Die Econitor Buchtipps: Interessante und unterhaltsame Bücher rund um einen ökologischen und nachhaltigen Lebensstil.

Cool down – Felix Ekardt

Felix Ekardt unterzieht die fünfzig größten Irrtümer über unsere Klima-Zukunft einer eingehenden Prüfung. Dabei zeigt er, welche Auffassungen mit dem Stichwort „Klimawandel“ verbunden sind, was von diesen zu halten ist, und wie die Klimakatastrophe gestoppt werden kann.

Kurzdarstellung

„Unsere größten Probleme sind Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und die Finanzkrise.“
„Ich selbst kann doch gar nichts unternehmen – am Klimawandel sind die Konzerne schuld.“
„Verzicht ist unsexy und macht das Leben langweilig und traurig.“
„In Europa ist das Klimabewusstsein eigentlich relativ hoch. Auch global sind wir schon auf einem sehr guten Weg.“

Solche Aussagen hat wohl jeder von uns bereits einmal gehört bzw. vielleicht auch schon für sich gedacht. Diese und 46 weitere Behauptungen untersucht Felix Ekardt in seinem Buch auf ihren Wahrheitsgehalt.

Der Autor ist Professor für Umweltrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Rostock und berät u.a. die Bundesregierung und mehrere Bundestagsfraktionen in der Klimapolitik.

Rezension

Das spannende Buch nimmt Fragen auf, die man sich selbst schon einmal gestellt hat bzw. die immer wieder in den Medien auftauchen. Was muss getan werden, um den Klimawandel zu verhindern bzw. kann man überhaupt etwas tun? Ist ein nachhaltiger Lebensstil nicht gleichzusetzen mit Unzufriedenheit und Langeweile durch Verzicht?

Gut strukturiert gibt Felix Ekardt auf solche Fragen auch für Klima-Laien verständliche Antworten. Er zeigt auf, dass gerade wir Deutschen uns für ziemlich grün halten, dieses Selbstbild aber nichts mit der Realität zu tun hat, da wir immer noch weit über unsere (Klima-)Verhältnisse leben.

Und damit sind wir nicht allein: Weltweit ist der Ausstoß an Treibhausgasen seit 1990 um vierzig Prozent gestiegen, und er wird angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung noch weiter steigen, wenn nur so wenig unternommen wird wie bisher.

Um den Klimawandel mit all seinen drastischen Folgen zu verhindern, dürften langfristig gesehen pro Kopf lediglich 0,5 Tonnen CO2 im Jahr ausgestoßen werden (Das entspricht dem derzeitigen CO2-Ausstoß vieler afrikanischer Staaten südlich der Sahara). Derzeit emittiert jeder Deutsche durchschnittlich elf Tonnen CO2 im Jahr, und damit nach Ekardt rund 95 Prozent zu viel.

Dabei ist der deutsche CO2-Ausstoß eigentlich noch viel größer: Wie Eckardt zeigt, bleiben diejenigen Emissionen unberücksichtigt, die in allen Ländern entstehen, in denen wir Produkte herstellen lassen (Stichwort Outsourcing). Für alle anderen Industrie-Länder trifft dies natürlich genauso zu.

Was sich ändern muss

Der Autor fordert nicht nur eine gewaltige Verbesserung der CO2-Bilanz jedes Einzelnen, sondern auch eine Kehrtwende in Bezug auf unsere gesellschaftlichen Normen. Er appelliert daran, unser Zivilisationsmodell zu überdenken, konkret: weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen und uns von der Utopie des ewigen Wachstums zu verabschieden.

Für ihn sind wir „gefangen in gewohnt-bequemen kulturellen und wirtschaftlichen Mustern (Autos sind eben „üblich“), fixiert auf kurzfristigen ökonomischen Fortschritt. Und uns fehlt der emotionale Zugang zum durch uns verursachten Leid in fernen Ländern und bei zukünftigen Generationen.“

Der Ausweg aus diesem Gesellschaftsmodell heißt Suffizienz, also Verzicht. Dabei fasst Ekardt diese Suffizienz nicht als harte Askese auf, sondern als partiellen Verzicht und alternativen Lebensstil, der sogar gerade Glück schaffen kann.

Schließlich hat die Menschheit Jahrtausende lang ohne die Aussicht auf ewigen Wachstum und Wohlstand leben können. Und unserer Konsum-Ideologie („Identität und Anerkennung durch immer mehr Konsum“) steht die Tatsache gegenüber, dass zum Beispiel Afrikaner statistisch gesehen nicht unglücklicher sind als wir, solange alle Grundbedürfnisse befriedigt werden.

„Es geht neben Ökonomie, Frieden und Moral auch um mehr Zufriedenheit für uns“

Für Ekardt bewahrheitet sich der scheinbar abgedroschene Satz „Die schönsten Dinge des Lebens sind doch umsonst“ immer wieder. Genau diesen nähmen wir uns aber nicht oft genug zu Herzen. Wir warten ihm zufolge immer darauf, dass das große Glück von außen kommt – anstatt zu versuchen, es selbst herbeizuführen.

Dass nicht Überfluss, sondern gerade ein gewisser Verzicht schon immer einen festen Platz in der Gesellschaft hatte, zeigt sich für den Autor anhand der Religionsgeschichte sowie der Tradition des kleinen Verzichts im Alltag, z.B. durch bewusstes Verzichten auf Süßigkeiten, Zigaretten oder Alkohol.

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