Kaugummi: Heute schon auf Erdöl gekaut?

Kaugummi: Heute schon auf Erdöl gekaut? Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, woraus Kaugummi eigentlich besteht? Und welche Vorteile und Nachteile Bio-Kaugummi hat?

 

Dem deutschen Kaugummi-Verband zufolge haben die Bundesbürger 2009 etwa 656 Millionen Euro für Kaugummis ausgegeben, allen voran Jugendliche. Mit zunehmendem Alter sinkt dann die Zahl der Konsumenten: Während in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen 77 Prozent angaben, mindestens einmal pro Woche Kaugummi zu kauen, waren es bei den 40- bis 49-Jährigen nur noch 44 Prozent.

Im internationalen Vergleich dominieren Länder wie die USA oder Belgien das Kaugummi-Ranking mit einem zwei Drittel bzw. ein Drittel höheren Kaugummi-Verbrauch als in der Bundesrepublik.

Auf dem Markt finden sich heutzutage viele unterschiedliche Sorten Kaugummi, nicht nur, was Geschmack und Farbe angeht, sondern auch bezüglich ihrer Funktion: So etwa zum Blasen machen (Bubble Gum), zum Bleichen der Zähne, gegen Übelkeit und Durchfall, zur Zahnpflege und als Zigarettenersatz.

Die Geschichte des Kaugummis

Das bislang älteste Kaugummi der Welt ist ganze 9000 Jahre alt und wurde im Rahmen einer Ausgrabung in Südschweden entdeckt. Immer wieder kommt es zu Funden, die belegen, dass das Kaugummikauen keine Erfindung der Neuzeit ist. Forscher vermuten, dass die frühen Kaugummis wegen ihrer antiseptischen (Krankheitserreger abtötenden) Wirkung gekaut wurden. Als Rohstoff diente in der Regel Birkenrinde, aus der durch Kochen ein Harz, Birkenteer, gewonnen wurde. Dieses härtet beim Abkühlen aus und weicht bei Erwärmen wieder auf. Noch heute werden Bestandteile der Birke wegen ihrer antiseptischen Wirkung genutzt.

Wie wird ein herkömmliches Kaugummi produziert?

Anfangs wurde industriell hergestelltes Kaugummi mit Chicle, natürlichem Latex, gefertigt. Heutzutage macht der Chicle-Anteil, wenn überhaupt, bei den konventionellen Kaugummis nicht mehr als wenige Prozent aus, die restliche Kaumasse bilden sogenannte petrochemische Polymere, aus Erdöl gewonnene Kunststoffe. Vor allem der Kunststoff Polyisobutylen wird aufgrund seiner hohen Reißdehnung, Temperaturbeständigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Säuren gerne als Kaumasse verwendet. Dieser Kunststoff ist grundsätzlich vielseitig einsetzbar, und dient etwa als Dichtungsmasse im Bauwesen oder als Pflasterkleber.

Neben der Kaumasse bestehen Kaugummis aus Füllstoffen wie Cellulose, die die Kalorien eines Lebensmittels reduzieren bzw. sein Volumen vergrößern. Weitere Zutaten sind Zucker und / oder Süßungsmittel, Weichmacher, Feuchthaltemittel, Aromen, Antioxidationsmittel, Säure, Farbstoffe und Emulgatoren.

Die petrochemische Kaumasse kann nicht verdaut werden, verklebt aber auch nicht, wie oft behauptet, Magen oder Darm. Es besteht also kein Grund zur Sorge, falls ein Kaugummi aus Versehen verschluckt wird.

Bio-Kaugummi: Die Herstellung

Bio-Kaugummi besteht aus einer Mischung aus Chicle, natürlichen Wachsen wie Bienenwachs, Bio-Zucker und natürlichen Aromen und – je nach gewünschter Farbe – eventuell natürlichen Farbstoffen. Gewonnen wird Chicle aus dem Saft des Chicozapote-Baums, der nur im Regenwald wächst. Außerhalb seiner natürlichen Umgebung angepflanzt, produziert er kein milchfarbenes Latex, das als Kaumasse für alle Bio-Kaugummis dient. Daher wird von Seiten der Hersteller die Rolle der Chicozapote-Bäume beim Schutz der Regenwälder betont.

