Ist Palmöl umweltfreundlich? Warum Nougatcreme und Biosprit die Umwelt zerstören und den Klimawandel anheizen

Ist Palmöl umweltfreundlich? Warum Nougatcreme und Biosprit die Umwelt zerstören und den Klimawandel anheizen Aus Palmöl werden Konsumprodukte und Lebensmittel hergestellt sowie Biosprit gewonnen. Dafür wird täglich Regenwald zerstört, um Ölpalmen in Monokultur Platz zu machen – eine ökologische Katastrophe aufgrund der Umweltschäden und des gewaltigen CO2-Ausstoßes.

 
Regenwald

Intakter Regenwald

Palmöl – Noch nie gehört? Dabei ist es das meistproduzierte Pflanzenöl der Welt, mit stark steigender Tendenz: Betrug die Produktion vor fünfzehn Jahren noch 15 Millionen Tonnen, werden aktuell schon rund 44 Millionen Tonnen Palmöl und Palmkernöl verbraucht. Bis 2020 könnte sich diese Menge aufgrund der hohen Nachfrage nach Alternativen zu fossilen Kraftstoffen verdoppeln. Die Ölpalme ist auch so beliebt, weil sie sehr ertragreich ist:  Plantagen liefern jährlich im Schnitt ca. 3500 Liter Öl pro Hektar, wobei vereinzelt Spitzenwerte von 7000 Litern erreicht werden. Als Vergleich: Bei der in Deutschland einheimischen Ölpflanze Raps sind es nur rund 1500 Liter pro Hektar.

Ölpalmen werden vorwiegend in Asien angebaut. Dabei entfallen 46 Prozent der Plantagen auf Indonesien, und weitere 41 auf Malaysia. Insgesamt beträgt die weltweite Anbaufläche von Ölpalmen 12 Millionen Hektar, das entspricht der Fläche Süddeutschlands. Aus den Früchten der Ölpalme lassen sich zwei verschiedene Öle gewinnen: Palmöl und Palmkernöl.

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Dabei werden die Früchte sterilisiert und gepresst, das Resultat ist ein Pflanzenöl, das aufgrund seines hohen Anteils an Carotin rötlich wirkt. Die jährliche globale Palmöl-Produktion beträgt 40 Millionen Tonnen. Die rund 4 Millionen Tonnen Palmkernöl werden durch Trocknen, Mahlen und anschließendes Pressen aus den Kernen der Früchte gewonnen. Im Gegensatz zum Palmöl gehört es zu den festen Fetten.

Palmöl ist überall: In Lebensmitteln, Reinigern und im Autotank

Was haben Putzmittel und Schokolade, Biokraftstoff und Lippenstift gemeinsam? In vielen Fällen enthalten sie Bestandteile der Ölpalmen-Frucht. Und zukünftig werden voraussichtlich mehr und mehr Produkte und Lebensmittel Palmöl enthalten.

Gründe für die vermehrte Verwendung von Palmölen gibt es viele. Palmkernöl ist beispielsweise aufgrund seiner angenehm kühlenden Eigenschaften nach dem Schmelzen (Schmelzpunkt unter Körpertemperatur) in der Süßwarenindustrie ein beliebter Rohstoff, um zartschmelzende Schokoladenglasuren und Überzüge herzustellen. Gleichzeitig verhindert das pflanzliche Öl das unästhetische Anlaufen von Schokoladen.

Einer der wichtigsten Gründe für die steigende Nutzung dürfte jedoch der billige Rohstoffpreis sein. Immer häufiger werden in industriell hergestellten Lebensmitteln wie Süßigkeiten oder Fertiggerichten hochwertige Öle und Fette durch preiswerteres Palmöl bzw. Palmkernöl ersetzt. Dies ist jedoch gesundheitlich bedenklich. Denn Palmöle enthalten besonders viele gesättigte Fettsäuren, die höchstens zehn Prozent der verzehrten Nahrung ausmachen sollten. Im Schnitt konsumieren die Europäer allerdings fünfzig Prozent mehr. Gesättigte Fettsäuren erhöhen die Blutfettwerte und führen zu Ablagerungen in den Blutgefäßen. Sie zählen zu den Hauptrisikofaktoren für Herz/Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Umweltschäden und  CO2-Emissionen durch Abholzen Jahrtausende alter Regenwälder

...und so danach

Ölpalmen-Plantage in Monokultur

Die Fläche des Regenwaldes, der für den Ölpalmen-Anbau gerodet wird, beläuft sich allein für Indonesien auf 60 Millionen Hektar, ein Gebiet so groß wie Frankreich. Mit der steigenden Palmöl-Nachfrage wird sich diese Fläche in den nächsten Jahren noch weiter ausdehnen.

