Die Econitor Buchtipps: Interessante und unterhaltsame Bücher rund um einen ökologischen und nachhaltigen Lebensstil.

Der grüne Betrug – Martin Gerth

Klimaschutz ist in Deutschland weitestgehend Konsens. Aber was genau bedeutet Klimaschutz eigentlich? Und warum wird nicht endlich mehr getan?

Kurzdarstellung:

Martin Gerth zeigt, wie komplex und ideologisch Klimaschutz und Klimawandel sind: Es erscheinen kontinuierlich Studien, die den jeweiligen Interessensgruppen zur Untermauerung ihrer Thesen und politischen Ziele dienen. Weder die Gesellschaft noch die Politik profitieren davon, im Gegenteil: Während heiß debattiert wird, schreitet der Klimawandel ungebremst voran.

Daher lautet auch der Appell des Autors: ideologische Grabenkämpfe beenden! Es gilt, endlich alle Partikularinteressen zu überwinden und gemeinsam für den Klimaschutz einzutreten. Denn schließlich geht es hier um unsere Existenz und die unserer Nachkommen.

Rezension:

Das Buch eignet sich hervorragend für Einsteiger, also Interessierte, die sich aber bis jetzt noch nicht oder kaum mit Themen rund um Klimaschutz und Klimawandel befasst haben.

Der Autor liefert einen anschaulichen Überblick über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Politik, Gesellschaft und Technologie. Am Ende des Buches enthält ein ganzes Kapitel konkrete Maßnahmen, mit Hilfe derer Deutschland die angestrebten Klimaschutzziele erreichen kann.

Was einem effektiven Klimaschutz im Weg steht

Zentraler Kritikpunkt des Buchs ist die Tatsache, dass Klimaschutz und Klimawandel hochideologisch aufgeladen sind. Dadurch wird pragmatisches Handeln verhindert.

So könnte sich beispielsweise kein konservativer Politiker in zu hohem Maße für „grüne“  Klimaschutzmaßnahmen aussprechen, ohne einen Aufschrei zu erzeugen und als „Ökosozialist“ zu gelten (Wir erleben momentan, wie sehr Bundesumweltminister Röttgen für seine – zumal auf dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels – nun wirklich nicht besonders “grüne” Pläne in den eigenen Reihen kritisiert wird).

Zudem versteht jeder unter Klimaschutz etwas anderes: Für „ökologisch-linke Gutmenschen“ ist er gleichbedeutend mit Erneuerbaren Energien, für „konservative Schöpfungsbewahrer“ mit Atomkraftwerken.

Der Klimawandel ist ein unglaublich komplexes Phänomen. Und da der Mensch gerne die Komplexität auf etwas Greifbares reduziert, ist es nur allzu logisch, dass hier viele in schwarz-weiß Kategorien denken bzw. denken wollen. Das verhindert aber die in diesem Zusammenhang nötige Transparenz und damit die Zunahme des Umweltwissens innerhalb der Bevölkerung.

Außerdem: Beim Klimaschutz ist viel Geld im Spiel. Ob Kosten für Emissionsrechte oder Erneuerbare Energien, für das Abschalten oder die Laufzeitverlängerung von Kraftwerken, keiner möchte als Verlierer darstehen.

Und dann geht es auf internationaler Ebene noch um die Wahrung des Gesichts: Aus diesem Grund vergleicht Gerth die Politik mit einem Mikadospiel. Getreu dem Motto „Wer sich bewegt, hat schon verloren“, warten Politiker bzw. Interessensgruppen darauf, dass sich der andere bewegt, um ja nicht selbst den ersten Schritt machen zu müssen, und angreifbar zu sein.

Fazit

Die Stärke des Buches liegt darin, dass die Argumente aller Interessensgruppen auch für Klima-Laien verständlich und sachlich – eben ohne ideologische Brille – dargestellt werden. Leider hat der Autor im letzten „Maßnahmen“-Kapitel fast ausschließlich die Politik im Visier. Neben der Empfehlung, regionale Produkte zu kaufen und statt dreimal lediglich zweimal wöchentlich Fleisch zu essen, finden sich keine konkreten Tipps für Verbraucher bzw. Verweise auf Online- oder Offline-Quellen, durch die Interessierte mehr über einen nachhaltigen Lebensstil erfahren könnten.



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