Für die Gewinnung von Chicle werden jene Bäume durch Schnitte in der Rinde oberflächig angeritzt, der austretende Saft wird in einem Beutel am Fuße des Baumes aufgefangen. Ein Baum liefert drei bis fünf Kilogramm Chicle, kann aber nur etwa alle sieben Jahre „geerntet“ werden.

Nach Auffangen des Saftes wird dieser eingekocht, um ihm die Flüssigkeit zu entziehen. Zurück bleibt eine klebrige Masse, die zu rechteckigen Ziegeln geformt, nach dem Abkühlen aushärtet. Die Ziegelform eignet sich perfekt zur Lagerung und zum Weitertransport.

Die Vorteile von Öko-Kaugummi

Bio-Kaugummi wird nachhaltig produziert, enthält keine Inhaltsstoffe auf künstlicher bzw. petrochemischer Basis und ist vor allem biologisch abbaubar. Herkömmliche Kaugummis dagegen verrotten nicht, weswegen ein Bürgersteig bzw. eine Straße ohne weiße Kaugummi-Flecken in vielen Städten mittlerweile absoluten Seltenheitswert hat.

Für die Stadtreinigung sind ausgespuckte Kaugummis auf Erdölbasis ein Grauen: Einmal getrocknet sind sie nur mit großem Aufwand zu entfernen – das kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld. Daher wird das Entsorgen von Kaugummis auf der Straße in immer mehr Städten mit Bußgeldern belegt.

Prominentester Vorreiter gegen den Kaugummi-Konsum ist Singapur: Dort war das Kaugummikauen zwölf Jahre Land verboten, mittlerweile gibt es zwar wieder Kaugummis zu kaufen, allerdings nur in Apotheken, und beim Kauf werden der Name und die Ausweisnummer des Käufers in ein Register eingetragen. Grund für das Kaugummi-Verbot in Singapur waren übrigens verklebte U-Bahntüren bzw. Lichtschranken, durch die es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen kam.

Hat Bio-Kaugummi auch Nachteile?

Erst einmal soll an dieser Stelle vor einem weit verbreiteten Missverständnis gewarnt werden. Denn auch für Bio-Kaugummi gilt: Ökologisch bzw. nachhaltig produziert ist nicht gleichbedeutend mit Fair Trade! Nur bei Produkten mit Fair-Trade-Zertifizierung kann davon ausgegangen werden, dass die Produzenten vor Ort angemessen entlohnt wurden.

Wie bereits oben erwähnt, dient die Tatsache, dass der Chicozapote-Baum nur in seiner natürlichen Umgebung Chicle produziert, als Argument für den Schutz des Regenwaldes, da ein intakter Regenwald Voraussetzung für die Chicle-Produktion ist. Der Chicozapote-Baumbestand ist aber logischerweise begrenzt und die Latex-Produktion pro Baum fällt zudem sehr gering aus. Daher kann Chicle als Hauptbestandteil der Kaumasse nur bei bestimmten Kaugummisorten zum Einsatz kommen, und nicht dem gesamten Markt zur Verfügung stehen.

Kaugummi kann noch so Bio sein, wenn es Zucker enthält, ist das schlecht für die Zähne, und eignet sich somit nicht zur Zahnreinigung zwischendurch. Ein weiterer Nachteil von Bio-Kaugummi besteht darin, dass damit keine Blasen erzeugt werden können.

Sowohl Konsistenz als auch Geschmack unterscheiden sich teilweise erheblich von herkömmlichen Kaugummis, weshalb Bio-Kaugummi es schwer haben dürfte, aus seiner „Öko-Nische“ herauszukommen.

Kurz & Knapp:

Das herkömmliche Kau-gummi trägt seinen Namen nicht nur wegen seiner Eigenschaften zu Recht, sondern auch aufgrund des hohen petrochemischen Anteils seiner Kaumasse. Bei Bio-Kaugummi hingegen wird für diese hauptsächlich Chicle verwendet, ein vom Chicozapote-Baum produzierter Saft. Ein großer ökologischer Vorteil von Bio-Kaugummi liegt darin, dass es im Gegensatz zum konventionellen Kauspaß biologisch abbaubar ist.

3 Kommentare
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  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Econitor GmbH, CO2-Freiheit.de erwähnt. CO2-Freiheit.de sagte: RT @Econitor: Heute schon auf Erdöl gekaut? http://bit.ly/9EN3o3 [...]

  2. schade,daß das nicht an Schulen gelehrt wird…

  3. Ich finde, das sollte man wissen!

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