschlungenen Pfeilen ist das 1990 gegründete Unternehmen „DSD Duales System Deutschland GmbH“. Das Zeichen zeigt, dass der Hersteller bzw. Vertreiber für die Verpackung seines Produktes einen Vertrag mit der DSD abgeschlossen hat, um die Verpackung über das DSD-Sammelsystem sammeln und recyceln zu lassen. In Deutschland wurden 2008 durch Recycling mit dem Grünen Punkt Treibhausgase vermieden, die rund 1,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen.
Auch Produktverpackungen ohne das Markenzeichen „Grüner Punkt“ können meist problemlos recycelt werden. Hierzu sollte die Verpackung an dasjenige Unternehmen zurückgehen, mit dem der Hersteller einen Entsorgungsvertrag geschlossen hat. Egal, wer für das Recycling zuständig ist – Hauptsache, es wird gemacht!
Recycling – Was ist darunter genau zu verstehen und welche Einschränkungen existieren bei der Verwertung von Abfall?
Als Recycling wird die Rückführung von Rest- und Abfallstoffen in den Produktionskreislauf bezeichnet, also die Rückgewinnung von Rohstoffen und ihre Weiterverarbeitung. Hiervon zu unterscheiden ist das Recycling durch energetische Verwertung. In diesem Fall werden Stoffe verbrannt oder vergast, um durch den Verbrennungsprozess Energie zu gewinnen.

