1995 erschien das von Ernst Ulrich von Weizsäcker, Amory und Hunter Lovins veröffentlichte Buch „Faktor Vier“. In diesem legten die Autoren anhand von fünfzig Fallbeispielen aus aller Welt dar, wie sich, ohne Abstriche bei der Lebensqualität oder den Produkteigenschaften, der Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen um den Faktor Vier verringern kann. Das erfolgreiche Buch wurde in zwölf Sprachen übersetzt und führte zu einem gesteigerten Bewusstsein für das Thema Ressourceneffizienz sowie zu konkreten Initiativen zur Senkung des Ressourcenverbrauchs seitens von Unternehmen und der Politik.
Allerdings zeigte sich 2009, fünfzehn Jahre später, dass nicht nur zu wenig effektive Effizienz-Maßnahmen ergriffen worden sind, sondern zusätzlich noch der Energieverbrauch in diesem Zeitraum gestiegen ist. Allerdings sehen die Autoren von „Faktor Fünf“ (neben Ernst Ulrich von Weizsäcker Karlson Hargroves und Michael Smith) nun sogar aufgrund neuer bzw. optimierter Technologien das Potential für eine fünffache Erhöhung der Ressourcenproduktivität. Diese führt ihnen zufolge zu nachhaltigem Wohlstand, und ist nicht nur auf die Industriestaaten beschränkt, sondern kann in jedem beliebigen Land umgesetzt werden, und gilt auch für ressourcenintensive Branchen.
Rezension:
Das sehr detailreiche, äußerst informative Buch ist verständlich geschrieben, auch wenn Laien an einigen Stellen mit zu vielen technischen Details konfrontiert werden. Grundsätzlich eignet sich „Faktor Fünf“ ebenfalls für Leser, die sich bereits mit den Themen Klimawandel, Umweltschutz und Ressourceneffizienz beschäftigt haben.
Es fällt positiv auf, dass Weizsäcker und seine Koautoren nicht nur Effizienz-Beispiele aus westlichen Ländern präsentieren, sondern auch Vorbilder aus Staaten wie China oder Indien, was den globalen Anspruch des Buches unterstreicht.
„Faktor Fünf“ macht Hoffnung, denn es zeigt, wie einfach es sein könnte, die fünffache Ressourceneffizienz zu verwirklichen, denn die hierfür benötigte Technologie existiert und ist bezahlbar. Jetzt gilt es, sie auch im großen Stil anzuwenden. Leider hat sich im Zusammenhang mit dem Vorgänger „Faktor Vier“ gezeigt, dass seit dessen Erscheinen deutlich weniger Maßnahmen umgesetzt worden sind, als möglich und auch nötig gewesen wären. Da sich nun die ökologische und umweltpolitische Lage weiter zugespitzt hat, sollte es eigentlich eine absolute Notwendigkeit sein, solche Theorie zügig in die Praxis umzusetzen.
Die (Wieder-)Entdeckung der Genügsamkeit
Die Autoren machen deutlich, dass Ressourceneffizienz alleine nicht reicht, um die mit Klimawandel und Ressourcenknappheit verbundenen Probleme zu lösen. Parallel dazu muss sich das Konsumverhalten, besonders in den Industriestaaten, ändern: „Wir [müssen] auch die Genügsamkeit wiederentdecken. Maßlosigkeit und Gier sind auf Dauer kein Leitwert für eine menschenwürdige Gesellschaft“, so die drei Umweltaktivisten im Klappentext.
Der Genügsamkeit widmen sie sogar das Schluss-Kapitel, in dem sie die heutige Wachstums-Ideologie kritisieren, deren Verfechter Glück mit wirtschaftlichem Wachstum gleichsetzen, und dabei übersehen, dass Lebensqualität auch mit einem geringeren Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen ohne weiteres möglich ist. Ja, Suffizienz kann sogar mit einer höheren Lebensqualität einhergehen.
Die im Buch dargestellten Effizienz-Vorschläge beziehen sich alle auf die industrielle, nationale oder internationale Ebene. Der einzelne Verbraucher erhält leider keine expliziten Ratschläge zur Optimierung seines persönlichen Ressourcenverbrauchs, obwohl jeder einzelne ohne größeren Aufwand im Alltag zur weltweiten Ressourceneffizienz beitragen kann.
von
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Invisible Oil – Ernst Logar
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