Ölpalmen werden in großem Maßstab als Monokultur angebaut. Dies geht auf Kosten des Bodens und der Tierwelt. Flora und Fauna leiden aber besonders unter der Tatsache, dass oft Regenwald vernichtet wird, um auf den gewonnenen Flächen Palmen pflanzen zu können. Dieses Praxis ist sehr  profitabel: Der qualitativ hochwertige Baumbestand wird abgeholzt und als Holz verkauft, der als minderwertig eingestufte Holzrest wird anschließend meist abgebrannt. Die Erlöse aus dem Holzverkauf trösten dabei darüber hinweg, dass erst drei Jahre nach Anbau der Ölpalmen geerntet werden kann.

Da Brandrodung günstiger als mechanisches Abholzen ist, wird es überall, wo kein ausdrückliches Verbot besteht, der aufwändigeren Variante vorgezogen. Durch die Brände gelangt der in den Pflanzen gebundene Kohlenstoff als CO2 in die Luft, und trägt damit zum Treibhauseffekt bei. Mittlerweile werden zwanzig Prozent der Treibhausgase durch Entwaldung emittiert. Hierzu trägt auch Torfboden bei, der in den Tropen mehrere Meter dick sein kann: Er fungiert als Kohlenstoffspeicher. Bei Brandrodung werden daher große Mengen an CO2 frei – mehr als durch die Nutzung von Biosprit statt fossiler Kraftstoffe in Hunderten von Jahren eingespart werden kann!

Nach der Rodung sind nur noch wenige Nährstoffe im Boden vorhanden. Die neu angelegten Monokulturen können folglich nur eine Zeitlang bestehen, bevor der Boden ausgelaugt ist und neue Plantagen auf ehemaligem Regenwald-Gebiet entstehen.

Der Einsatz von Pestiziden führt zur Verseuchung von Böden, Flüssen und dem Grundwasser. Das wirkt sich wiederum auf Tier- und Pflanzenwelt aus, und trägt verstärkend zum Artensterben bei. Die Biodiversität ist folglich in den betroffenen Gebieten massiv bedroht.

Die lokale Bevölkerung wird durch den Einsatz von Chemie gesundheitlich gefährdet und ihr Lebensraum durch die menschliche Intervention zerstört. Zudem geraten die Feuer immer wieder außer Kontrolle, verwüsten ganze Landstriche und führen zur zusätzlichen gesundheitlichen Beeinträchtigung der Bevölkerung. Finanziell profitieren die lokalen Gemeinden und Dörfer in der Regel nicht vom Palmöl-Boom.

Palmöl im Tank

Palmöl besteht aus Kohlenwasserstoffketten, ähnlich denen mineralischer Öle, und kann somit einfach herkömmlichem Diesel beigemischt werden. Das wird in Zukunft wohl immer häufiger geschehen: Die Suche nach Alternativen zu fossilen Kraftstoffen, der steigende Ölpreis und Umweltschutz-Maßnahmen wie das Ziel der EU, bis 2020 einen Biokraftstoff-Anteil von 10 Prozent des gesamten Kraftstoff-verbrauchs zu erreichen, werden zu einem Anstieg der Palmöl- Nachfrage beitragen.

Da ein nachwachsender Rohstoff die Basis für Palmöl bildet, wurde diesem lange Zeit eine gute Umweltbilanz bescheinigt. Theoretisch stimmt es, dass nachwachsende Rohstoffe klima- und umweltfreundlich sind, in der Praxis allerdings sieht dies wie erwähnt oft ganz anders aus.

Gibt es nachhaltiges Palmöl oder andere ökorrekte Alternativen?

Eine ökorrekte Option scheint nachhaltiges Palmöl zu sein: Diese zertifizierte Variante soll ökologisch und sozial verträglich sein. Das verspricht zumindest der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO). Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein Zusammenschluss von mittlerweile mehr als 400 Unternehmen (Plantagenbesitzer, Palmöl-Verarbeiter und -verkäufer, Lebensmittelhersteller) und Investoren, die ungefähr die Hälfte der jährlichen Öl-Produktion verkörpern sowie NGOs.