Gepresste Müllballen aus Plastikflaschen
Recycling, so wie der Begriff in der Umgangssprache verwendet wird, dient der Abfallvermeidung und Wiederverwendung von Materialien und Produkten. Dank des Recycelns werden umwelt- und klimaschädliche Substanzen ordnungsgemäß entsorgt und weniger Rohstoffe beim Herstellen von Produkten benötigt. Zusätzlich lassen sich durch Recycling Ressourcen wie Energie und Wasser einsparen.
Es zeichnen sich zwar nicht alle, aber doch viele Recyclingprodukte durch eine gute Umwelt- und Klimabilanz gegenüber der Primär-Herstellung aus: So lässt sich zum Beispiel mit der Energie, die zur Herstellung einer Tonne Aluminium aus Bauxit benötigt wird, nämlich 18.000 kWh, die 20-fache Menge an Aluminium recyceln.
Am häufigsten recycelt werden Glas, Papier, Kunststoffe und Metalle. Zu beachten ist hierbei, dass nicht alle im Abfall enthaltenden Rohstoffe vollständig zurückgewonnen werden können. So lässt sich beispielsweise beim Recyceln von Handys (noch) nicht die gesamte Menge an darin enthaltenem Gold wiedergewinnen: Das Handy wird, wie andere Produkte auch, während des Verwertungsprozesses zerschreddert. Das Ergebnis der Handy-Verarbeitung sind kleine Chips, vermischt mit vielen Drähten und einer Menge Staub. Dieser Staub kann durch die mechanische Trennung der einzelnen Komponenten z.B. durch Magnete, nicht zurückgewonnen werden, und sammelt sich im Kunststoffrest, der verbrannt wird. Gerade kostbare Edelmetalle wie Gold oder Palladium, die in jedem Mobiltelefon zu finden sind, fallen zum großen Teil als Staub an. Aus diesem Grund wird nur weniger als ein Drittel des gesamten Goldanteils eines Handys durch Recycling wieder der Wertstoffkette zugeführt.
Warum endloses Recycling in vielen Fällen nicht möglich ist
Die meisten recycelbaren Produkte und Materialien können qualitätsbedingt nicht unendlich oft wiederverwertet werden. Ein beliebtes Beispiel hierfür sind Kunststoffe: Im Rahmen ihrer Wiederaufbereitung verkürzen sich die Kunststofffasern jedes Mal ein wenig. Die Folge: Nach einer bestimmten Anzahl an durchlaufenen Recyclingprozessen eignen sie sich nicht mehr zur Herstellung hochwertiger bzw. höherwertiger Güter und enden dann etwa als Parkbank, die nach Ende ihrer Lebensdauer nicht mehr recycelt wird.
Dieses Problem stellt eine der Haupttücken des Recyclings dar und wird als Downcycling bezeichnet. Natürlich ist die Verwendung von Recycling-Materialien für Produkte aus einfachen Kunststoffen wie die Parkbank deutlich rohstoffsparender, als die Herstellung aus primären Rohstoffen. Allerdings können durch die konstante Abnahme der Rohstoffqualität eben nicht mehr dieselben Produkte hergestellt werden. Die Tetrapack-Werbeaussage, ihre Verbundstoff-Verpackungen seien „komplett recycelbar“ ist somit eher kritisch zu bewerten: Aus einer Tetrapack-Getränkeverpackung entsteht eben keine neue Getränkeverpackung mehr. Von einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft (wie sie beispielsweise das unten beschriebene „Cradle to Cradle“-Prinzip anstrebt) ist man hier also noch weit entfernt.
Demgegenüber steht das Upcycling, die Herstellung eines Materials, das nach dem Recycling dieselbe oder sogar eine höhere Qualität als das Ausgangsmaterial aufweist. Was zum Beispiel bei Glas und Aluminium kein Problem darstellt, ist im Falle vieler anderer Stoffe entweder noch Zukunftsmusik (auch aus Kostengründen) oder aufgrund der Materialeigenschaften gar nicht machbar.
Cradle to Cradle – Ein Ausweg aus dem begrenzten Recycling
Einer, der an der endlosen Wiederverwertung arbeitet, ist Michael Braungart. Dieser Professor für Verfahrenstechnik und Mitbegründer des „Cradle to Cradle“-Prinzips hat in Zusammenarbeit mit Partnern verschiedene Produkte entwickelt, die sich problemlos etliche Male upcyclen lassen oder, da sie keine Giftstoffe enthalten, gleich dem Nährstoffkreislauf zugeführt werden können. Ein Beispiel hierfür ist ein kompostierbares T-Shirt, das in Zusammenarbeit mit einem großen deutschen Textilhersteller entstanden ist.
Noch existieren erst ca. 600 „Cradle to Cradle“-Produkte, und da bis zur Entwicklung eines solchen Erzeugnisses mehrere Jahre vergehen können, werden sich mit diesem Prinzip in absehbarer Zeit keine großen Marktanteile gewinnen lassen. Neben der Tatsache, dass auch für wiederkompostierbare Erzeugnisse Rohstoffe zu ihrer Herstellung benötigt werden, sind die Produkte trotz ihres smarten Konzepts (noch) nicht perfekt. Ein von Braungart und einem amerikanischen Unternehmen entworfener Bürostuhl zum Beispiel soll mindestens 25 Recycling-Prozesse überstehen und besteht zu aus 96 Prozent aus recycelbaren Materialen. So begrüßenswert es ist, dass ein Produkt 25-mal recycelt werden kann: Es stellt noch eine absolute Ausnahme dar, denn viele Kunststoffe können lediglich vier- bis achtmal wiederverwertet werden.
Manipulation beim Recycling senkt die Verwertungsquote und schadet der Umwelt
Die Menge an Abfall, die wir produzieren, nimmt kontinuierlich zu: Erzeugte jeder Europäer 1995 noch durchschnittlich 460 Kilogramm Siedlungsabfall, so stieg diese Menge laut Europäischer Umweltagentur 2004 auf 520 Kilogramm und wird aller Voraussicht nach 2020 680 Kilogramm betragen. Eine hohe Recycling-Quote wird also immer wichtiger!
Leider existieren aber auf Unternehmensseite immer noch eine Reihe schwarzer Schafe: So hat die Duales System Deutschland GmbH 2008 deutlich mehr Verpackungen recycelt, als bei ihr angemeldet waren. Nach der neuen Verordnung für die ordnungsgemäße Rücknahme und Entsorgung von Verpackungsabfällen müssen die Hersteller sowie Vertreiber von Verpackungen bei der örtlich zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) darüber Rechnung ablegen, wie viel Verpackungen sie in den Verkehr gebracht haben. Exakt diese Menge ist auch beim dualen System abzugeben.
Indem Hersteller oder Vertreiber von Verpackungen falsche Angaben machen, sparen sie sich die Kosten für die Sammlung und Verwertung von Verkaufsverpackungen, welche dann auf andere Wettbewerber oder die öffentliche Hand abgewälzt werden, obwohl sie eigentlich dafür aufkommen müssten. Die Verwertungsquote hat sich zwar auch durch eine Steigerung der Ausbeute erhöht (weniger Material wird als Sortierrest entsorgt), aber das allein erklärt nicht eine Gesamtverwertungsquote von 120 Prozent! Diese kann nur zustande kommen, weil Anbieter tricksen.
Die Deutsche Umwelthilfe bemängelt in diesem Zusammenhang, dass auch nach Inkrafttreten der fünften Novelle der Verpackungsverordnung am 1. Januar 2009, die eigentlich für mehr Transparenz bezüglich des Verbleibs und der Wiederverwertung sogenannter Verkaufsverpackungen sorgen sollte, das Gegenteil der Fall sei: Die Novelle ermögliche unkontrollierte Stoffströme und öffne Schlupflöcher für kreative Falschdeklarierungen. Eine Kontrolle fände in der Regel nicht statt. Durch eine missbräuchliche Auslegung der Verpackungsverordnung könnten die Unternehmen Entsorgungs- und Recyclingkosten in Millionenhöhe sparen, und die praktizierten Falsch- und Umdeklarationen gingen dabei regelmäßig zulasten einer qualitativ hochwertigen Entsorgung.
Wie Sie als Privatperson zum erfolgreichen Recycling beitragen können
Seit 2006 können Verbraucher in Deutschland ihre alten Elektrogeräte kostenlos den Herstellern über die Kommunen zurückgeben. Dort stehen spezielle Sammelbehälter für Elektroaltgeräte bereit.
Mülltrennung in Deutschland
Sondermüll wie Akkus, ölverschmutzte Lappen oder Energiesparlampen gehört nicht in den Restmüll, sondern zum Recyclinghof. Denn bei unsachgemäßer Entsorgung besteht die Gefahr, dass umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe wie Cadmium, Öl oder Quecksilber in Boden, Grundwasser oder die Atmosphäre gelangen.
Achten Sie neben den Grundlagen (normales Papier in die Papiertonne, verschmutztes Papier in den Restmüll etc.) darauf, sortenrein zu trennen: Das bedeutet zum Beispiel im Falle eines gebrauchten Joghurt-Bechers, dass Sie den Becher kurz ausspülen, um Nahrungsreste zu entfernen, und den Aluminiumdeckel vom Plastik-Becher abtrennen, bevor Sie beide Teile in den Gelben Sack werfen!
Bei Unklarheiten („In welche Tonne gehört das jetzt rein“?) beim zuständigen Abfallwirtschafts-unternehmen nachfragen bzw. sich auf dessen Website umschauen, wo meist ein „Abfall-Glossar“ zu finden ist.

Die nächste industrielle Revolution – Michael Braungart / William McDonough
Was war nochmal – Urban Mining? 









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