Der RSPO als Initiative für die nachhaltige Produktion von Palmölen ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings hat es die Organisation seit ihrer Gründung im Jahr 2003 bislang noch nicht geschafft, der Waldzerstörung Einhalt zu gebieten. Auch sind die verwendeten Kriterien teilweise stark umstritten. Kritiker prangern zudem eine Verstrickung von RSPO-Mitgliedern in die Regenwaldzerstörung an.

Was kann der Verbraucher konkret tun?

Deutschland importiert jedes Jahr 950.000 Tonnen Palmöl für Lebensmittel, Kosmetik und zur Energiegewinnung. Da lohnt es sich auf jeden Fall, beim Hersteller nachzufragen oder Bio-Produkte zu kaufen, bei denen die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass zu deren Erzeugung Regenwald zerstört wurde.

In welchen Produkten Palm- bzw. Palmkernöl zu finden sind, ist leider nicht einfach zu erkennen: Bei Lebensmitteln etwa versteckten sie sich häufig hinter der Formulierung „gehärtetes“  bzw. „ungehärtetes Pflanzenfett“. Vorerst bleibt dem Verbraucher leider nur die Nachfrage beim Hersteller, um absolut sicher gehen zu können, dass ein Produkt auch wirklich keines der beiden Öle enthält (Schätzungen zufolge finden sich in fünfzig Prozent aller in einem gewöhnlichen Supermarkt verfügbaren Lebensmittel Bestandteile aus Palmölen!).

Um auf Palmöle zu verzichten und einen nachhaltigen Lebensstil zu führen, empfiehlt es sich, möglichst viele regionale und Bio-Lebensmittel zu kaufen sowie Fertiggerichte zu meiden. Ebenfalls ratsam ist der Umstieg auf Naturkosmetik- / Naturpflege-Produkte und ökologische Reinigungsmittel.

Was das Palmöl im Sprit betrifft: Das Auto öfter stehen zu lassen, und auf öffentliche Verkehrsmittel bzw. im Idealfall auf das Fahrrad umzusteigen sowie mehr Fußwege einzuplanen, ist grundsätzlich ein großer Beitrag zum Klimaschutz und hilft zudem, Biosprit zu sparen.

Kurz & Knapp:

Palmöle werden zu Lasten der Umwelt und des Klimas hergestellt. Der Anbau der Ölpalmen in Monokulturen zerstört riesige Flächen Regenwald und trägt aktiv zum Treibhauseffekt bei.

Die Öle finden sich in vielen unterschiedlichen Produkten wie Lebensmitteln und Sprit. Sogenanntes nachhaltiges Palmöl ist nur eingeschränkt empfehlenswert, besser ist es, Palmöl-Erzeugnisse ganz zu meiden.

Weitere Informationen:

Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg

Video zu Umweltschäden durch Ölpalmen-Plantagen

3 Kommentare
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  1. Ein interessanter Artikel mit vielen Hintergundinformationen! Leider ist die Abholzung unserer aller Urwälder ein wachsendes Problem, das sich mit einem beginnenden Umdenken hin zu mehr Ökologie nicht gelöst hat, da für unseren Lebensstil Alternativen gefunden werden sollen, um das Energieniveau halten zu können, was letztlich absurd ist. Anstatt nach alternativen Lebenskonzepten zu forschen, wird über die Bio-Hintertür die Umwelt weiter geschädigt. Dass die Nahrungsmittelindustrie dabei ganz vorne mitspielt, wundert mich zwar nach allen bekannten Skandalen nicht so sehr. Dass hier jedoch auch der Verbraucher ansetzen kann, indem er sich für die sinnvolleren Produkte entscheidet, wird im Artikel angedeutet. Dem ist insofern zuzustimmen, weil Veränderungen somit immerhin eine Möglichkeit gegeben wird. Vielleicht und hoffentlich wachsen ökologische Makro-Strukturen dann mit.

  2. [...] Hier können Sie die Hintergründe zu den Auswirkungen von Palmöl auf Umwelt und Gesundheit noch einmal nachlesen. [...]

  3. [...] Hier erfahren Sie mehr über die Folgen des Anbaus nachwachsender Rohstoffe [...]

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